Schlusslicht

Die Daimler-Limousine, mit der Nordkoreas Staatschef Kim im Februar 2019 zum Gipfel mit US-Präsident Trump fährt. | Bildquelle: REUTERS

Verkaufsverbot nach Nordkorea Das Rätsel um Kims Daimler-Limousinen

Stand: 26.04.2019 11:56 Uhr

Wenn ein Staatschef einen anderen trifft, muss das im passenden Rahmen geschehen. Für Nordkoreas Machthaber Kim gehört dazu eine Limousine aus dem Hause Daimler. Dort wundert man sich, wo Kim den Luxuschlitten her hat.

Ach ja, es gibt so einige Dinge, auf die Deutschland einigermaßen stolz sein darf: mehrfacher Fußballweltmeister, international kulinarisch beliebte Leckerbissen wie die Bratwurst und das im glänzenden Ruf stehende Qualitätslabel "Made in Germany". Und während die ersten beiden Punkte durchaus Ansichts- oder Geschmackssache sind, lässt sich das gute Image deutscher Produkte nicht abstreiten. Als zuverlässig gelten sie, doppelt geprüft während und nach der Fertigung und erst dann auf den Weg rund um den Globus geschickt.

Deutsche Exportschlager erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, allen voran das Auto. Trotz Dieselskandal und Manipulationssoftware - die Welt fährt gerne deutsch.

Drei Gipfel - dreimal Daimler

Trotzdem staunte der Autobauer Daimler nicht schlecht, als Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im vergangenen Juni zum Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump in Singapur in einer Limousine der Marke Mercedes Benz vorfuhr. Und dann, ein paar Monate später, schon wieder Kim und schon wieder in einer Daimler-Limousine und schon wieder auf dem Weg zum Treffen mit Trump.

Und nun setzte Nordkoreas Staatschef dem Ganzen noch die Krone auf: Als Kim am Mittwoch im russischen Wladiwostok aus dem Zug steigt, um sich am Tag darauf mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu treffen, da stehen da doch - ja potzblitz und sappalot - gleich zwei Daimler-Limousinen, blank geputzt, im schicken Schwarz, passend zu Mantel und Hut des Ehrengastes.

Eine Soldatengarde begleitet die Limousine, in der Nordkoreas Machthaber Kim zum Treffen mit Putin in Wladiwostok fährt. | Bildquelle: AP
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Auch zum Treffen mit Russlands Präsident Putin fuhr Kim in einer Daimler-Limousine.

Für Luxusgüter gilt Handelsverbot

Eigentlich könnte sich Daimler über so prominente Werbung freuen, doch sie kommt ausgerechnet durch Kim zustande - ein Staatschef, der nicht unbedingt viele gute Schlagzeilen auf seinem Konto verbuchen kann. Da spielt einfach viel zu oft Atom eine Rolle: Atomwaffen, Atomtests, nur über die atomare Abrüstung ließ sich lange nichts mehr vermelden.

Doch es ist etwas ganz anderes, was Daimler umtreibt - die drängende Frage: Wo hat Kim seine Limousinen überhaupt her? Denn im Autokonzern ist man sich hundertprozentig sicher: Von uns wurden die nicht geliefert, wie ein Sprecher des Unternehmens versicherte. Eine Entscheidung, die nicht etwa davon abhängt wie sympathisch oder unsympathisch die Daimler-Konzernspitze Kim findet. Dass keine Limousinen nach Nordkorea geliefert werden, hat rein geschäftliche Gründe. Denn für den Handel mit Luxusgütern nach Nordkorea drohen Sanktionen vonseiten der USA und der UN. Die wollen so nämlich Kim unter Druck setzen, endlich doch mal Schluss zu machen mit den nuklearen Waffen.

Limousine aus zweiter Hand?

Daimler schwört felsenfest, keine Geschäftsbeziehung mit Nordkorea zu haben. Seit 15 Jahren nicht.

So bleibt Kims fahrender Untersatz "Made in Germany" ein Rätsel. Würde man die billigen Stammtisch-Klischees zu Rate ziehen, könnte man bei China sagen, die Limousinen wären gefälscht, in Polen wären sie geklaut - doch bei Nordkorea? Da fehlt das Stammtisch-Latein.

Aber Daimler fährt selbst mit einer möglichen Lösung auf: Für das eigene Unternehmen könne man die Hände ins Feuer legen, doch was ist beispielsweise mit dem gewitzten Gebrauchtwagenhändler mit guten Kontakten nach Pjöngjang?

Es wäre wohl eine Erleichterung für Daimler, sollte sich diese Vermutung als wahr erweisen. Anders sähe das wohl Machthaber Kim - denn welcher Staatschef würde schon gerne eingestehen, dass sein Luxus auf vier Rädern aus zweiter Hand stammt?

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