Joachim Löw am Spielfeldrand | Bildquelle: dpa

Nations League Schafft das DFB-Team den Neustart?

Stand: 05.09.2018 18:14 Uhr

Wieviel von der historischen WM-Blamage steckt noch im DFB-Team? Gibt es beim Nations-League-Duell mit Weltmeister Frankreich am Donnerstag (20.45 Uhr/live-ticker bei sportschau.de) tatsächlich den so dringend benötigten Neustart? Zu welchen Veränderungen ist Joachim Löw willens - und in der Lage? Der Check.

Der Bundestrainer

Keine Frage: Löw geht nach dem erstmaligen Vorrundenaus einer deutschen Nationalmannschaft bei einer Fußball-WM schwer angeschlagen in die nähere Zukunft. Was Hoffnung macht, ist nach einer quälend langen Schweigephase ungewohnt deutlich geäußerte Selbstkritik ("teilweise arrogant", "können nicht in zwei Spielen all das vergessen machen"). Aber auch (wiedererwachter) Kampfgeist, zum Beispiel, als der Bundestrainer jetzt auf einen möglichen Philosophiewechsel angesprochen wurde: "Das wäre kompletter Blödsinn! Ballbesitz, Dominanz, spielerische Elemente - diese Vision werden wir nicht eingraben", polterte er.

Das Personal

Sami Khedira ist ausgemustert, Mesut Özil und Mario Gomez sind zurückgetetreten: Allzu üppig ist der personelle Umbruch nicht ausgefallen. Spieler wie Thomas Müller, Ilkay Gündogan, Jérôme Boateng und Mats Hummels, die bei der WM auftraten, als hätten sie ihre beste Zeit lange hinter sich, bilden nach wie vor das Gerüst der Mannschaft. Manuel Neuer, der in Russland fast ohne Spielpraxis ins Tor durfte, bleibt in der Hierarchie auch weiterhin vor Marc-André ter Stegen. Löw sagt dazu: "Neuer hat auch in Russland mit seinen Leistungen bewiesen, dass er unsere Nummer 1 ist. Marc ist der kommende Mann." Und: "Wer glaubt, dass nur mit jungen Spielern der Weg steil nach oben geht, täuscht sich."

Löw im Interview - "Wettmachen, was wir verbockt haben"
sportschau
06.09.2018 15:45 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Die Neuen

Linksverteidiger Philipp Max vom FC Augsburg war von vielen als einer der Newcomer im Nationalteam erwartet worden, doch Löw hat sich anders entschieden: Neu dabei sind der Hoffenheimer Nico Schulz, Kai Havertz von Bayer Leverkusen und Thilo Kehrer von Paris St. Germain. Schulz hat gute Chancen, gegen Frankreich in der Startelf zu stehen.

Die Taktik

Das wird interessant. Einerseits will Löw seine Philosophie nicht ändern, andererseits wird ihm nach eingehender Analyse der deutschen Auftritte bei der Weltmeisterschaft auch das klar geworden sein, was spätestens schon in der Halbzeitpause gegen Südkorea auf der Hand lag: Das zeitlupenartige Quergeschiebe im Mittelfeld mit der Intention, Fehlpässe zu vermeiden, kann es nicht sein.

So darf man auch die Rückkehr des für die WM ausgebooteten Leroy Sané als Wegweiser darauf deuten, dass der Bundestrainer wieder mehr Tempo und Tiefe ins deutsche Spiel implantieren will. Ob Löw von seinem bevorzugten 4-2-3-1-System abrückt, vermehrt auf Dreierkette oder vielleicht sogar einen Dreierangriff mit echten Außenstürmern setzt, wird sich gegen Frankreich und auch am Sonntag gegen Peru erweisen.

Nationalmannschaft will "zurück zum Powerfußball"
Nationalmannschaft will Wiedergutmachung: "Zurück zum Powerfußball"

Der Weckruf

Toni Kroos hebt sich wohltuend von den vielen Allgemeinbotschaftern nach der WM ab - und nennt für den Neustart konkret Namen - und gibt ihnen auch etwas mit auf den Weg. So bescheinigte Kroos Leroy Sané einerseits das Potenzial zur Weltklasse, kritisiert den Jungstar von Manchester City aber auch deutlich: "Man hat das Gefühl, dass er gesagt bekommen muss, was zu tun ist, um absolute Weltklasse zu werden. Klar ist, dass man ihn dazu bringen muss, die Topleistung zu bringen. Er wäre eine Riesenbereicherung, weil er uns mehr geben würde für unser Spiel, wenn er es auf den Platz bringt. Aber seine Körpersprache vermittelt manchmal den Eindruck, es sei ihm egal, ob das Team gewinnt oder verliert."

Jubel bei Olivier Giroud (l.) und Antoine Griezmann (r.) | Bildquelle: AFP
galerie

Weiterhin dabei: Olivier Giroud (l.) und Antoine Griezmann

Der Gegner

Frankreich ist mit einer jungen Mannschaft Weltmeister geworden, ein Umbruch war nicht zu erwarten - und es gibt auch keinen. Selbst die leicht in die Jahre gekommenenen Olivier Giroud (FC Chelsea) oder Blaise Matiudi (Juventus Turin) sind weiter dabei. Gegen Deutschland bietet Trainer Didier Deschamps alle Weltmeister auf, die ihm zur Verfügung stehen. Nur die Torhüter Hugo Lloris (Tottenham Hotspur) und Steve Mandanda (Olympique Marseille) fehlen verletzt, dafür gibt Keeper Alphonse Areola (Paris St. Germain) sein Debüt im Nationalteam.

Franzosen voller Ehrgeiz und Demut nach WM-Titel
sportschau
06.09.2018 15:45 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Deutschland: Neuer (Bayern München/32 Jahre/79 Länderspiele) - Kimmich (Bayern München/23/32), Boateng (Bayern München/30/73), Hummels (Bayern München/29/66), Schulz (1899 Hoffenheim/25/0) - Goretzka (Bayern München/23/16), Kroos (Real Madrid/28/86) - Müller (Bayern München/28/94), Brandt (Bayer Leverkusen/22/19), Reus (Borussia Dortmund/29/34) - Werner (RB Leipzig/22/17)

Frankreich: Areola (Paris Saint-Germain/25/0) - Pavard (VfB Stuttgart/22/12), Varane (Real Madrid/25/49), Umtiti (FC Barcelona/24/25), Hernandez (Atletico Madrid/22/12) - Pogba (Manchester United/25/60), Kanté (FC Chelsea/27/31) - Mbappé (Paris Saint-Germain/19/22), Griezmann (Atletico Madrid/27/61), Matuidi (Juventus Turin/31/72) - Giroud (FC Chelsea/31/81)

Schiedsrichter: Orsato (Italien)

Quelle: sportschau.de

Darstellung: