Protestankündigung von Leverkusener Fans | Bildquelle: imago/Jan Huebner

Fußball-Bundesliga Fans beenden Dialog mit DFB und DFL

Stand: 21.08.2018 19:12 Uhr

Ein Zusammenschluss von Fußballfanszenen teilt mit, dass der Dialog mit DFB und DFL beendet worden sei. Gleichzeitig kündigt er an, "noch engagierter als zuvor Protest in die Stadien zu tragen". DFB und DFL bedauerten die Entwicklung.

Bei den Spielen in der ersten Runde des DFB-Pokals war in nahezu jedem Stadion ein Spruchband zu sehen. "DFB, DFL & Co. - Ihr werdet von uns hören!", war darauf zu lesen. Am Dienstag (21.08.18) wurde die Vereinigung der aktiven Fans dann konkret. In einer auf mehreren Internetseiten veröffentlichten Stellungnahme teilten die "Fanszenen Deutschlands" mit, dass der Dialog mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) "mit sofortiger Wirkung" beendet worden sei.

Etwa ein Jahr nach der Gründung, so schreibt das Bündnis, sei "die anfängliche Euphorie" gewichen. Die Verbände hatten sich kompromissbereit in mehreren Bereichen gezeigt, etwa bei den von Fanseite stark kritisierten Kollektivstrafen. Es kam zu zwei Gesprächsrunden, sogar DFB-Präsident Reinhard Grindel diskutierte mit Ultras und wähnte den Verband auf einem guten Weg, gemeinsam mit den Fans Lösungen zu finden.

"Mangelnde Wertschätzung der Basis"

Doch die aktiven Szenen zeigen sich in dem Schreiben enttäuscht, dass ihre Gesprächsbereitschaft keine für sie positiven Veränderungen ergeben hätte. "DFB und DFL sind sich weder dem Gegenwert dieser ausgestreckten Hand der Fanszenen Deutschlands noch den Konsequenzen dieser mangelnden Wertschätzung der Basis in den Stadien bewusst. Stattdessen manifestierte sich vielmehr der Eindruck, dass der Fußballsport noch weiter seiner sozialen und kulturellen Wurzeln beraubt werden soll, um ihn auf dem Altar der Profitgier von den Verbänden auszunehmen", heißt es in dem Schreiben.

Die Fans werfen den Verbänden etwa vor, dass es nun sogar in der 3. Liga ein Montagsspiel gibt. Die Partien zu Wochenbeginn sind den Fanszenen seit der Einführung ein Dorn im Auge. Als es in der vergangenen Saison die ersten regelmäßigen Montagsspiele in der Bundesliga gab, protestierten Fans in Dortmund etwa mit einem Boykott, in Frankfurt flogen zig Tennisbälle auf das Spielfeld.

Verschärfte Proteste angekündigt

Ein weiterer Grund für den aufgekündigten Dialog ist aus Sicht der Fans, dass "weiterhin jede Spur" von Transparenz fehle. Dies zeige sich etwa in der "mangelnden Aufklärung der Causa Beckenbauer in Zusammenhang mit den Beckenbauer-Millionen". Kritisiert wird außerdem die Aufstiegsregelung für die Regionalligen, die einem "Glücksspiel" gleiche.

Im letzten Absatz der Erklärung kündigen die Fanszenen verschärfte Proteste in den Stadien an: "Wir sind weiterhin bis in die Haarspitzen motiviert, uns für die Grundwerte des Fußballs und gegen eine weitere Entfremdung des Fußballs durch Korruption, Gutsherrenmachenschaften und Kommerzialisierung einzutreten."

DFB und DFL äußern "Bedauern"

Der DFB und die DFL nahmen das Statement "mit Bedauern zur Kenntnis". Der kritisch geführte Austausch sei bislang als offen und konstruktiv angesehen worden, hieß es in einer Pressemitteilung. Auch "wegweisende Veränderungen" wurden betont: "Die Aussetzung von Kollektivstrafen, verbunden mit der Hinwendung zur Täterorientierung, das klare Bekenntnis zum Erhalt der Stehplätze und die Erhöhung der Transparenz in der Sportgerichtsbarkeit durch die Veröffentlichung des Leitfadens für den Kontrollausschuss."

Thema in: Deutschlandfunk, Sport aktuell, Dienstag, 21.08.2018, 22.50 Uhr

Quelle: sportschau.de

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