Kommentar

Innenminister Horst Seehofer kommt zur Sondersitzung des Bundestags-Innenausschusses | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter

BAMF-Affäre Seehofers Chance

Stand: 30.05.2018 00:25 Uhr

Es war kein guter Start für Seehofer als Innenminister. Kaum im Amt geriet er wegen der Bremer BAMF-Affäre erstmal in die Defensive. Aber aus der vermeintlichen Verlierer-Ecke ist Seehofer wieder rausgekommen.

Ein Kommentar von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Eigentlich hatte Horst Seehofer schon eine Rolle für sich im Kopf, als er das Amt des Innen- und Heimatministers übernahm: Oberster deutscher Zuzugsbegrenzer und Abschieber, daneben noch der gute Onkel aus Berlin, der die Probleme vernachlässigter Regionen löst.

Dann aber kam die BAMF-Affäre, die Seehofer aufgrund von Ungeschicklichkeiten in seinem Haus zumindest streifte, und der alte Fuchs musste umdenken. Der Zuzugsbegrenzer muss erstmal warten, die Bühne gehört dem Chef-Aufklärer, den Seehofer deutlich erkennbar geben will. Und seinen Willen zur Aufklärung kann man ihm erst mal abnehmen.

Selbst die Grünen waren zufrieden

Sogar die von Haus kritischen Grünen waren nach der Sitzung des Innenausschusses ganz zufrieden mit der Offenheit, die der CSU-Mann und sein Ministerium an den Tag legten. Wichtiger aber: Seehofer hat ein Interesse an echter Aufklärung. Zwar ist das Innenministerium schon seit Ewigkeiten in den Händen der Union, aber nicht in den Händen der CSU.

Die BAMF-Affäre ist für den Bayer deshalb eine gute Gelegenheit zu beweisen, dass er eben doch schon immer Recht hatte, dass die CDU und die Kanzlerin falsch lagen in Sachen Flüchtlingspolitik. Und dass er es besser kann als Ex-Innenminister Thomas de Maizière, mit dem er oft über Kreuz lag.

Unter den Tisch kehren - davon hat er nichts

Endlich Qualitätssicherung, endlich vernünftige Organisation im BAMF - so lässt sich das verkaufen, auch im bayerischen Landtagswahlkampf, den der Ex-Ministerpräsident garantiert in jede seiner Überlegungen einfließen lässt. Ein bisschen Regionalstolz, nach dem Motto, da muss erst einer von uns kommen, der den Preußen zeigt wie's geht, hat der CSU noch nie geschadet. Fazit also: Seehofer hat nichts davon, hier was unter den Tisch zu kehren, im Gegenteil - und genau das hat er offenbar erkannt.

Festzuhalten bleibt außerdem, dass Horst Seehofer, völlig egal, wie man zu ihm steht, über echtes politisches Talent verfügt. Eine Affäre, die einen so unvorbereitet trifft und die noch dazu im eigenen Ministerium zunächst verbaselt wurde - eine solche Affäre so zu packen, dass sie einem sogar nutzen kann - das muss Seehofer erst mal einer nachmachen.

Kommentar: Seehofer und die BAMF-Affäre
A. Krämer, ARD Berlin
29.05.2018 23:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Mai 2018 um 02:28 Uhr.

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