Menschen passieren die Apotheke am Kölner Hauptbahnhof, in der am Tag zuvor eine Geiselnahme stattfand

Nordrhein-Westfalen Nach Geiselnahme in Köln: Reisende mit "Pudding in den Beinen"

Stand: 16.10.2018 14:03 Uhr

Am Tag nach der Geiselnahme in Köln rollen wieder Züge durch den Hauptbahnhof. Viele Reisende und Passanten haben jedoch ein mulmiges Gefühl, als sie den Tatort passieren.

Polizisten im Kölner Hauptbahnhof an einer Absperrung am Morgen nach der Geiselnahme am 15.20.2018
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Mit Gittern hat die Polizei den südlichen Ausgang gesperrt

Am Tag nach der Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof sind die beiden Tatorte noch mit Flatterband abgesperrt. Reisende können am Dienstag (16.10.2018) auch den südlichen Ein- und Ausgang am Breslauer Platz nicht passieren. Die Polizei hat dort Absperrgitter aufgestellt, vor dem nun auch Angela Heinen mit ihrem Sohn Frederik steht. Sie starten einen neuen Versuch, in den Urlaub zu kommen.

"Eigentlich wollten wir gestern schon nach Chur in die Schweiz fahren", sagt die 55-jährige Kölnerin. Doch als sie gegen 12.45 Uhr die Rolltreppe vom Bahnsteig der Gleise 10 und 11 betreten, steht unten ein Polizist. "Er schrie 'Zurück, zurück!' und dann sind wir die Rolltreppe wieder hoch", erzählt Heinen.

Geiselnehmer verschanzt sich zwei Stunden in Apotheke

Ein Junge und seine Mutter stehen vor einer Polizeiabsperrung am Kölner Hauptbahnhof
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Angela Heinen und ihr Sohn Frederik wollen am Tag nach der Geiselnahme in die Schweiz reisen

Nur wenige Minuten zuvor war in einem Schnellrestaurant am unteren Ende der Rolltreppe ein Molotowcocktail gezündet worden. Kurz darauf nahm ein Mann die Mitarbeiterin der gegenüberliegenden Apotheke als Geisel.

"Mittlerweile geht es auch wieder vom Gefühl her", sagt Heinen. "Aber gestern hatten wir wirklich Pudding in den Beinen." Auch nach der Geiselnahme, bei der die Polizei einen terroristischen Hintergrund nicht ausschließt, will sie den Hauptbahnhof künftig nicht meiden. "So etwas kann überall passieren", sagt die 55-Jährige. "Hier, in Nizza oder London."

Nach Geiselnahme in Köln: Reisende mit "Pudding in den Beinen"
wdr
16.10.2018 16:30 Uhr

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Mulmiges Gefühl an öffentlichen Orten

Ähnlich sieht es auch ein Reisender, der in der britischen Hauptstadt wohnt. Seinen Namen will der Mann nicht sagen, verrät nur, dass er regelmäßig den Kölner Hauptbahnhof passiert, wenn er beruflich nach Münster fährt. "Selbst nach der Silvesternacht 2015 und der Geiselnahme gestern gibt es in London viel mehr öffentliche Orte, an denen man ein mulmiges Gefühl hat", sagt er.

Ein Junge macht mit seinem Handy ein Foto von der Apotheke am Kölner Hauptbahnhof, in der am Tag davor eine Geiselnahme stattfand
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Max Weinhold macht ein Foto vom Ort der Geiselnahme

Und nicht nur dort. "Obwohl wir nicht in einer Großstadt leben, sind wir in den letzten Jahren viel umsichtiger geworden", sagt Monika Weinhold. "Man schaut sich um, achtet mehr auf die Umgebung." Sie und ihr 14-jähriger Enkel Max kommen aus Glauchau nahe Zwickau in Sachsen.

Noch bis Donnerstag wollen sich die beiden Köln ansehen. Heute ist die Altstadt dran. Doch Max macht erst einmal ein Foto von der Apotheke, die noch immer von der Polizei bewacht wird. Er ist nicht der einzige an diesem Tag.

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Quelle: wdr.de

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