Tottenhams Lucas Moura jubelt über seinen Siegtreffer zum 3:2 gegen Ajax | Bildquelle: Action Images via Reuters

Tottenham siegt bei Ajax Triumph in der 96. Minute

Stand: 08.05.2019 23:41 Uhr

Tottenham Hotspur hat dank Dreifachtorschütze Lucas Moura in einer weiteren denkwürdigen Europacup-Nacht das Außenseitermärchen von Ajax Amsterdam beendet und kämpft nun in einem englischen Duell mit Jürgen Klopps FC Liverpool um die europäische Fußballkrone.

Die "Spurs" erreichten ihr erstes Champions-League-Endspiel am 1. Juni in Madrid durch einen 3:2-Sieg bei Ajax Amsterdam und schafften dabei ein ähnlich eindrucksvolles Comeback wie Trainer Klopp und die "Reds" tags zuvor beim 4:0 nach 0:3-Hinspielniederlage gegen den FC Barcelona. Tottenham gelang als erst zweitem Verein in der Historie der Königsklasse der Finaleinzug trotz einer Hinspielniederlage zu Hause - und machte dabei sogar noch einen 0:2-Pausenrückstand wett.

"Ajax in beiden Spielen besser"

Tottenhams Stürmer Heung-Min Son war nach der Partie am Mittwoch (08.05.2019) begeistert: "Sowas habe ich noch nie erlebt, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Aber wir haben in der Halbzeit an uns geglaubt und uns gesagt, wenn wir schnell ein Tor machen, dann können wir es noch schaffen. Ich kann aber immer noch nicht glauben, dass wir wirklich gewonnen haben."

Sein Teamkollege Christian Eriksen analysierte: "Das war einfach ein verrücktes Spiel. Wir wollten uns in der zweiten Halbzeit zurückkämpfen und hatten dann das Glück auf unserer Seite. Für Ajax tut es mir leid - sie haben in beiden Spielen besseren Fußball gespielt als wir."

Ajax-Kapitän Matthijs de Ligt hingegen war fassungslos: "Brutaler kann man nicht ausscheiden. In der ersten Halbzeit haben wir es super gemacht, leider haben wir uns dann zu weit hinten reindrängen lassen. Es ist unfassbar bitter."

Ajax' Joel Veltman und seine Teamkollegen nach dem entscheidenden Gegentor zur 2:3 Niederlage gegen Tottenham | Bildquelle: REUTERS
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Fassungslos: Ajax' Joel Veltman und seine Teamkollegen nach der bitteren Niederlage

Sternstunde in Sachen Tempo

Das Spiel in der stimmungsvollen Johan-Cruyff-Arena stand der Europacup-Sternstunde vom Vortag in Sachen Tempo, Dynamik und Atmosphäre in wenig nach. Nach den Treffern von Kapitän de Ligt (5. Minute) und Flügelstürmer Hakim Ziyech (35.) wähnte sich Ajax schon im ersten Finale seit 23 Jahren. Der dreifache Torschütze Lucas Moura (55./59./90.+6) als Ersatz des weiter verletzten Superstars Harry Kane drehte aber das Spiel und wurde zum Helden der "Spurs".

Während Ajax das mögliche Triple verpasste, winkt der Premier League nun ein großer Triumph in den Europacups. Denn auch in der Europa League ist ein rein englisches Finale zwischen Frankfurts Gegner FC Chelsea und dem Londoner Stadtrivalen FC Arsenal durchaus möglich.

Traumstart für Ajax

Der Ex-Hamburger Rafael van der Vaart, der für beide Vereine spielte, hatte vor der Partie die Vermutung geäußert, Ajax müsse irgendwie die Anfangsoffensive von Tottenham überstehen. Doch das Gegenteil war der Fall - Ajax erwischte einen Traumstart. Dusan Tadic scheiterte zunächst mit einem abgefälschten Schlenzer noch an Tottenhams Keeper Hugo Lloris, doch nach der anschließenden Ecke hatten die Ajax-Fans Grund zu ohrenbetäubendem Jubel: Lasse Schöne flankte in die Mitte, und Verteidiger de Ligt köpfte unhaltbar zum 1:0 ein. Der mit 19 Jahren jüngste Kapitän in einem Halbfinale der Königsklasse hatte schon im Viertelfinalrückspiel getroffen und das entscheidende 2:1 gegen Juventus Turin erzielt.

Die "Spurs" ließen sich von dem Gegentor und der beeindruckenden Kulisse jedoch nicht lange schocken. Nur eine Minute nach dem Rückstand hatte Son die Chance zum Ausgleich, traf jedoch nur den Pfosten. Beide Mannschaften boten von Beginn an Vollgas-Fußball, lieferten sich packende Zweikämpfe und suchten - wann immer es ging - den Weg nach vorne. Trotz einiger harter Duelle leitete der deutsche Schiedsrichter Felix Brych die Partie insgesamt souverän.

"Spurs" erneut ohne Kane

Tottenhams Coach Mauricio Pochettino musste erneut auf seinen Toptorjäger Kane verzichten, die Rückkehr des im Hinspiel noch gesperrten früheren Leverkuseners und Hamburgers Son tat den Londonern jedoch sichtlich gut. Der Südkoreaner war praktisch in jeden gefährlichen Angriff involviert und scheiterte in der 23. Minute aus aussichtsreicher Position an Ajax-Torwart André Onana. Für die Gastgeber verzog Tadic aus spitzem Winkel (30.).

Sechs Minuten später machte es Ziyech besser. Nach einem schnellen Angriff über links setzte Tadic den Marokkaner im Strafraum mustergültig ein, Ziyech traf den Ball perfekt und sorgte zum zweiten Mal für ekstatische Freude auf den Rängen. Tottenham gab sich jedoch nicht auf und kam mit einem Doppelschlag zurück ins Spiel. Der Brasilianer Moura schloss zunächst einen feinen Angriff zum 1:2 ab und traf nach viel Kuddelmuddel im Strafraum zum Ausgleich. Plötzlich musste Ajax mächtig zittern.

Ziyech trifft nur den Pfosten

Die "Spurs" drängten auf ihr drittes Tor, doch auch Amsterdam beschränkte sich keinesfalls auf die Defensive. Ziyech verpasste mit einem Pfostenschuss das 3:2 - und dann kam Lucas Moura. Der Stürmer krönte sich mit seinem dritten Treffer zum absoluten Matchwinner.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Mittwoch, 08.05.19, 22.50 Uhr

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. Mai 2019 um 22:30 Uhr.

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