Kommentar

Politische Stimmung in USA Es liegt nicht nur an Trump

Stand: 25.10.2018 19:12 Uhr

Die Paketbomben an Demokraten in den USA dominieren die Nachrichten. Doch die politische Stimmung war schon vorher verdorben. Das liegt auch an Trump, aber nicht nur. Politik muss wieder langweilig werden.

Ein Kommentar von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Es gibt viel zu spekulieren: Wer hat die Briefbomben auf den Weg gebracht? Warum? Und mit welchem Ziel? Haben sie nicht funktioniert, weil sie schlecht konstruiert waren oder weil sie gar nicht funktionieren sollten? Das alles beschäftigt jetzt die Ermittler.

Die Briefbomben haben aber schon eines erreicht: Sie dominieren die Nachrichten. Sie beeinflussen die Debatte - und das kurz vor einer wichtigen Wahl. Dabei ist es ja nicht so, dass der amerikanische Wahlkampf eine zusätzliches Drama gebraucht hätte. Auch ohne Paketbomben ist die politische Stimmung explosiv. Dafür sorgt allen voran Präsident Trump.

Draufhauen - zumindest in Worten - das war schon immer seine Taktik im politischen Ring. Jetzt hat er hat Angst, dass seine Republikaner bei den Kongresswahlen durchfallen und dreht noch mal richtig auf. Er konstruiert Bedrohungsszenarien, beschimpft die oppositionellen Demokraten als wütenden, skrupellosen und verstörten Mob, der mit extremistischer Einwanderung das Land in den Bankrott treiben werde. Er erklärt mehrere tausend Einwanderer in Zentralamerika zu einer nationalen Bedrohung.

Härte zeigen, kampfbereit sein

Ist Trump nun verantwortlich für die politische Stimmung, die möglicherweise am Ende dazu geführt hat, dass jemand Briefbomben an Demokraten schickte, an besonders bekannte Trump-Kritiker?

Ja und Nein. Donald Trump ist nicht aus dem Nichts gekommen. Er ist kein Bösewicht, der das friedliche Dorf USA in Aufruhr versetzt hat und der nur in die Wüste geschickt werden müsste, damit die rechtschaffenen Bürger wieder ruhig schlafen können. Die politische Stimmung war schon verdorben, als Trump noch über eine Präsidentschaftskandidatur sinnierte. Politiker beider Parteien übertrumpfen sich immer wieder mit verbalen Ausfällen. Härte zeigen, kampfbereit sein, sich nichts gefallen lassen - das ist die Maxime.

Wer langweilig ist, dem hört man nicht zu

Gründe dafür sind natürlich der Zustand der politischen Debatte und auch die Rolle der Medien. Wer langweilig ist, dem hört man nicht zu. Wer zu lange abwägt, wird nicht gesendet. Wer aber mit jedem Statement eine kleine Schockwelle auslöst, der bekommt Sendezeit und Schlagzeilen.

Die Briefbomben werden daran nichts ändern. Die Aufrufe zum Zusammenhalt sind Lippenbekenntnisse. Die Schuldzuweisungen laufen auf Hochtouren und fallen natürlich höchst unterschiedlich aus.

Es ist nötig, dass Politik wieder langweilig wird. Lösungen können nicht immer einfach sein, Kompromissfindung ist schwierig und braucht Zeit. Es geht um Sachfragen, nicht um Entertainment. Politiker müssen abrüsten, die Medien auch. Und die Bürger müssen sich darauf einlassen. Spektakel hilft nicht, die Probleme der Welt zu lösen.

Paketbomben gegen Demokraten: Sorgen um das politische Klima
Jan Bösche, ARD Washington
25.10.2018 19:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Oktober 2018 um 20:00 Uhr.

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