Lewandowski und Hummels im November 2019 | Bildquelle: dpa

Topspiel gegen den FC Bayern BVB zum Siegen verdammt

Stand: 26.05.2020 07:00 Uhr

Trainer Lucien Favre gilt als Verfechter der Viererkette in der Abwehr. Nach einer schwachen Phase von Borussia Dortmund stellte er seine Formation um. Die Zahlen belegen, dass die Dreierkette den BVB besser macht - nicht nur in der Defensive.

Von Marcus Bark

"Wenn wir weiter um die Meisterschaft mitspielen wollen, dann sollten wir das Spiel gewinnen", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. So einfach sei das zu sehen, wenn auch "in der Umsetzung schwierig".

In den vergangenen Wochen und Monaten, auch schon vor der Zwangspause durch die Corona-Pandemie, gelangen dem BVB sechs Bundesligasiege hintereinander bei einer Tordifferenz von 15:1. In der Rückrunde holte die Borussia 27 von möglichen 30 Punkten.

Dass der FC Bayern dennoch seinen Vorsprung im neuen Kalenderjahr noch um einen Punkt ausbaute, sei "gar nicht nervig", so Zorc, es zeuge vielmehr von der hohen Qualität der beiden Mannschaften.

Rückfall in Leverkusen

Es zeigt aber auch, dass sich diese eine Niederlage in der Rückrunde für den BVB fatal im Meisterrennen auswirken könnte. Es war das 3:4 bei Bayer Leverkusen, dem einzigen Bundesligaspiel seit Weihnachten, in dem Lucien Favre mit einer Viererkette in der Abwehr spielen ließ.

Aufforderung zum Sinneswandel

Der Dortmunder Trainer gilt als Verfechter dieser Formation. "Alle großen Mannschaften" würden mit einer Viererkette spielen, hat er mal gesagt. Aber in der Hinserie, nach einem peinlichen 0:4 bei den Bayern und einem noch peinlicheren 3:3 gegen den SC Paderborn, kam der Sinneswandel. Freiwillig soll er nicht gewesen sein, wie aus dem Verein zu hören ist, aber inzwischen dürfte Favre davon überzeugt sein, dass die Formation mit drei Innenverteidigern für den BVB besser ist.

Die Dreierkette passe "besser zu unserem Kader", sagte der Trainer am Tag vor dem Topspiel.

Deutlich besserer Schnitt

In den 13 Bundesligaspielen mit einer Viererkette kassierte der BVB im Schnitt 1,7 Tore, in den 14 Partien mit Dreierkette waren es nur 0,8.

Auch wenn bei dieser simplen Rechnung Stärke und Form des Gegners außer Acht gelassen werden, ergibt sich ein so signifikanter Unterschied, dass Favre auch innerlich inzwischen überzeugt sein dürfte. Zumal es in den beiden vergangenen Spielen jeweils keinen Gegentreffer gab, obwohl die Borussia mit einer neuen Zusammensetzung im zentralen Mittelfeld spielte. Thomas Delaney kam aus einer Verletzung zurück, daneben kam Mahmoud Dahoud zum Zug, der in der Regel auf der Bank sitzt, wenn Axel Witsel und Emre Can einsatzbereit sind.

Piszczek - Hummels - Akanji

Zentraler Innenverteidiger in der aktuellen Dortmunder Dreierkette ist Mats Hummels. Seine Qualitäten im Kopfball, Zweikampf und der Spieleröffnung sind anerkannt, als Manko gilt sein Antritt. Bei einer Dreierkette, die bei gegnerischem Ballbesitz zu einer Fünferkette wird, sind die Abstände zwischen den einzelnen Gliedern kürzer. Das kommt Hummels zugute. Beim Herausrücken auf einen Gegner, zu dem Hummels manchmal übereifrig neigt, bleiben trotzdem noch zwei Innenverteidiger im Rücken. Auch das hilft dem BVB.

Rechts von Hummels spielt Lukasz Piszczek. Er wird im Juni 35 Jahre alt, klagt immer wieder mal über Hüftbeschwerden. Piszczek ist immer noch schnell, aber die vielen Sprints, die er als Außenverteidiger leisten musste und müsste, fallen naturgemäß schwerer.

In einer Dreierkette kann Piszczek sich weitestgehend auf die Verteidigung konzentrieren. Das kommt auch ihm zugute. Links von Hummels spielt Manuel Akanji, seitdem sich Dan-Axel-Zagadou verletzte. Akanji hat eine sehr gute Passquote, manchmal sind seine Fehler und Fehlpässe aber haarsträubend. Je mehr Mitspieler in der Nähe sind, desto besser die Chance, diese Fehler glattzubügeln.

Guerreiro und Hakimi profitieren

Es gibt aber Spieler, bei denen es weit mehr ins Gewicht fällt, ob nun mit Dreier- oder Viererkette gespielt wird. Das sind die beiden Mittelfeldspieler Raphael Guerreiro (links) und Achraf Hakimi. Sie können viel offensiver spielen, als sie es als Außenverteidiger in einer Viererkette müssten. Die Wege nach vorne sind kürzer, das zahlte sich am vergangenen Spieltag in Wolfsburg aus. Guerreiro stand im Strafraum parat, um einen Querpass zum 1:0 einzuschieben, Hakimi erzielte das 2:0, nachdem er den Topspeed eines Jadon Sancho im Konter mitgesprintet war.

Das Spiel mit Dreierkette wirkte sich beim BVB auch positiv auf die Offensive aus, ebenfalls signifikant. Im Schnitt erzielten die Dortmunder mit Viererkette 2,2 Tore, mit einer Dreierkette sind es 3,2.

Mehr dazu: Alle Highlights der Dienstags-Spiele des 28. Spieltags gibt es ab 22:45 Uhr in der ARD-Sportschau.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Mai 2020 um 11:00 Uhr.

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