Geraint Thomas | Bildquelle: AP

Tour de France Thomas siegt auf letzter Alpenetappe

Stand: 19.07.2018 18:22 Uhr

Geraint Thomas (Sky) hat die letzte Alpen-Etappe der diesjährigen Tour de France über 175,5 Kilometer von Bourg-Saint-Maurice nach L'Alpe d'Huez für sich entschieden und im Kampf um die Vorherrschaft bei seinem Team einen weiteren Giftpfeil in Richtung Christopher Froome abgeschossen.

Thomas verteidigte damit am Donnerstag (19.07.2018) das Gelbe Trikot des Spitzenreiters und baute seinen Vorsprung auf Teamkollege und Sieganwärter Froome auf 1:39 Minuten aus. Der Niederländer Steven Kruijswijk (Lotto NL-Jumbo) war als Spitzenreiter mit etwa vier Minuten Vorsprung auf die Verfolger in den Schlussanstieg nach L'Alpe d'Huez gefahren. Doch auf den knapp 14 Kilometern hoch zum Ziel hatte er gegen die Verfolger - angeführt vom Team Sky - keine Chance.

Sky dominiert - die Konkurrenz attackiert

Der aktuell Führende Thomas und auch Favorit Froome wurden von ihrem Team perfekt in den Schlussanstieg geführt. Als zuerst Mikel Landa (Movistar) und danach Romain Bardet (ag2r La Mondial) Attacken wagten, blieb Sky cool und fuhr unbeeindruckt ein gleichmäßiges Tempo über den höchst anspruchsvollen Anstieg hoch nach L'Alpe d'Huez.

Mitfavorit Vincenzo Nibali war vier Kilometer vor dem Ziel gestürzt und konnte in den Kampf um den Etappensieg nicht eingreifen. Auf den letzten Kilometern wagte Tom Dumoulin vom deutschen Team Sunweb einen Angriff, auch Bardet ließ nicht locker.

12. Etappe - die letzten drei Kilometer
12. Etappe - die letzten drei Kilometer

Thomas: Froome vielleicht bester Fahrer aller Zeiten

Das Finale geriet zu einem nervenaufreibenden Zielsprint von vier Fahrern. Die Schlussattacke lancierte Thomas, der 500 Meter vor dem Zielstrich in die Pedale trat und die Kontrahenten distanzierte. "Ich bin sprachlos. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, wirklich. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich heute die Chance habe zu gewinnen", sagte Thomas, "meinetwegen können wir jetzt in Paris ankommen. Aber dieses Rennen ist so hart - man weiß nie, wie der Körper reagiert." Gleichzeitig betonte er seine Rolle als Nummer zwei im Team: "Ich fahre nach wie vor für Froome, er weiß, wie man eine Tour über drei Wochen fährt und gewinnt. Er ist eine Legende, vielleicht der beste Fahrer aller Zeiten." Der Brite setzte sich mit zwei Sekunden Vorsprung auf den Niederländer Dumoulin durch. Dritter wurde Bardet mit drei Sekunden Rückstand vor Froome, der vier Sekunden hinter Thomas lag - allerdings bekam dieser als Etappensieger zehn Bonussekunden.

Geraint Thomas: "Wenn das jetzt schon Paris wäre"
Geraint Thomas im Interview bei der Tour de France

Deutsche Fahrer steigen aus

Für die deutschen Fahrer setzte sich eine enttäuschende Tour fort. Einen Tag nach dem Aus von Marcel Kittel (Arnstadt/Katusha-Alpecin) war die Rundfahrt auch für Sprint-Routinier André Greipel (Rostock/Lotto-Soudal), seinen Teamkollegen Marcel Sieberg (Castrop-Rauxel) und Rick Zabel (Unna/Katusha-Alpecin) beendet. Das Trio lag bereits zur Hälfte der letzten Alpen-Etappe so weit zurück, dass es in den Besenwagen stieg und die Tour damit verließ. Auch die zweimaligen Etappensieger Dylan Groenewegen (Niederlande/LottoNL-Jumbo) und Fernando Gaviria (Kolumbien/Quick-Step Floors) gaben auf. Damit sind vor der nächsten erwarteten Massenankunft am Freitag in Valence kaum noch Topsprinter im Feld vertreten.

Vorsichtshalber kein Alkohol-Verkauf wegen Froome

Angesichts der immer noch schwelenden Gefahr eines tätlichen Übergriffes auf den wegen seiner Asthmamittel-Affäre bei den Fans weiter umstrittenen Froome und kaum zu kontrollierenden Menschenmassen am Schlussanstieg hatten die Organisatoren die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. So war an neuralgischen Party-Punkten wie der "Kehre der Holländer" rund sechs Kilometer vor dem Ziel der Alkoholverkauf verboten worden. Trotz der aufgeheizten Atmosphäre blieb das Radsport-Fest aber weitgehend friedlich. Froome musste jedoch einen Schubser eines Fanatikers einstecken und sich erneut einige Unmutsbekundungen gefallen lassen, zudem kamen diverse - vorsichtig ausgedrückt - übermütige Fans den Fahrern bedrohlich nahe. Letztlich fuhren aber alle Rivalen heil ins Ziel.

Quelle: sportschau.de

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