Lewis Hamilton

Sieg in Sotschi Hamilton auf dem Weg zum Titel

Stand: 30.09.2018 15:42 Uhr

Sebastian Vettel kämpfte bis zur letzten Runde um das WM-Comeback, doch gegen das Mercedes-Bollwerk und die Stallorder für Sieger Lewis Hamilton war der Ferrari-Star machtlos.

Der viermalige Champion hat den ersehnten ersten WM-Triumph mit der Scuderia trotz einer fehlerfreien Leistung beim Großen Preis von Russland nicht mehr in der eigenen Hand. Der Heppenheimer musste sich in Sotschi mit Rang drei begnügen und ist im fast aussichtslosen Formel-1-Titelrennen nun zwingend auf mehrere Patzer von WM-Spitzenreiter Hamilton angewiesen. Der britische Weltmeister profitierte am Sonntag (30.09.18) in Sotschi von einer Stallorder bei Mercedes und feierte vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas seinen 70. Grand-Prix-Sieg.

"Ein schwieriger Tag"

Hamilton meinte nach dem Rennen: "Es ist schon ein bisschen schwierig, Valtteri ist ein Gentleman, dass er mich vorbeigelassen hat. Er hat einen Super-Job gemacht, ist ein Super-Wochenende gefahren und hätte es verdient gehabt, hier zu gewinnen. Aber als Team wollen wir natürlich die Fahrer- und die Konstrukteurswertung gewinnen."

Bottas musste nach seinem zweiten Platz fast getröstet werdem und sagte enttäuscht: "Als Team haben wir es gut gemacht, aber für mich ganz persönlich ist das natürlich ein schwieriger Tag."

Vettel war chancenlos

Vettel kommentierte: "Ich hatte einen guten Start, aber dann wusste ich nicht so richtig, wo ich hinfahren sollte. Ich habe dann mein Bestes versucht, um möglichst nah an Bottas heranzukommen, aber es hat nicht gereicht. Es ist natürlich nicht das Ergebnis, das wir wollten."

Hamilton baute seinen Vorsprung auf Vettel auf kaum aufzuholende 50 Punkte aus. Selbst Siege in jedem der verbleibenden fünf Saisonrennen garantieren Vettel damit nicht mehr den Titel.

Verstappen von 19 auf fünf

Red-Bull-Pilot Max Verstappen, wegen eines Umbaus am Motor auf Startplatz 19 strafversetzt, zeigte ein starkes Rennen und kämpfte sich an seinem 21. Geburtstag auf den fünften Rang vor. Der Emmericher Nico Hülkenberg im Renault verpasste als Zwölfter die Punkte.

Bei Mercedes hatten sich nach dem gelungenen Qualifying mit Startplatz eins (Bottas) und zwei (Hamilton) zwei entscheidende Fragen aufgedrängt: Wie können die Ferraris beim für den Rennverlauf bedeutsamen Start trotz Windschatten auf dem langen Weg zum ersten Bremspunkt auf Abstand gehalten werden?

Hamilton profitiert von Bottas' Windschatten

Und, noch wichtiger: Wird es eine Stallorder zugunsten von Hamilton geben? Man sei in einer Saisonphase, in der er nicht beide Mercedes gegeneinander kämpfen sehen wolle, hatte Motorsportchef Toto Wolff nach dem Qualifying gesagt und für Sonntagmorgen ein Gespräch mit den Fahrern und wichtigsten Ingenieuren angekündigt: "Es ist eine schwierige Entscheidung. Wir müssen in dieser Phase ein bisschen rechnen."

Schon das erste Problem löste Mercedes in Teamarbeit. Vettel erwischte auf Startplatz drei den besseren Start als Hamilton und zog sogar leicht am Engländer vorbei. Mit Hilfe von Bottas' Windschatten gelang es Hamilton aber, Vettels frühen Angriff zu parieren. In der Reihenfolge Bottas vor Hamilton vor Vettel gingen die Top Drei auf die ersten Runden. Dahinter folgten Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari und Vettels künftiger Teamkollege: Charles Leclerc verbesserte sich im Sauber überraschend vom siebten Startplatz auf Rang fünf, musste diesen aber schnell Verstappen überlassen, der spielend einfach durch das Feld gepflügt war.

Vettel dank Boxenstopp vorbei

An der Spitze nahm die Intensität des Rennens mit den ersten Stopps - das Top-Trio wechselte von den Ultrasoft-Reifen auf die härtere Soft-Mischung - dramatisch zu. Vettel tauschte eine Runde vor Hamilton - und profitierte. Bei Hamiltons Ausfahrt aus der Boxengasse schob sich Vettel knapp vorbei. "Leute, wie konnte das denn passieren?", fragte Hamilton entnervt. Nach dem Taktik-Debakel von Singapur war der Ferrari-Plan in Sotschi aufgegangen.

Die Freude darüber währte aber nur kurz. Mit viel Wut im Bauch attackierte Hamilton im augenscheinlich schnelleren Mercedes. Den ersten Versuch am Ende der langgezogenen Kurve nach der Zielgeraden parierte Vettel noch mit Mühe, gegen den zweiten war er wenig später machtlos.

"Wir mussten das machen"

In Runde 25 offenbarte Mercedes die Antwort auf die Frage nach der Stallorder: Per Funkspruch forderte der Kommandostand Pole-Setter Bottas auf, Hamilton überholen zu lassen. Der Finne ließ seinen Teamkollegen wenig begeistert gewähren und setzte sein Rennen fortan als Bremsklotz für Vettel fort.

"Wir mussten das machen", funkte die Box an Bottas und bat um Verständnis. Ohne Vettel im Nacken und Bottas in Front fuhr Hamilton dem nun ungefährdeten Sieg entgegen.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 30.09.18, 18 Uhr

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. September 2018 um 15:00 Uhr.

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