Franco Zeffirelli | Bildquelle: MATTEO BAZZI/EPA-EFE/REX

Nach schwerer Krankheit Italienischer Regisseur Zeffirelli gestorben

Stand: 15.06.2019 18:49 Uhr

Der italienische Opernregisseur Franco Zeffirelli ist gestorben. Er wurde 96 Jahre alt. Bis zuletzt arbeitete Zeffirelli trotz Krankheit. Bekannt wurde er auch mit Filmen wie "Romeo und Julia" und "Der Widerspenstigen Zähmung".

Von Jörg Seißelberg, ARD-Studio Rom

Bei seinen letzten öffentlichen Auftritten war dem italienischen Opernregisseur Franco Zeffirelli seine schwere Krankheit anzusehen. Von seinem Adoptivsohn wurde er in einem Rollstuhl geschoben. Zeffirelli konnte nicht mehr aufrecht sitzen und kaum noch sprechen.

Trotzdem war Zeffirelli bis zuletzt produktiv und kreativ. Mit seiner neuen und letzten Traviata-Inszenierung wird in der kommenden Woche die Opernfestival-Saison in der Arena in Verona eröffnet. Für das nächste Jahr hatte der aus Florenz stammende Maestro ein Rigoletto-Projekt am Royal Opera House im Oman geplant.

Franco Zeffirelli | Bildquelle: REUTERS
galerie

"Visconti sah mich beim Vorsprechen und sagte, ich hätte einen zu starken toskanischen Akzent", sagte Zeffirelli. Daran wäre seine Karriere fast gescheitert.

Gefördert von Visconti

Begonnen hat die Karriere Zeffirellis, als er 1946 zur Theatergruppe von Luchino Visconti stieß. Bei Visconti, einem der Mitbegründer des neorealistischen Films in Italien, bewarb sich Zeffirelli zunächst als Schauspieler. "Visconti sah mich beim Vorsprechen und sagte, ich hätte einen zu starken toskanischen Akzent", sagte Zeffirelli. "Und deswegen hat er mich abgelehnt." Aber Visonti habe die Zeichnungen gesehen, die Zeffirelli nebenbei als Zeitvertreib gemacht habe. "Und er hat mich gebeten, als sein Bühnenbild-Assistent ein paar kleine Szenen zu entwerfen. Er selbst war ja nicht mal in der Lage, einen Zeichenstift zu halten", so Zeffirelli.

Innerhalb weniger Jahre stieg der uneheliche Sohn eines Stoffhändlers vom Bühnenbild-Assistenten zu einem der bedeutensten Opernregisseure der Welt auf. Mitte der 1950er-Jahre inszenierte Zeffirelli erstmals Stücke an der Mailänder Scala, später unter anderem auch an der Metropolitan Opera in New York sowie an der Wiener Staatsoper.

Sein Stil war unverwechselbar, seine Inszenierungen der klassischen Opernstoffe stets üppig und farbenprächtig. Er selbst pflegte mit Seidenschal und exklusiver Kleidung das Erscheinungsbild eines Dandys.

Opulente Bildsprache auch im Film

Auch als Filmregisseur feierte Zeffirelli später Erfolge. Seine opulente Bildsprache übertrug er von der Opernbühne auf die Leinwand. Ende der 1960er-Jahre verfilmte er Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" mit Elizabeth Taylor und Richard Burdon in den Hauptrollen.

Die größte Anerkennung als Filmregisseur erhielt Zeffirelli für seine moderne, aber im Text orginalgetreue Adaption des Romeo-und-Julia-Stoffes. Für seinen Romeo-und-Julia-Film erhielt Zeffirelli eine Oscar-Nominierung und einen David di Donatello, den bedeutensten italienischen Filmpreis.

Sein monumentaler Fernsehfilm "Jesus von Nazareth" - mit einer Länge von sechs Stunden - wurde Zeffirelli Ende der 1970er-Jahre sowohl für den US-amerikanischen Fernsehpreis Emmy als auch für den Film Award der British Academy nominiert. Zeffirelli-Filme waren stets Filme des großen Gefühls. Er selbst räumte ein, er sei anfällig für Pathos und Gefühl.

Franco Zeffirelli | Bildquelle: AP
galerie

"Manchmal muss ich selbst weinen", sagte Zeffirelli. "In jedem meiner Filme sind Szenen, die zu Tränen rühren."

Enge Freundschaft zu Berlusconi

"Manchmal muss ich selbst weinen, wenn ich gewisse pathetische Szenen meiner Filme sehe", sagte Zeffirelli in einem seiner Interviews. "In jedem meiner Filme sind Szenen, die zu Tränen rühren." Die großen Themen des Gefühls würden ihm gefallen. Auch die der Tränen, die immer auch eine reinigende Wirkung hätten. "Es säubert dich, wenn du weinst", so Zeffirelli. Von den Menschen, die nicht weinen, solle man sich fernhalten.

Zeffirelli war eng unter anderem mit dem Medienmogul und ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi befreundet. Für dessen Partei Forza Italia saß er sieben Jahre lang im italienischen Senat.

Kritiker der Schwulenbewegung - aber selbst homosexuell

Zeffirelli bekannte sich zu seiner Homosexualität, war aber gleichzeitig ein scharfer Kritiker der Schwulenbewegung. Der Homosexuelle sei niemand, der mit dem Hintern wackele und sich schminke. Homosexualität, sagte Zeffirelli, sei Griechenland. Rom sei kreative Virilität.

Während der #MeToo Debatte warf der US-amerikanische Schauspieler Johnathon Schaeck Zeffirelli vor, er habe ihn sexuell missbraucht. Zeffirellis Adoptivsohn bestritt die Vorwürfe. Der Regisseur selbst äußerte sich dazu nicht in der Öffentlichkeit. Zeffirelli wurde 96 Jahre alt.

Opernregisseur Franco Zeffirelli gestorben
Jörg Seisselberg, ARD Rom
15.06.2019 17:37 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 15. Juni 2019 um 17:26 Uhr.

Darstellung: