Biennale in Venedig - Flüchtlingsboot | Bildquelle: ANDREA MEROLA/EPA-EFE/REX

Kunstbiennale in Venedig Zwischen Provokation und Selbstironie

Stand: 09.05.2019 17:46 Uhr

Am Wochenende öffnet die Biennale Venedig für Besucher. Es wird eine politische Kunstschau. Den deutschen Pavillon hat die Bremer Bildhauerin Sadr Haghighian gestaltet. Manche empfinden ihn als etwas anstrengend.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom, zzt. in Venedig

Die größte Provokation der Kunstbiennale in Venedig steht am Arsenale gleich am Wasser: Es ist das gesunkene blau-rotbraune Flüchtlingsboot, auf dem 2015 im Mittelmeer fast 700 Menschen ums Leben kamen. Der Schweizer Künstler Christoph Büchel stellt das Wrack unter dem Namen "Barca Nostra" (Unser Boot) aus.

Flüchtlinge und ihr Schicksal sind dieses Jahr ein großes Thema in Venedig - genauso wie Fake News, Klimawandel, Globalisierung. Es ist eine erneut sehr politische Kunstbiennale. Ausstellungspräsident Paolo Baratta empfindet diese Feststellung nicht als Kritik. "Überhaupt nicht", sagt er. "Eine Biennale erzählt von der Komplexität der menschlichen Existenz." Sie bestehe aus Menschen, die Teil dieser Welt sind, die mit der Welt kommunizieren. "Daher ist eine Biennale immer politisch."

Deutscher Pavillion der Biennale in Venedig eröffnet
tagesschau 14:00 Uhr, 09.05.2019, Michael Schramm, ARD Rom

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Selbstironische Beschreibung krisenhafter Zeiten

Der diesjährige Kurator Ralph Rugoff gab der Veranstaltung das Motto "May you live in interesting times". Es ist ein Slogan, der in der angelsächsischen Politik häufig zur selbstironischen Beschreibung krisenhafter Zeiten verwendet wird. In Venedig gibt er den Rahmen für eine Auseinandersetzung der Kunst mit einer Gegenwart vor, die, so Baratta, häufig der Versuchung der einfachen Antwort erliege.

"Viele glauben, dass der Dialog zwischen Menschen durch Vereinfachung bestimmt ist", sagt Baratta. "Dies ist eine Biennale, die Nein sagt zur Vereinfachung. Die Kunst weiß, dass es um das menschliche Dasein geht. Und daher ist die Komplexität immer unsere eigentliche Herausforderung."

Fordernd, schrill, verspielt, unterhaltsam

Diese Komplexität wird in Venedig durch Video- und Technikinstallationen genauso abgebildet wie durch Fotos, naive Zeichnungen, gewebte Bilder, minimalistisch kleine und gigantisch große Bildhauerarbeiten. Manchmal sind die Objekte fordernd und schrill, manchmal verspielt und unterhaltsam. Immer wieder aber gibt es Apokalyptisches, auch wenn Kurator Rugoff betont, dass er die Ausstellung nicht als negativ empfindet.

"Es gibt natürlich schwierige Themen, mit denen sich die Ausstellung auseinandersetzt", so Rugoff. Vor allem aber seien die Kunstwerke lebendig, kraftvoll und gewinnend. "Das ist inspirierend, auch wenn das Thema vielleicht sehr bedrückend ist."

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Biennale in Venedig

Am Wochenende öffnet die Kunstschau im Norden Italiens für Besucher. 80 internationale Künstler präsentieren ihre Werke und provozieren mit ihren Installationen.

Biennale in Venedig:

Vom 11. Mai bis 24. November 2019 findet in Venedig die Biennale statt. Kuratiert wurde die riesige Schau zeitgenössischer Kunst vom US-Amerikaner Ralph Rugoff (links), der hier mit dem Präsidenten Paolo Barrata im künstlichen Nebel vor dem Hauptpavillon steht. Etwa 80 internationale Künstler sind für die Hauptausstellung eingeladen. | Bildquelle: AFP

Sisyphos des 21. Jahrhunderts

Ein Highlight ist die Installation der Chinesen Sun Yuan und Peng Yu, die einem Industrieroboter recht elegante Bewegungen beigebracht haben - mit der er aber als ein Sisyphos des 21. Jahrhunderts blutähnliche rote Farbe aufwischt, die immer wieder auseinanderläuft.

Die Deutsch-Japanerin Hito Steyerl, von Rugoff als eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart gewürdigt, macht in einer Videoinstallation die Entwicklung von Kriegsgerät durch Leonardo da Vinci zum Thema und schlägt den Bogen zu aktuellen Rüstungsexporten - unterlegt mit bedrohlich wirkenden Klängen.

Lebensgroße Plastikkuh auf Schienen

Aber es geht auch unterhaltsam, das zeigt beispielsweise die in der Mongolei geborene Künstlerin Nabuqi mit einer fast lebensgroßen Plastikkuh, die auf Schienen im Kreis fährt und zum Nachdenken zwischen Realem und Künstlichem anregen soll. Oder die Koreanerin Suki Seok ye-ong Kang, deren Werke an Spielplatzgeräte erinnern, aber angeblich eine Hommage an ihre Großmutter sind, deren Körperform sie nachempfunden seien.

Überhaupt die Frauen: Rugoff wählte erstmals mehr Künstlerinnen als Künstler aus. Die Deutsche Alexandra Bircken ist im Arsenale mit ihren geschmolzenen Latexfiguren, die an der Decke hängen, prominent platziert.

Der deutsche Pavillon auf der Biennale in Venedig | Bildquelle: AFP
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Der deutsche Pavillon auf der Biennale. Es gibt Beobachter, die ihn in diesem Jahr als etwas anstrengend empfinden.

Deutscher Pavillon von Natascha Sadr Haghighian

Der deutsche Pavillon in den Giardini wird von der Deutsch-Iranerin Natascha Sadr Haghighian bespielt. Die Professorin für Bildhauerei in Bremen zeigt sich auf der Biennale nur mit einem an Beton erinnernden Pappmaché-Klotz über dem Kopf und lässt die Schauspielerin Susanne Sachsse für sich sprechen.

Auf der sogenannten irregulären Eröffnung des Pavillons verkündete Sachsse: "Die Künstlerin näherte sich dieser bedeutenden Aufgabe der Gestaltung des deutschen Pavillons in Venedig zunächst einmal indem sie ihren Namen anpasste." Sadr Haghighian nennt sich auf der Biennale Süder Happelmann. Das ist angeblich eine Namenskreation aus der Vielfalt der Fehler, die öffentliche Stellen im Laufe der Jahre mit der Schreibweise ihres Namens gemacht haben.

Trillerpfeifen als Instrument der Rebellion

Der zentrale Raum des Pavillons ist geprägt durch einen grauen Staudamm, aus dem ein schlammiger Rinnsaal fleißt. In einem anderen Bereich des Gebäudes installierte Sadr Haghighian Sound-Collagen verschiedener Musiker, die angeblich alle mit verfremdeten Trillerpfeifentönen arbeiten.

Diese Klänge sollen dran erinnern, dass Flüchtlinge in Deutschland Trillerpfeifen erfolgreich einsetzen, um sich gegenseitig vor anstehenden Abschiebungen zu warnen. Trillerpfeifen seien zu einem Instrument der Rebellion geworden, sagt sie. Es gibt Beobachter, die den deutschen Pavillon in diesem Jahr als etwas anstrengend empfinden.

Die 58. Ausgabe der Biennale in Venedig öffnet am Samstag für Besucher. Sie dauert bis zum 24. November.

Kunstbiennale Venedig beginnt
Jörg Seisselberg, ARD Rom
09.05.2019 16:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Mai 2019 um 05:41 Uhr und 08:39 Uhr.

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