Dortmunds Marco Reus (r.) gegen Robert Lewandowski von Bayern München | Bildquelle: dpa

Spiel in Dortmund Supercup - BVB und Bayern wollen Zeichen setzen

Stand: 02.08.2019 09:16 Uhr

Zeichen setzen - das ist das Ziel für Borussia Dortmund und Bayern München beim Supercup. Nach der relativ knappen Meisterschaft 2019 kommt dem Spiel vor allem eine psychologische Bedeutung zu.

Mühevoll wie lange nicht mehr mussten sich die Bayern 2019 zur Meisterschaft spielen, tatsächlich erst am letzten Spieltag stand der siebte Titelgewinn in Folge fest. Die Zeit ist möglicherweise reif, ein anderer Meister möglich - Borussia Dortmund hat sich dieses Ziel gesteckt, ein Sieg im Supercup in Dortmund am Samstag (03.08.2019/20.30 Uhr) wäre ein klares Zeichen an die Bayern.

Reus: "Zeigen, dass wir Großes vorhaben"

Man wolle den Fans zeigen, "dass wir etwas Großes vorhaben", sagte Marco Reus im "kicker". Ein Sieg im Supercup könnte der Psyche für den Saisonbeginn besonders gut tun. Dortmund startet gegen den FC Augsburg in die Bundesliga. Trainer Lucien Favre gibt sich zurückhaltender: "Man kann sagen, wir können um den Titel mitspielen. Ich verstehe das. Aber wir müssen trotzdem aufpassen, was wir sagen." Erstmals seit Jahren hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bereits vor Wochen im Einvernehmen mit der Mannschaft den Titel als Ziel ausgegeben.

Für kaum einen Spieler ist das Spiel gegen die Bayern so brisant wie für Mats Hummels, der von den Bayern zum BVB zurückkehrte. "Ich gehe fest davon aus, dass Mats nicht mit Pfiffen empfangen wird. Ich habe das Gefühl, 90 Prozent aller Fans freuen sich über seine Rückkehr", sagte Sebastian Kehl, Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung. Wie schon in seiner ersten Zeit beim BVB, in der er eine Erfolgsära mit den beiden Meisterschaften 2011 und 2012 mitprägte, ist dem 30 Jahre alten Hummels eine Rolle als Leitwolf zugedacht.

Bayern in guter Frühform

Die Bayern geben sich derweil voller Vorfreude: "Ich habe richtig Bock auf das Spiel in einem geilen Stadion, da wird man sehen, wo wir stehen", sagte Nationalspieler Leon Goretzka nach dem verlorenen Finale des Testturniers in München am Mittwoch. Gegen Tottenham unterlagen die Bayern 5:6 i.E. (2:2, 0:1). Da schonte Trainer Niko Kovac viele wichtige Spieler - das wird gegen Dortmund wohl anders sein.

Im bisherigen Verlauf der Vorbereitung hatten sich die Bayern in starker Frühform präsentiert. Man sei "auf dem richtigen Weg. Wir gehen das mit einem guten Gefühl an", sagte Thomas Müller: "Das Spiel hat eine gewisse Brisanz. Wir wollen zeigen, dass wir da sind. Wir werden alles reinlegen." Die Bayern starten gegen Hertha BSC in die Bundesliga-Saison.

Bayern kämpfen mit Transferdiskussion

Bei den Bayern drehte sich zuletzt alles um die Kaderplanung. Wer kommt den nun? Sportdirektor Hasan Salihamidzic sagte am Mittwochabend nach einem Vorbereitungsturnier in München nichts, wirkte jedoch zunehmend genervt. Das Thema Leroy Sané bleibt ganz oben. Die Bayern dementierten am Donnerstagabend Meldungen von "Bild" und "kicker", nach denen Sané sich für einen Wechsel zu den Bayern entschieden habe.

In einem fast verzweifelten Bemühen haben sich die Verantwortlichen inzwischen einen Maulkorb verpasst, nachdem Manchester City das allzu forsche Verhalten der Münchner im Handel um Sanés Dienste derart verärgert hatte, dass der englische Meister den Bayern laut "kicker" schon vor zwei Wochen einen Protestbrief zukommen ließ. Es sei "künftig wichtig, dass wir nicht mehr über Spieler sprechen, die bei anderen Vereinen unter Vertrag stehen", sagte Salihamidzic.

Bayerns Torwart Raimond Aumann (r.) 1989 mit Dortmunds Thomas Kroth
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Bayerns Torwart Raimond Aumann (r.) 1989 mit Dortmunds Thomas Kroth

Supercup - manchmal wirklich "super"

Der Supercup mag eher ein aufgewertetes Testspiel als der große emotionale Kampf um den "ersten Titel der Saison" sein. Doch das Prestige und der Fingerzeig für die neue Saison geben ihm diesmal mehr Brisanz als sonst. Und legendäre Spiele lieferte er immer wieder. 1987 traten Meister Bayern München und Pokalsieger HSV in Frankfurt gegeneinander an. HSV-Torwart Uli Stein streckte Jürgen "Kobra" Wegmann mit einem Faustschlag nieder, erhielt die Rote Karte und musste den HSV wenig später verlassen.

1989 lieferten sich Meister Bayern und Pokalsieger Dortmund das vielleicht wildeste Spiel in der Geschichte des Wettbewerbs: Nach wechselnder Führung gewann Dortmund durch ein Tor von Andreas Möller in der 88. Minute mit 4:3 in Kaiserslautern.

Zwischen 1997 und 2010 gab es den Wettbewerb dann zunächst nicht mehr, 2010 wurde er wieder eingeführt. 2019 gibt es das zehnte Spiel seit der Wiedereinführung, zum neunten Mal sind die Bayern dabei. Im Vorjahr schlugen sie Eintracht Frankfurt mit 5:0. Die Bayern sind - natürlich - Rekordsieger. Von 19 ausgetragenen Supercup-Spielen gewannen sie sieben.

Personelles

Bei den Bayern zogen sich Serge Gnabry (muskuläre Probleme) und Kingsley Coman (schwere Knieprellung) Blessuren zu. Er gehe davon aus, "dass uns die beiden Spieler schnell wieder zur Verfügung stehen", sagte Kovac. Ob es schon bis Samstag reicht, ließ er offen. Coman soll laut Vereinsangaben schon am Freitag wieder trainieren können.

Dortmund muss laut Favre voraussichtlich auf Torhüter Roman Bürki und Neuzugang Thorgan Hazard verzichten. Bürki könne nach seiner am Schienbein erlittenen Risswunde weiterhin nicht trainieren. Hazard absolvierte nach seinen Sprunggelenksproblemen nur eine leichte Laufeinheit. Dass Neuzugang Julian Brandt (Adduktorenprobleme) ausfällt, steht schon seit Dienstag fest. Am Freitag wurde bekannt, dass der BVB auch auf Mateu Morey verzichten muss. Er hat sich nach Vereinsangaben im Test gegen den FC St. Gallen (4:1) die Schulter ausgerenkt. Er wird wochenlang fehlen.

Großer Rahmen

Das Spiel ist ausverkauft, mehr als 80.000 Zuschauer werden ins Dortmunder Stadion kommen. Laut Deutscher Fußball Liga wird das Spiel in 200 Länder übertragen.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. August 2019 um 23:14 Uhr.

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