Kommentar

Ermittlungen mittels Sprachassistent Bitte keinen Kommissar Kühlschrank!

Stand: 05.06.2019 16:29 Uhr

Der Sprachassistent als Hilfe für die Polizei? Wenig sinnvoll, von der Einkaufsliste lässt sich doch kaum auf dunkle Pläne schließen. Doch so manch Krimineller wäre den Innenministern sicher dankbar.

Ein Kommentar von Frank Aischmann, ARD-Hauptstadtstudio

Alexa, wo kaufe ich Sprengstoff? Hey Siri, wie plane ich einen Banküberfall? Das sind die naheliegenden Anfragen, die direkt vom Wohnzimmertisch an die Sicherheitsbehörden durchgeschaltet werden sollten. Aber ganz ehrlich: Welcher Kriminelle ist im echten Leben so blöd, seine Ideen mit Smart-Home-Geräten durchzuplanen?

Daten über Gewohnheiten und Verhalten

Der jetzt diskutierte Datenabgriff des Staates ist keine gute Idee. Denn er könnte sehr tief gehen: Smarte Kühlschränke, Fernseher oder Lautsprecher sind nicht nur ideale Wanzen, wenn sie sprachaktiviert werden, sondern sie können auch dauerhaft zuhören. Und sie sammeln viele zusätzliche Daten über Gewohnheiten und Verhalten - ob nun schräg oder total unauffällig.

Das Gegenargument der Befürworter: Nur nach richterlichem Beschluss, nur im Ausnahmefall dürften auch Alexa und Co für die "effektive Kriminalitätsbekämpfung" Daten einsammeln und abliefern. "Die digitalen Spuren werden immer wichtiger, sie dürfen Ermittlern nicht verschlossen bleiben", so sagte es ein Sprecher des Bundesinnenministers.

Aber: Damit der Staat seine Erkenntnisse erst erheben und dann vor Gericht nutzen kann, muss diese Komplettüberwachung technisch möglich sein: in den Geräten oder Betreiber-Schnittstellen oder notfalls durch das Ausnutzen von Schwachstellen.

Auch für Kriminelle eine digitale Eingangstür

Und damit öffnet sich auch ein Einfallstor für Kriminelle in den grundgesetzlich ganz besonders geschützten Bereich des eigenen Wohnraums. In einer Welt, in der ohnehin individuelle Freiheit zurückweichen muss vor behaupteten Sicherheitsinteressen und der schlimmen Konstruktion des Generalverdachts.

Das alles ließe sich vielleicht im Kapitel "Bedenkenträgerei" abheften, wenn dank des Zugriffs auf die "digitalen Spuren internetfähiger Geräte" Polizei und Geheimdienste endlich verwertbare Hinweise erhalten würden, die eine ganz neue Qualität darstellen. Wenn den Sicherheitsbehörden Erfolge ermöglicht werden gegen schwere Straftaten, Terrorplanungen, die sie bisher mangels eigener Kenntnisse und Hinweise nicht vereiteln konnten.

Der beste Schutz: Die Datenwolke klein halten

Nur haben - ob zum Beispiel die NSU-Mordserie oder der Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz - mehrere Untersuchungsausschüsse feststellen müssen, dass es nicht an Spuren und Erkenntnissen mangelte, sondern an deren Verknüpfung und Auswertung oder klarer Kompetenzverteilung.

Und schließlich noch ein Wort an die Besitzer all der smarten Technik, deren Daten künftig vielleicht bei der Polizei landen: Ja, Alexa und der internetfähige Kühlschrank machen das Leben bequemer. Im Wesentlichen ginge es auch ohne sie. Aber wenn wir sie schon nutzen, dann sollte uns immer klar sein, dass wir gigantische Datenwolken höchst privater Informationen erzeugen, auf deren Auswertung viele - künftig auch die Polizei - scharf sind. Der beste Schutz bleibt ganz altmodisch: konsequente Datensparsamkeit.

Kommentar: Siri und Alexa als Zeugen? Schlechte Idee!
Frank Aischmann, ARD Berlin
05.06.2019 15:01 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Juni 2019 um 16:00 Uhr.

Darstellung: