Kommentar

Debatte über Feuer nahe Athen Unwürdige Besserwisserei

Stand: 25.07.2018 20:15 Uhr

Noch während die Feuerwehr löschte, preschten Griechen mit Schuldzuweisungen vor. Das war unwürdig, darf aber die Suche nach neuen Konzepten gegen künftige Waldbrände nicht verhindern.

Ein Kommentar von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Waldbrände gehören in Griechenland leider zum Sommer wie schöne Sonnenuntergänge und lange Abende unter freiem Himmel. Doch so heimtückisch und mörderisch wie in den vergangenen drei Tagen waren die Feuer seit Jahrzehnten nicht mehr. Das hatte vermutlich nicht nur einen Grund. Die extreme Trockenheit kombiniert mit extremer Hitze und starkem Wind haben die Auswirkungen in den vergangenen Tagen so katastrophal werden lassen.

Besonders schnell waren diesmal aber auch die kritischen Stimmen zu hören, die genau zu wissen scheinen, wie sich eine solche Katastrophe verhindern lässt: Bessere Ausstattung der Feuerwehr, mehr Personal und am besten ein Modell genau so wie bei der freiwilligen Feuerwehr in Deutschland. Erfahrene und enorm risikobereite griechische Feuerwehrmänner fühlten sich als Sündenböcke, noch während die Flammen östlich und westlich von Athen loderten. Das war nicht nur unnötig, sondern ein gutes Stück weit auch unwürdig.

Naturgewalten statt schlampiger Feuerwehrleute

Wer in Griechenland unterwegs war, als sich diese Horrorbrände vorgestern so dramatisch schnell ausbreiteten, der konnte fühlen, dass hier Naturgewalten tobten, die mit besserer Ausstattung oder gut organisierten Evakuierungsplänen alleine nicht in den Griff zu bekommen sind. Heiße Luft, hohe Windstärken, extrem trockene Wälder. Dazu noch ungewöhnlich viel Zunder in Form von Gräsern und Pflanzen, die im feuchten Juni hochgewachsen und dann vertrocknet waren. Das alles war ein außergewöhnlicher Mix, der eben nicht durch schlampig oder verzögert arbeitende Feuerwehrleute verursacht wurde.

Es war nicht nur ungerecht, sondern auch fahrlässig gemein, bei laufendem Löschbetrieb eine solche Diskussion so schnell anzuzetteln. Sie könnte verhindern, dass die in der Tat nötigen Lehren aus den neuen Bränden jetzt schnell und effektiv gezogen werden, weil sich verständlicherweise manche Menschen, die beim Löschen und Retten auch ihr Leben riskiert haben, nun in den Schmollwinkel zurückziehen.

Es gibt gute Beispiele

In Wahrheit sind auch in Griechenland seit Jahrzehnten Wissenschaftler und erfahrene Wald- und Brandexperten intensiv dabei, bessere Konzepte gegen die Auswirkungen von Bränden zu erforschen. Es gibt gute Beispiele etwa auf der Insel Thassos, wie eine verbesserte Waldwirtschaft die bösen Folgen von Bränden für Bäume, Tiere und Menschen abmildern kann.

Wie bei anderen griechisch-europäischen Themen hilft Besserwisserei nicht weiter, sondern nur das Handausstrecken und die Einladung, gemeinsam über neue, effektivere Wege bei der Brandbekämpfung und der Vorsorge zu sprechen.

Es wäre schade, wenn am Ende dieser für Griechenland traurigen Tage alle wieder nur Recht behalten wollten, aber niemand eine gute Lösung für mehr Schutz vor so extrem gefährlichen Waldbränden findet.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete WDR5 am 26. Juli 2018 um 07:15 Uhr.

Darstellung: