Veränderungen in der Comic-Welt Heldinnen mit Superkräften

Stand: 29.07.2014 05:06 Uhr

Feuer schießen, fliegen, Leben retten: Was Spiderman und Hulk können, können Wolverine oder Dark Phoenix schon lange. Superheldinnen waren die Stars auf der weltgrößten Comic-Messe in Kalifornien.

Von Nicole Markwald, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles, zzt. San Diego

Die Luft in der Messehalle in San Diego ist zwar kühl, aber auf eine seltsame Art wenig erfrischend. Tausende drängeln sich an den Ständen entlang, an denen Hefte verkauft, Filme und Serien beworben oder Superheldenfiguren angeboten werden.

Viele Besucher sind verkleidet: als Spiderman, Hulk, Zombie, Schneewittchen oder Wolverine. Auch Mandy aus dem kalifornischen Santa Rosa verbringt diesen Tag in der Messehalle. Nur: sie ist heute nicht Mandy, die bei Apple arbeitet. Nein, auf der Comic-Con ist sie Dark Phoenix, eine Figur aus X-Men, natürlich mit Superkräften.

Eine Messebesucherin hat sich als Superheldin Michonne (Mitte) ausstaffiert
galerie

Eine Messebesucherin hat sich als Superheldin Michonne (Mitte) ausstaffiert

"Wir haben alle Heldinnen im Angebot. Großartig!"

Sie könne Feuer schießen oder fliegen, zählt Mandy alias Dark Phoenix auf. Sie steckt in einem hautengen rot schimmernden Anzug mit goldenen Applikationen und Schuhen, ihre Augen sind rot geschminkt und ihre Kontaktlinsen sind - genau: rot.

Sie sei überrascht, sagt Mandy, wie groß das Angebot in diesem Jahr für weibliche Comic-Fans ist. "Ich habe an vielen Ständen angehalten, wo es hieß: wir haben alle Heldinnen im Angebot. Großartig!" Das Publikum verändert sich, erzählt Mandy weiter. Auch seien hier viel mehr Frauen als noch vor ein paar Jahren. Und inzwischen könne sie in einen Comicladen gehen, ohne angeglotzt zu werden.

Zahlungskräftige weibliche Zielgruppe

Weibliche Comic-Figuren sind  nicht neu: Wonder Woman wurde 1940 entworfen. Andere wie Ultra Violet oder Miss Masque verschwanden relativ schnell wieder in der Versenkung. Wieder andere blieben sexy Beiwerk, siehe Catwoman. Doch gerade entdecken große Verlage wie Marvel und DC Comics Mädchen und Frauen als zahlungskräftige Zielgruppe neu.

In der Reihe "Ms. Marvel" ist Kamala Khan, ein muslimischer Teenager mit Superkräften, die neue Superheldin. Die erste Ausgabe verkaufte sich blendend. Ausserdem hat der Verlag noch Black Widow oder She-Hulk im Repertoire. Captain America wird demnächst ein Afroamerikaner sein.

Auch furchteinflößend: Diese Comic-Con-Dame
galerie

Auch furchteinflößend: Diese Comic-Con-Dame

Zu wenig Frauen als Autoren

Für Furore sorgte die Ankündigung, dass in der kommenden Heftreihe der nordische Gott Thor eine Frau sein wird. Dark Phoenix alias Mandy ist von der Vorstellung, dass Thor, die Donnergöttin künftig den Hammer schwingt, nicht recht begeistert. "Ich weiß nicht, das wird komisch", meint Mandy. "Ich finde nicht, dass man eine Figur etabliert und dann einfach ihr Geschlecht wechseln kann. Warum an etwas herumschrauben, das funktioniert. Denkt Euch einfach einen neuen Helden aus."

Marjorie Liu sieht das anders. Die Comic-Autorin hat auch schon für Marvel geschrieben. Das wirkliche Problem der Comic-Industrie sei ein ganz anderes:. "Thor zur Frau zu machen ist eine gute Geschichte, ein Afroamerikaner als Captain America ist großartig", sagt Liu. "Aber um Comics wirklich vielfältig zu machen, müssen mehr Frauen und Menschen mit anderer Hautfarbe als Autoren ran."

Ein Fan posiert als Spider-Woman
galerie

Auch Spider-Woman hatte Zeit, auf der Messe vorbeizusehen.

Eine Welt der weißen Männer

Die Welt der Comic-Verlage ist ähnlich wie Hollywood eine Welt der weißen Männer. Ihrer Erfahrung nach werde weiblichen Autoren von Superheldencomics selten die Weiterentwicklung von männlichen Figuren angeboten. Männlichen Autoren dagegen werde alles zugetraut, sagt Liu. Jeder gehe davon aus, dass sie für Frauenfiguren, eine Gruppe von Helden oder Außerirdischen schreiben können. Frauen dürfen dagegen oft nur bei Geschichten ran, in denen es um weibliche Charaktere geht, so Liu.

Ein weiblicher Thor und ein farbiger Captain America - so radikal diese Veränderungen für die Comic-Welt sein mögen, können sie nur ein Anfang sein. Nicht nur die Comic-Figuren sollten bunter werden, sondern auch diejenigen, die sie erschaffen. Das war auf der Comic-Con mehrfach zu hören. Doch für Fans wie Mandy zählt am Ende nur die gute Geschichte.

Dieser Beitrag lief am 28. Juli 2014 um 14:43 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: