Demonstration gegen Braunkohleabbau am Hambacher Forst | Bildquelle: imago/Future Image

Nordrhein-Westfalen Warum Braunkohlegegner aus ganz Europa im Hambacher Forst sind

Stand: 26.10.2018 06:00 Uhr

An den Protesten im rheinischen Braunkohlerevier beteiligen sich auch Aktivisten aus den Niederlanden, Tschechien und anderen Ländern. Was motiviert sie dazu?

Wenn bis Montag (29.10.2018) erneut tausende Braunkohlegegner rund um den Hambacher Forst demonstrieren, werden darunter wieder Aktivisten aus anderen Ländern sein. So kommt am Freitag (26.10.2018) ein Sonderzug aus Prag. Auch Aktivisten aus den Niederlanden, Dänemark und Schweden haben sich angekündigt.

"Der Hambacher Wald ist ein Symbol im Kampf gegen den Kohleabbau, aber auch gegen den Klimawandel geworden", sagt die Politikwissenschaftlerin Romina Ranke, die Mitglied des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung ist. Darin haben sich Wissenschaftler zusammengeschlossen, die sich mit Protesten und sozialen Bewegungen beschäftigen.

Klimwandel zu abstrakt

"Das Ziel, die Erderwärmung bestenfalls auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, ist für die meisten Menschen viel zu abstrakt", erklärt Ranke. Das Thema Klimawandel habe daher lange Zeit kaum Menschen auf die Straße geholt. "Der konkrete Kampf gegen den Kohleabbau hat die Mobilisierung vereinfacht."

Faktencheck: Wie viele Arbeitsplätze hängen an der Braunkohle?
wdr
26.10.2018 11:30 Uhr

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Nicht nur in Deutschland. "Wir kämpfen auch für die Schließung der Tagebaue in Tschechien", sagt Radek Kubala von der tschechischen Klimabewegung Limity jsme my, der auch am Hambacher Forst protestiert. "Der Klimawandel kennt keine Grenzen, deshalb sollten wir Aktivisten uns auch grenzübergreifend unterstützen."

Informationen in sechs Sprachen

Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" sieht das ähnlich. Auf seiner Internetseite werden Infos auch auf Englisch, Französisch, Polnisch, Spanisch und Holländisch angeboten. "Mitglieder von uns haben im Sommer auch Aktionen in Tschechien und den Niederlanden unterstützt", so eine Sprecherin.

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"Die starke Berichterstattung über die Proteste hat weiteres Mobilisierungspotential entfaltet", erklärt Protestforscherin Ranke. "Auch die Verbreitung von Neuigkeiten, Videos und Fotos in Sozialen Netzwerke hat eine erhebliche Rolle gespielt." Der Hambacher Wald sei dadurch ein so starker Bezugspunkt für die Klimabewegung geworden, dass sogar Menschen aus anderen Ländern zu den Protesten anreisen.

Ein Mann steht am Rand des Tagebaus am Hambacher Forst
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Egbert Born am Tagebau Hambach

Vorbild Kohleprotest in Deutschland

So wie Egbert Born. "Die Braunkohle-Tagebaue von RWE spielen eine wichtige Rolle in der Debatte im niederländischen Parlament", sagt der Niederländer, der erneut im Hambacher Forst demonstrieren will.

Die Proteste dort sieht er auch als Vorbild für den Kampf gegen den Klimawandel in seiner Heimat. "Als ich 2016 das erste Mal an einer Aktion von 'Ende Gelände' teilnahm, hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet", so Born. "Letztlich war es eine magische Erfahrung."

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Quelle: wdr.de

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