Bruno Ganz | Bildquelle: AFP

Trauer um Bruno Ganz "Ein Großer seines Metiers"

Stand: 22.03.2019 14:39 Uhr

Mit Bruno Ganz ist einer der wichtigsten Film- und Theaterschauspieler im deutschsprachigen Raum gestorben. Im Alter von 77 Jahren erlag er am Morgen einem Krebsleiden. Vertreter aus Kultur und Politik zeigten sich bestürzt.

Mit Trauer und Betroffenheit haben Vertreter aus Kultur und Politik auf den Tod des Schweizer Schauspielers Bruno Ganz reagiert. Ganz war am frühen Morgen im Alter von 77 Jahren in Zürich an Krebs gestorben.

Ganz zählte zu den wichtigsten Theater- und Filmschauspielern im deutschsprachigen Raum. Auf der Leinwand avancierte er ab Mitte der 1970er-Jahre zu einem der wichtigsten Gesichter des Neuen Deutschen Films. Einer der Höhepunkte seiner Laufbahn war seine Darstellung von Adolf Hitler in "Der Untergang" von Oliver Hirschbiegel. Ganz spielte den Diktator als verzweifelten und größenwahnsinnigen Menschen zum Kriegsende im Führerbunker. Mit dem Film wurde er einem internationalen Kinopublikum bekannt.

Bruno Ganz als Adolf Hitler (vorne) und Heino Ferch als Hitlers Reichsarchitekt Albert Speer in einer Szene des Kinofilms "Der Untergang". | Bildquelle: dpa
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Durch den Film "Der Untergang" wurde Bruno Ganz auch international bekannt. Auf diesem Szenenbild ist er zusammen mit Heino Ferch als Albert Speer zu sehen.

Die Bühne schon als Schüler entdeckt

Ganz wurde am 22. März 1941 als Sohn eines Schweizer Fabrikarbeiters und einer Norditalienerin in Zürich geboren. Schon als Schüler entdeckte er die Bühne für sich. Nach ersten Engagements traf er in Bremen mit Peter Stein einen Regisseur, mit dem er lange zusammenarbeitete. Ganz trat immer wieder in klassischen Bühnenrollen auf - in Shakespeares "Hamlet", Ibsens "Peer Gynt" oder Goethes "Faust". Die von Ganz mitbegründete Berliner Schaubühne wurde in den 1970er-Jahren zum Dreh- und Angelpunkt des europäischen Theaterlebens.

Der Darsteller spielte in rund 100 Filmen. Besonders fruchtbar war seine Zusammenarbeit mit dem Filmregisseur Wim Wenders, unter dessen Regie er die Hauptrolle in "Der amerikanische Freund" (1977) übernahm und einen Engel in "Der Himmel über Berlin" (1987) spielte. 1982 führte Ganz selbst Regie und drehte zusammen mit seinem Schauspielerkollegen Otto Sander den Film "Gedächtnis", ein Porträt der Schauspieler Curt Bois und Bernhard Minetti.

2015 spielte Ganz den "Alm-Öhi" in einer Heidi-Verfilmung. Die Produzenten sollen sich angeblich zuerst nicht getraut haben, ihm diese Rolle anzubieten. Ganz sah darin kein Problem.

Vielfach ausgezeichnet

2017 spielte Ganz in "Der Trafikant" den Psychoanalytiker Sigmund Freud. Im vergangenen Sommer musste er auf dringenden ärztlichen Rat die Proben bei den Salzburger Festspielen abbrechen, wo er als Erzähler in Mozarts "Zauberflöte" auftreten sollte.

Für seine schauspielerischen Leistungen erhielt er unter anderem den Iffland-Ring als höchste Auszeichnung des deutschsprachigen Theaters, den Europäischen Filmpreis, das Bundesverdienstkreuz und die "Goldene Kamera".

Bruno Ganz auf einem Foto von 2015 | Bildquelle: AFP
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Einer der "Großen seines Metiers": Bruno Ganz auf einem Foto von 2015.

Auf dem Weg in den "Himmel über Berlin"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Ganz als Schauspieler von Weltrang. "So manche Figur der Weltliteratur hat erst durch ihn Profil und Farbe erhalten", erklärte Steinmeier. "Man sah ihm zu und spürte, dass da auf der Bühne etwas geschah, was mit profanen Bergriffen nicht zu beschreiben war." Nicht, was gesagt, gezeigt oder gespielt werde, sei entscheidend, sondern wie es gesagt, gezeigt oder gespielt werde.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters nannte Ganz "eine Ikone des deutschsprachigen Theaters und einen herausragenden Könner auch der internationalen Schauspielkunst". "Niemand konnte sich der faszinierenden Kraft seiner Rollengestaltung entziehen. Das Publikum liebte ihn für seine Experimentierfreude, aber auch für sein leises, oft melancholisches Spiel", schrieb Grütters in einer Mitteilung. Ganz habe die schauspielerische Kunst beherrscht, die eigene Persönlichkeit hinter der zu spielenden Rolle unbemerkt zu machen und ganz in ihr aufzugehen.

Die Schauspieler Anuk Steffen (Heidi), (l-r) Bruno Ganz (Alm-Öhi) und Quirin Agrippi (Geiߟenpeter) bei der Deutschlandpremiere von "Heidi" im Mathäser Kino in München. | Bildquelle: dpa
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Bruno Ganz mit Anuk Steffen und Quirin Agrippi bei der Deutschlandpremiere von "Heidi" im Mathäser Kino in München.

"Sein fulminantes Werk bleibt"

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte, Ganz sei einer "der bedeutendsten Schauspieler unserer Zeit" gewesen. "Sein fulminantes Werk bleibt", erklärte Maas via Twitter.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sprach von einem "großen Verlust für die deutschsprachige Theater-und Filmwelt". "Bruno Ganz gehörte zu den Großen seines Metiers. Er hat zum Ensemble der Schaubühne gehört, und Ganz hat in Berlin unter den großen Regisseuren der Zeit gespielt."

Der Leiter der Berliner Filmfestspiele, Dieter Kosslick, erinnerte an eine "wunderbare Zusammenarbeit" mit dem Schauspieler. Unter Anspielung auf den Filmtitel und mit Blick auf blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein über Berlin sagte Kosslick während der Berlinale: "Ich habe das Gefühl, dass nichts im Weg sein soll, wenn er auf seinem Weg ist in den 'Himmel über Berlin'."

Die Präsidenten der Filmakademie, Iris Berben und Bruno Ganz, kommen zur Verleihung des Deutschen Filmpreises «Lola» in den Friedrichstadtpalast (2010) | Bildquelle: dpa
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Iris Berben und Bruno Ganz bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises "Lola" im Jahr 2010 im Friedrichstadtpalast Berlin.

Differenziert und dadurch verstörend

Der kürzlich neugewählte Präsident der Deutschen Filmakademie, Ulrich Matthes, zeigte sich "bestürzt und sehr traurig über den Tod meines großen, wenn nicht größten Kollegen". "Bruno Ganz' leuchtende Empfindsamkeit, sein darunter immer spürbarer Furor, seine klügste Durchdringung von Texten, sein Humor, sein Wissen um den Glanz und die Abgründe der menschlichen Existenz haben mich seit Jahrzehnten bewegt, verzaubert und innehalten lassen", erklärte Matthes.

Seine Amtsvorgängerin Iris Berben sagte: "Sein nationales wie internationales Renommee ist unumstritten, aber mir wird er vor allem als Freund fehlen." Ganz war von 2010 bis 2013 gemeinsam mit Berben Präsident der Filmakademie, danach übte sie das Amt alleine aus.

Der Schweizer Bundespräsident Alain Berset erklärte, Bühne und Film verlören einen großen Schweizer Darsteller. "Selbst in den boshaften Rollen schimmert bei Bruno Ganz und seinen Charakteren immer Menschlichkeit durch. Das macht sein Wirken und Werk so bedeutsam, weil es differenziert und dadurch verstörend wirkt. Er spielte die Rolle nicht, er lebte sie", erklärte Berset in einer Mitteilung.

Mit Informationen Matthias Zeller, ARD-Studio Zürich

Schauspieler Bruno Ganz ist tot
Matthias Zeller, ARD Zürich
16.02.2019 11:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Februar 2019 um 12:00 Uhr.

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