Schlusslicht

Geschreddertes Banksy-Bild | Bildquelle: AFP

Banksy-Bilder Kill your darlings

Stand: 18.10.2018 10:37 Uhr

Der Streetart-Künstler Banksy hat die spektakuläre Neuauflage seines Werks "Girl with a balloon" offenbar nicht vollendet. Während der Auktion sei etwas schiefgelaufen, enthüllte er. Und damit meinte er nicht die Schredder-Aktion.

Von Maiken Nielsen, tagesschau.de

Bis dass der Tod uns scheidet: Dieses Gelübde scheint eine Vielzahl von Künstlern an ihr Werk zu binden. Doch mitunter muss sich einer unfreiwillig früher verabschieden - wie im echten Leben eben. Und nicht immer ist es der Künstler, der eher geht.

Schon Michelangelo beförderte ein Teil seines Werks ins Jenseits. Das italienische Renaissance-Genie attackierte während der Arbeit an seiner "Pietà" das linke Bein von Jesus Christus - angeblich, weil der Marmor so schlecht war. Das Werk vom anatomisch nicht ganz ausgereiften Messias zählt heute zu den größten Meisterwerken abendländischer Bildhauerei.

Vergangene Woche nun zerstörte Streetart-Künstler Banksy sein Bild "Girl with a Balloon". Nachdem es während einer Auktion für umgerechnet knapp 1,2 Millionen Euro verkauft worden war, lief es zum Erstaunen der Neubesitzerin quasi zur Hälfte durch einen Schredder, der im Goldrahmen versteckt gewesen war.

Dahinscheiden des Werks offenbar missglückt

Doch das "erste Kunstwerk der Geschichte, das während einer Auktion live entstanden sei", so das Auktionshaus in einer Stellungnahme zu dem überraschenden Dahinscheiden des Bildes später, ist in den Augen des Künstlers offenbar missglückt.

In einem auf seiner Homepage veröffentlichten Video mit dem Titel "Schredder deine Liebe, the Director's Cut" zeigt Banksy, wie eine Kopie des Bildes durch den im Rahmen verborgenen Schredder tatsächlich ganz zerschnitten wurde. Das Werk der Zerstörung blieb bei der Auktion somit unvollendet.

Nun lebt das Bild im Haus seiner neuen Besitzerin weiter, wo es hoffentlich nicht das Schicksal der Werke von Charles Camoin teilen wird. Der französische Maler zerstörte nach einer erfolgreichen Ausstellung 1913 gleich 80 seiner Bilder und verklagte anschließend einen Schriftsteller, der die Überreste restaurieren ließ. Camoin gewann die Klage und triumphierte so ein weiteres, diesmal finales Mal über seinen überbordenden Schaffensdrang.

Über dieses Thema berichtete WDR3 am 18. Oktober 2018 um 08:53 Uhr.

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