Deutsche Nationalspieler nach dem WM-Sieg über Schweden | Bildquelle: dpa

Sieg gegen Schweden Das DFB-Team in der Einzelkritik

Stand: 24.06.2018 10:34 Uhr

Beim Last-Minute-Sieg der DFB-Elf im zweiten Grupenspiel bei der WM 2018 gegen Schweden gab es alles zu sehen. Dunkelsten Schatten und hellstes Licht. Am Ende überwog dank des WM-Premierentors von Marco Reus und eines Hammers von Toni Kroos das Licht.

Manuel Neuer - Der Torhüter der DFB-Elf war nach zwölf Minuten im Herauslaufen erstmals gefordert - und dann direkt so richtig. Gegen Marcus Berg machte der Keeper sich extrem groß und parierte somit dessen Abschluss aus kurzer Distanz. Beim Gegentor war Neuer machtlos - kurz vor der Pause verhinderte er den möglichen Treffer zum 0:2 mit einer tollen Parade. Am Kapitän lag es nicht, dass sich seine Mannschaft erneut so schwer tat.

Joshua Kimmich - Der Rechtsverteidiger tauchte wie gewohnt oft in der Hälfte des Gegners auf, war jedoch lange an keiner wirklich gefährlichen Szene beteiligt und hatte bei seinen Hereingaben viel Verschnitt zu verzeichnen. Nach einer Stunde hätte er mit einer guten flachen Flanke allerdings beinahe den Führungstreffer vorbereitet.

Antonio Rüdiger - Der Hummels-Ersatz begann sein erstes Spiel bei einem großen Turnier nach zwölf Minuten mit einem beinahe folgenschweren Aussetzer. Sein Ballverlust ermöglichte es Berg, allein auf das deutsche Tor zuzulaufen. Zu Rüdigers Glück entstand daraus kein Gegentor. Allerdings verunsicherte er das deutsche Angriffsspiel damit sichtlich. Der gute Start war dahin und Schweden im Spiel. Beim 0:1 versuchte er noch, Schlimmeres zu verhindern, kam jedoch nicht mehr hinterher. Der Mann vom FC Chelsea wirkte danach hypernervös. Gut für ihn, dass er sein Debüt mit einem Sieg beenden konnte und am Ende sicherer wurde.

Jonas Hector beim Volleyschuss | Bildquelle: REUTERS
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Jonas Hector beim Volleyschuss

Jérôme Boateng (bis zur 81. Minute) - Boateng hätte bei seiner Rettungsaktion nach dem Ballverlust von Antonio Rüdiger um ein Haar einen Elfmeter verursacht und dann wohl auch dafür die Rote Karte gesehen. Szymon Marciniaks Pfeife blieb zu seinem und Deutschlands Glück stumm. Als es für seine Mitspieler danach vorne nicht mehr lief, probierte der 29-Jährige immer wieder steile Pässe in die Spitze oder schloss selbst ab - sein Bemühen war sichtbar, aber zumeist ertraglos. Dass er nach 81 Minuten - obwohl bereits vorbelastet - zu wild von hinten in seinen Gegenspieler grätschte und somit berechtigterweise des Feldes verwiesen wurde, rundete einen für ihn extrem anstrengenden Tag mit einer nicht völlig zufriedenstellenden Leistung ab.

Jonas Hector (bis zur 86. Minute) - Hector machte eigentlich ein nahezu fehlerfreies Spiel. Mehrfach klärte er im eigenen Strafraum. Vor allem seine Rettungstat mit der Hacke (43. Minute) war extrem wichtig. Partiell schaltete der Kölner sich auch immer wieder durchaus ansehnlich ins Spiel nach vorne ein (3., 55.). Ein grundsolider erster Auftritt bei einer Weltmeisterschaft. Seine Auswechslung war nur der Schlussoffensive geschuldet.

Sebastian Rudy am Boden | Bildquelle: AFP
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Am Boden: Sebastian Rudy

Toni Kroos - Sein übler Fehlpass nach 32 Minuten ermöglichte den Schweden das 0:1, danach kam Deutschlands Regisseur nicht mehr schnell genug hinterher. Der eigentliche Taktgeber des deutschen Spiels war in der ersten Hälfte keiner und schaffte es nicht, dem Team Sicherheit oder Struktur im Angriffsspiel zu verleihen. Im zweiten Durchgang wurde es bei ihm stetig besser und am Ende gipfelte die steigende Leistungskurve in einem unfassbaren Traumtor nach einem Freistoß in der 95. Minute. Der Siegtreffer. In Unterzahl. Am Ende überstrahlte dieser letzte glückliche Eindruck alles - dafür hat man Führungsspieler.

Sebastian Rudy (bis zur 30. Minute) - Rudys WM-Debüt dauerte 25 Minuten und schon lag der defensive Part der Doppelsechs blutüberströmt am Boden, weil er einen schwedischen Fuß voll ins Gesicht bekam. Die Nase war so lädiert - und laut Joachim Löw auch gebrochen -, dass er das Feld nach einer längeren Behandlungspause nicht mehr betreten konnte. Sichtlich frustriert saß Rudy nach seiner Auswechslung auf der Bank, zuvor hatte er seine Rolle sehr solide ausgefüllt - wie der Bundestrainer es von ihm erwartet hatte.

Thomas Müller - Müller bemühte sich über Gestik und Mimik sichtlich, seine Mitspieler zu motivieren und zu führen. Nach fünf Minuten zeigte er seine eigene Motivation, als er stark nach hinten eilte und eine gefährliche Situation unterband. Offensiv war er viel unterwegs und forderte den Ball, in seinen eigenen Abschlussaktionen wirkte er aber meist unglücklich. Dennoch war der Münchener in Sachen Engagement einer der Vorreiter.

Marco Reus - In den ersten Minuten war Reus auf der etwas ungewohnten Zehnerposition einer der Aktivposten der DFB-Elf. Danach sah man ihn zunächst nur noch selten. Nach 48 Minuten setzte er aber mal aus dem Rückraum gedankenschnell nach und traf mit dem Knie zum Ausgleich. Bei seiner nächsten Chance nach einer Stunde verpasste der Dortmunder eine Hereingabe mit der Hacke und hätte diese mal lieber ganz durchgelassen - Gomez stand hinter ihm in guter Position. Insgesamt war der Elfer aber einer der Lichtblicke.

Timo Werner im Spiel gegen Schweden | Bildquelle: AFP
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Extrem viel unterwegs: Timo Werner

Julian Draxler (bis zur 45. Minute) - Er hätte die Weichen auf Sieg stellen können, doch Draxler scheiterte nach zwei Minuten vor dem eigentlich halb verwaisten Tor etwas zu hektisch am Fuß von Sebastian Larsson und hatte auch nach sieben Minuten mit einer abgerutschten Flanke die nächste Chance. Danach lief das Spiel nur noch an ihm vorbei, auch wenn er sich bemühte. Musste in der Halbzeit raus.

Timo Werner - Seine tiefen Läufe in der Anfangsphase waren genau das, was man sich schon im Mexiko-Spiel von ihm erhofft hatte. Leider machte er, genau wie der Rest der Offensive, zunächst nur eine knappe Viertelstunde von diesem Mittel Gebrauch. Sein nächster gefährlicher Sprint über eine halbe Stunde später führte dann zum Ausgleich, als der Angreifer von RB Leipzig den Ball von der Grundlinie flach vor das Tor brachte. Immer wenn der schnelle Neuner beteiligt war, wurde es jedenfalls direkt gefährlich - in der 80. Minute vergab er seine beste eigene Chance. Doch weil der 22-Jährige nie aufsteckte, wurde er am Ende belohnt. Werner holte den Freistoß heraus, den Toni Kroos dann am Ende zum Siegtreffer nutzte.

Ilkay Gündogan (ab der 30. Minute) - Der Mittelfeldmann von Manchester City wurde für Sebastian Rudy eingewechselt. Sein abgefälschter Schuss nach 39 Minuten zwang Schwedens Keeper Robin Olsen zu einer Glanztat, doch es sollte seine offensiv einzige auffällige gute Szene bleiben. Seinen Stempel konnte der vierte WM-Debütant dieser Partie nicht aufdrücken.

Mario Gomez (ab der 45. Minute) - Die erste Aktion des "echten" Mittelstürmers im deutschen Kader war eine unglaublich wichtige. Die Ballberührung des Stuttgarters, wenn auch nicht unbedingt genau so gewollt, lenkte die Hereingabe von Werner so ab, dass Reus das 1:1 erzielen konnte. Auch danach tauchte Gomez immer mal wieder in aussichtsreicher Position im schwedischen Sechzehner auf, verpasste aber einen Treffer. Seinen Kopfball nach 87 Minuten platzierte er nicht genau genug.

Julian Brandt (ab der 86. Minute) - Der Leverkusener sollte am Ende in Unterzahl nochmal die Schlussoffensive befeuern. Wie schon im Spiel gegen Mexiko machte er direkt richtig Alarm und hatte schon wieder Pech: Sein Linksschuss in der Nachspielzeit klatschte ans Aluminium - wie schon gegen Mexiko. Auf jeden Fall konnte Brandt erneut Eigenwerbung betreiben.

Quelle: sportschau.de

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