Max Verstappen unterwegs in Hockenheim

Formel -1-Rennen in Hockenheim Verstappen siegt im Regenchaos

Stand: 28.07.2019 17:15 Uhr

Riesen-Spektakel, zahlreiche Dreher und Ausfälle im Regenchaos beim Großen Preis von Deutschland: Max Verstappen im Red Bull hat das Formel-1-Rennen in Hockenheim gewonnen. Mercedes erlebte ein Debakel, Sebastian Vettel begeisterte die Fans.

Von Christian Hornung

Zwar blieb auch Verstappen am Sonntag (28.07.2019) keineswegs fehlerfrei auf dem bei ständig wechselnder Straßenbeschaffenheit höchst anspruchsvoll zu fahrenden Kurs. Doch der Niederländer managte den permanenten Nass-Trocken-Wechsel letztlich am besten, während Mercedes beim 125-jährigen Renn-Jubiläum ein Desaster erlebte und punktlos blieb.

Sebastian Vettel macht aus dem Drama einen Erfolg
Sebastian Vettel macht aus dem Drama einen Erfolg

"Schwierig zu lesen"

Platz zwei an diesem verrückten Tag belegte Sebastian Vettel, der das Kunststück fertigbrachte, seinen Ferrari vom letzten Startplatz noch auf das Podium zu fahren. Dritter wurde der Russe Daniil Kvyat im Toro Rosso, den sich Vettel in der vorletzten Runde geschnappt hatte.

Vettel sagte kurz nach der Ankunft: "Es war ein langes und sehr hartes Rennen. Es war sehr schwierig zu lesen, was das Beste bei diesen Bedingungen war. Ich habe mich lange aus allem rausgehalten und einfach nur versucht, Auto für Auto zu überholen. Nach der letzten Safetycarphase habe ich dann noch dran geglaubt, auf das Podium fahren zu können."

Kvyat auf Wolke sieben

Verstappen erklärte seine Siegstrategie so: "Es ging darum, so wenige Fehler wie irgendwie möglich zu machen. Es war unglaublich schwer, aber ich glaube, ich habe in den letzten Jahren einiges dazugelernt."

Kvyat war völlig hin und weg: "Das war komplett magisch", kommentierte er seinen dritten Platz. "Manchmal habe ich mich gefühlt wie in einem Horrorfilm mit ganz viel schwarzem Humor. Dieses Ergebnis ist einfach nur der Wahnsinn."

Start mit Regen-Verzögerung

Die Aufwärmphase verbrachten die 20 Autos wegen der regennassen Strecke zunächst rund zehn Minuten hinter dem Safetycar, doch nach der neuen Regel gab es dann keinen "fliegenden" Start, sondern einen regulären aus den Standpositionen, die sich nach dem Qualifying ergeben hatten. Lewis Hamilton hielt ohne Probleme seinen ersten Platz, allerdings war er auch der einzige Fahrer, dem die aufspritzende Gischt der Kollegen nicht das Visier benebelte.

Verstappen verlor gleich zwei Plätze, Kimi Räikkönen und Regenexperte Nico Hülkenberg arbeiteten sich um je zwei Ränge nach vorne. Auch Vettel begann sofort damit, sein Qualifying-Desaster aufzuarbeiten und kämpfte sich vom letzten Startplatz schon in der Auftaktrunde bis auf Rang 13 vor.

Vettel im Überholmodus

Und Vettel lief weiter heiß. Als auf der nicht mehr ganz so nassen Strecke alle Fahrer ihre Regenreifen gegen Intermediates getauscht hatten, war der Vierfach-Weltmeister in der neunten Runde bereits bis auf Platz sieben vorgeschossen. Die Spitze mit Hamilton, Valtteri Bottas und Verstappen war allerdings mit konstant mehr als 30 Sekunden Vorsprung zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen außer Reichweite.

Chaos brach dann rund um die 30. Runde aus: Erst drehte sich Verstappen mit seinen Slicks, konnte seinen Red Bull aber mit einem "360" so gerade noch retten. Weniger Glück hatte Charles Leclerc, der von der Strecke rutschte und erst im Kiesbett zum Stehen kam - daraus gab es dann kein Entkommen mehr. Leclerc brüllte ein lautes "Noooo!" in den Boxenfunk, der Rest wurde, weil nachmittags auch Kinder zuschauen, sicherheitshalber überpiept.

Nico Hülkenberg unterwegs in Hockenheim
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Nico Hülkenberg unterwegs in Hockenheim

Hamilton in Schwierigkeiten

Genau an der gleichen Stelle machte kurz danach auch Hamilton den Abflug. Der Brite hatte Glück, dass er nicht ins Wrack von Leclerc rutschte, kam aber im Gegensatz zum Monegassen wieder auf die Strecke zurück, allerdings mit einer Beschädigung. Hamilton reagierte sofort, obwohl er eigentlich schon am regulären Eingang zur Boxengasse vorbeigefahren war und bog über ein Rasenstück in die Pit Lane ein. Reaktion der Jury für diese Aktion: fünf Sekunden Zeitstrafe.

Von all diesen Wirren profitierte Verstappen, der sich die Führung schnappte, und auch Hülkenberg, der auf Platz zwei raste und vom ersten Podium in seinem 167. Karriererennen träumen durfte. Doch erst fuhren die beiden Mercedes an ihm vorbei, dann wurde die "Opel-Kurve" auch für ihn zum Verhängnis: In der 41. Runde endeten nach einem großartigen Rennen alle Hoffnungen des Emmerichers im Kiesbett.

Weltmeister plötzlich Letzter

Zehn Runden vor Schluss gab es dann ein seltenes Ergebnistableau: Weltmeister Hamilton war plötzlich Letzter. Nach dem Verbüßen seiner Strafe hatte er sich erneut von der Strecke gedreht und einen weiteren Boxenstopp vorgenommen - diesen Grand Prix wird er möglichst schnell aus seinem Gedächtnis streichen wollen. Auch wenn er durch späte Strafen für die beiden Alfa-Romeo-Piloten Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen (unerlaubte Technikhilfe beim Start) noch auf Platz neun gewertet wurde.

Das gleiche gilt auch für seinen Teamkollegen: Acht Runden vor dem Ende rutschte auch Valtteri Bottas folgenschwer von der Strecke und knallte so heftig in die Reifen am Streckenrand, dass er sein Auto ruinierte und den nächsten Safetycar-Einsatz auslöste. Rechtzeitig vor dem Ende wurde das Rennen dann aber nochmal freigegeben, so dass Vettel die Chance hatte, noch an Lance Stroll im Racing Point und Kvyat vorbeizufahren.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Sonntag, 28.07.19., 22.50 Uhr

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juli 2019 um 17:15 Uhr.

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