Polizeiwagen auf dem Campingplatz in Lügde | Bildquelle: dpa

Fall Lügde Schon 2002 erster Hinweis auf Missbrauch

Stand: 26.02.2019 21:03 Uhr

Neue Details zum Missbrauchsfall in Lügde: Schon 2002 gab es einen Hinweis bei der Polizei. Zudem fanden die Ermittler neue Beweise und es rollt ein weiterer Kopf.

Von Christian Wolf/Oliver Scheel

Im Missbrauchsfall von Lügde sind weitere Ungereimtheiten bekannt geworden: Die Behörden hatten offenbar schon viel früher Hinweise auf einen Missbrauch als bislang bekannt. Das hat NRW-Innenminister Herbert Reul am Dienstag (26.02.2019) im Landtag mitgeteilt. Der CDU-Politiker sprach von "gravierenden Fällen".

Außerdem gibt es Konsequenzen für die zuständige Kreispolizei. Auf Anweisung des NRW-Innenministeriums werde der Polizeidirektor an das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten versetzt, teilte Landrat Axel Lehmann am Dienstagabend mit. Den Posten übernimmt kommissarisch bis Mai 2019 eine Beamtin aus dem Landeskriminalamt.

Erster Verdacht schon 2002

Wie Reul dem Landtag am Dienstag mitteilte, entdeckte die Ermittlungskommission "Behördenermittlungen" eine alte Übersicht der Polizei in Lippe mit Hinweisen auf Sexualdelikte. Darin ist ein Verdacht gegen den jetzt Hauptbeschuldigten aus dem Jahr 2002 eingetragen. Der Mann soll damals ein acht Jahre altes Mädchen missbraucht haben.

Auch 2008 schon ein Vermerk

Zudem wurde ein Vermerk der Polizei in Lippe entdeckt, laut dem es 2008 einen weiteren Hinweis auf einen sexuellen Missbrauch durch den Hauptbeschuldigten gab. Der Hinweis darauf wurde zwar aufgenommen, aber nicht an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Kreis der Beschuldigten wird immer größer

Im Innenausschuss des Landtages fasste der Innenminister den aktuellen Stand der Ermittlungen zusammen. So gibt es mittlerweile sieben Beschuldigte - darunter auch ein 16 Jahre alter Jugendlicher. Zudem wird gegen zwei Polizisten, acht Mitarbeiter von Jugendämtern und vier Mitarbeiter von Organisationen ermittelt.

Beweismittel erst nach mehrfacher Durchsuchung entdeckt

Der mutmaßliche Tatort wurde in der vergangenen Woche erneut durchsucht. Dabei entdeckten die Ermittler im Wohnwagen 131 bisher unentdeckte CDs sowie einen Computer und eine Festplatte. Diese sollen auf einem Trockner, auf dem Boden und in Schränken gefunden worden sein - obwohl der Tatort zuvor schon vier mal durchsucht worden war.

Die verschwundenen Beweismittel sind hingegen weiterhin verschollen. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass im Gebäude der Kreispolizei in Detmold mehr als 150 CDs und DVDs verschwunden sind. Sie waren bei dem Hauptverdächtigen gefunden worden. Sonderermittler Ingo Wünsch sprach nun im Landtag von "schweren handwerklichen Fehlern" der Kollegen vor Ort.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete WDR5 im "Morgenecho" am 27. Februar 2019 um 06:45 Uhr.

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