Uli Hoeneß

Hoeneß' Rückzug Das war's noch nicht

Stand: 29.08.2019 21:52 Uhr

Uli Hoeneß hat den FC Bayern geprägt, als Spieler und als Manager. Ein Leben ohne den Verein ist für ihn nur schwer vorstellbar. Deshalb wird er weiter aus der zweiten Reihe Einfluss nehmen.

Von Bernd Schmelzer, BR

Das war's - noch nicht. Selbst wenn er nicht mehr in der allerersten Reihe steht. Uli Hoeneß ist zwar nicht willig, das Amt des Vereinspräsidenten und Aufsichtsrats-Vorsitzenden der FC Bayern München AG weiter zu führen. Ein kompletter Rückzug sieht dennoch anders aus.

Hoeneß hat Bayern geprägt

Rund 50 Jahre hat Hoeneß als Spieler und Manager den FC Bayern geprägt, ihn zu dem gemacht, was er heute ist. Bayern ist Hoeneß, genau wie Hoeneß Bayern ist. Und daran wird sich auch Ende November, wenn Hoeneß sich von seinen Ämtern zurückzieht, nichts ändern. Es scheint allerdings so, als sei die Abteilung Attacke, wie Hoeneß sich selbst ja gerne genannt hat, etwas weniger angriffslustig geworden zu sein.

Unvergessen die Zeiten, als Hoeneß gegen Daum, Lemke, den DFB, die Liga, oder weit über die Fußballgrenzen hinaus, über Steuerkonzepte und politischen Anstand wetterte. Hoeneß polterte in Talkshows, Pressekonferenzen, in Interviews vor oder nach Spielen. Immer darauf erpicht, "seinen" FC Bayern zu verteidigen und den Zorn respektive die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und das soll's gewesen sein? Von heute auf morgen? Von November auf Dezember?

Uli Hoeneß und Adidas-Chef Herbert Hainer | Bildquelle: dpa
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Hoeneß und Adidas-Chef Herbert Hainer. Der Sportartikel-Manager wird als Hoeneß' Nachfolger gehandelt.

Nie und Nimmer. Nicht wenige vermuteten einst, er würde nach seiner Steuerhinterziehung inklusive der abgesessenen Gefängnisstrafe kürzer treten. Doch Hoeneß trat wieder an. Ließ sich wiederwählen als Präsident. Weil es das eben noch nicht war. Und von leiseren Tönen - abgesehen von einer kleinen verbalen Auszeit - auch keine Spur.

Interner Streit nahm zu

Dafür wurden die internen Unstimmigkeiten größer. Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gerieten immer häufiger aneinander. Der Disput um Trainer Niko Kovac ist nur ein weiteres Beispiel von vielen. Einigkeit? Fehlanzeige. Weil Hoeneß eher auf seinen Bauch hört und bei Rummenigge für Gefühle oder Emotionen in der Regel wenig Platz ist.

War es das also doch? Nein, ganz sicher nicht. Denn Hoeneß hat mit Oli Kahn, der ab Januar als Nachfolger Rummenigges eingearbeitet wird, einen Vertrauten bereits untergebracht. Anfang 2022 wird Kahn Rummenigge beerben. So zumindest ist es vorgesehen. Hoeneß selbst wird zu diesem Zeitpunkt weiter im Aufsichtsrat sitzen. Und dort Einfluss nehmen. Nicht mehr an allererster Front, aber mit etwas Distanz, aus der zweiten Reihe.

Bayern ohne Hoeneß? Auf keinen Fall - das ist genauso wenig denkbar wie Hoeneß ohne seine Bayern. Das ist keine Option. Das heißt also: Das war's, noch nicht ganz.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. August 2019 um 23:00 Uhr.

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