Theo Zwanziger (l.) und Wolfgang Niersbach (r.)

WM 2006 Anklage gegen Ex-DFB-Funktionäre

Stand: 26.08.2019 13:22 Uhr

Das Sommermärchen kommt auch in Deutschland doch noch vor Gericht. Es bestehe bei insgesamt vier Angeklagten ein hinreichender Tatverdacht, gab das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt/Main am Montag (26.08.2019) bekannt.

Das OLG ließ die Anklage gegen die Ex-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie den langjährigen Generalsekretär Horst R. Schmidt wegen Steuerhinterziehung im zweiten Anlauf zu. Auch der ehemalige Generalsekretär des Weltverbandes FIFA, der Schweizer Urs Linsi, muss sich vor Gericht verantworten.

Das Oberlandesgericht revidierte damit eine Entscheidung des Landgerichts Frankfurt, das im Oktober 2018 die Eröffnung eines Hauptverfahrens abgelehnt hatte. "Weder die Tatsache noch der Inhalt des Beschlusses ändern etwas an der von hier aus vertretenen Rechtsauffassung, wonach die Vorwürfe gegen meinen Mandanten unbegründet sind", hieß es in einer Mitteilung des Anwaltes von Zwanziger.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen

Das OLG bewertete die Sachlage anders: "Nach vorläufiger Bewertung liegt ein hinreichender Tatverdacht dafür vor, dass die vier Angeklagten im Zusammenhang mit der als Betriebsausgabe 'Kostenbeteiligung FIFA Gala 2006' bezeichneten Rückzahlung eines Darlehens an den Fußballer F.B. in Höhe von 6,7 Mio. Euro im Jahr 2006 eine Steuerhinterziehung bzw. Beihilfe zur Steuerhinterziehung begangen haben", hieß es in einer Pressemitteilung.

Der ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam sagt dazu: "Damit eine Anklage zugelassen wird, muss laut Gesetz ein 'hinreichender Tatverdacht' vorliegen. Diese Verdachtsstufe bedeutet: Nach Prüfung der Aktenlage ist - Stand jetzt - eine Verurteilung wahrscheinlicher als ein Freispruch. Diesen Punkt hat das Oberlandesgericht nun anders bewertet als das Landgericht und daher die Anklage zugelassen. Es wird also zum Prozess im Gerichtssaal am Landgericht Frankfurt kommen. Ob die ehemaligen Funktionäre aber tatsächlich verurteilt werden, also ob das Gericht von ihrer Schuld überzeugt ist, das entscheidet sich erst am Ende des Prozesses, wenn alle Beweismittel im Gerichtssaal geprüft wurden."

Nach Angaben des OLG drohen den Angeklagten Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen. Dazu verurteilt werden könne man "bei unrichtigen oder unvollständigen Angaben über steuerlich erhebliche Tatsachen"; wenn man die Behörden "über steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis" lasse oder "pflichtwidrig die Verwendung von Steuerzeichen oder Steuerstemplern unterlässt und dadurch Steuern verkürzt oder für sich oder einen anderen nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt", wie es in der Mitteilung des OLG hieß.

Auch Schweizer Bundesanwaltschaft erhebt Anklage

Anfang des Monats waren Zwanziger, Schmidt und Linsi von der Schweizer Bundesanwaltschaft wegen der weiterhin dubiosen Millionenzahlungen rund um die Fußball-WM 2006 wegen des Verdachts des Betrugs in Mittäterschaft und Niersbach wegen des Verdachts des Betrugs in Gehilfenschaft angeklagt worden. Der in der Mitteilung des OLG als "Fußballer F.B." abgekürzte Franz Beckenbauer gehört beim Verfahren in Frankfurt nicht zu den Beschuldigten. In der Schweiz wurde sein Verfahren von den weiteren Beschuldigten wegen des Gesundheitszustands des Kaisers abgetrennt.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichteten am 26. August 2019 Deutschlandfunk um 13:00 Uhr sowie um 14:00 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 15:00 Uhr.

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