Fans mit Transparent mit durchgestrichenem DFB-Logo | Bildquelle: dpa

Protest in der Bundesliga Ultras drohen mit Spielabbrüchen

Stand: 06.03.2020 13:04 Uhr

In den Stadien der Fußball-Bundesliga drohen am Wochenende wieder verstärkte Fanproteste und möglicherweise Spielabbrüche. Der Zusammenschluss "Fanszenen Deutschlands" kündigte für den 25. Spieltag ein entsprechendes Vorgehen an.

Ungeachtet einer ersten Annäherung zwischen DFB, DFL und Fanvertretern haben Ultras aus ganz Deutschland für den anstehenden Spieltag in der Fußball-Bundesliga weitere Proteste bis hin zu möglichen Spielabbrüchen angekündigt. "Wir Fans werden die Praxis vom letzten Spieltag nicht einfach so hinnehmen und im Zweifel weiter Unterbrechungen und auch Abbrüche in Kauf nehmen", kündigte der Zusammenschluss "Fanszenen in Deutschland" am Freitag (06.03.2020) in einer Stellungnahme mit dem Titel "Kollektivstrafen zum 'Schutze' eines Milliardärs" an.

Damit ist klar, dass die Zusammenkunft am Donnerstag in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nur bedingt Erfolg hatte. Dort hatten sich Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), und Friedrich Curtius, DFB-Generalsekretär, in stundenlangen Diskussionen über Kollektivstrafen und den so genannten Drei-Stufen-Plan eingelassen. Anwesend waren Vertreter von Fanvereinigungen wie "Unsere Kurve", "Frauen im Fußball" und "Queer Football Fans".

Machtkampf auch innerhalb der Fanszene

Weiterhin nicht im Dialog stehen die Vereinigung "ProFans", die Interessenvertretung für Fan- und Ultragruppen, sowie das Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) - somit kann die Mitteilung vom Freitag auch als Teil des Machtkampfes innerhalb der Fanszene verstanden werden. Offenbar besteht auch innerhalb der Kurven noch großer Abstimmungsbedarf, wie der Protest artikuliert wird.

Bei Eintracht Frankfurt, wo die Fangruppierungen großen Einfluss besitzen, geschah das im DFB-Pokalviertelfinale gegen Werder Bremen auf durchaus kreative Art und Weise. Trainer Adi Hütter wurde per Plakat aufgefordert sich zu melden, wenn er eine Spielunterbrechung brauche. Letztlich konnten alle mit dieser Art von Protesten leben, aber möglicherweise geht das einigen nicht weit genug.

Vorwurf der Zensur

Neben der Wiedereinführung von Kollektivstrafen werfen die Fan- und Ultragruppen dem DFB zudem Zensur vor, weil es zuletzt auch wegen Plakaten ohne beleidigenden Inhalt zu Spielunterbrechungen gekommen war. "Die tatsächliche Schande der vergangenen Wochen liegt im Verhalten der Verbände, allen voran des DFB", hieß es. Unter dem neuen Präsidenten Fritz Keller habe sich "nichts zum Positiven verändert". Dem DFB wird vorgeworfen, kein "ernsthaftes Interesse an einem Dialog" zu haben.

Kollektivstrafen werde als Angriff auf die Fankultur verstanden. Das DFL-Präsidium hatte dazu am Donnerstag mitgeteilt: "Kollektivstrafen haben im deutschen Fußball noch nie ein Problem gelöst." Nur als Ultima Ratio könnten sie "in absoluten Ausnahmefällen in sportgerichtlichen Verhandlungen zwischen DFB und Klubs nicht komplett ausgeschlossen werden". Der DFB verteidigte sich mit Vizepräsident Rainer Koch: "Es wurde im Übrigen immer klar kommuniziert, dass Zuschauerausschlüsse nicht kategorisch abgeschafft sind."

"Bekämpfung der Fankultur"

Indem der DFB diese Strafen wieder ausspreche, beweise er, "dass er nur solange an Veränderungen und Dialog interessiert ist, solange sein Geschäft nicht ernsthaft gestört wird", hieß es nun im neuesten Protestschreiben. Das Vertrauen der Ultras in die Verbände scheint komplett zerstört, es werden schwere Vorwürfe formuliert. "Es geht schlichtweg um die Bekämpfung unserer Fankultur und unserer Werte", schreibt der Ultra-Zusammenschluss, "die Profiteure des Geschäfts 'Fußball' versuchen mit diesem scheinbar verfänglichen Thema die Fankurven zu spalten, um letztendlich die aktiven Fanszenen zu entfernen".

Die Ultras bewerten auch die Vorfälle vom letzten Wochenende mit den Schmährungen gegen den Mehrheitseigner und Mäzen der TSG Hoffenheim, Dietmar Hopp, ganz anders als die Verbände. Hopp selbst, Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und der DFB hätten "sich gegenseitig übertreffend" über "Würde, Moral und Respekt" fabuliert.

Dabei sorgten wie im Falle von Hopp dieselben Personen dafür, dass der Fußball "von hochgezüchteten Retortenvereinen mit unkritischem Klatschpublikum beherrscht wird". Noch immer ist vielen Fans ein Dorn im Auge, dass Klubs wie TSG Hoffenheim und RB Leipzig unter Umgehung der 50+1-Regel in der Bundesliga gelandet sind.

Kritik kommt vom Union-Boss

Auch aus der Liga wurde der DFB in der anhaltenden Debatte erstmals hart attackiert. Union Berlins Präsident Dirk Zingler kritisierte, dass der DFB "den Kontakt zu und das Verständnis für die Mehrheit der Fußballfans, insbesondere der Stadionbesucher, verloren" habe. Zingler meinte: "Für den Dialog mit der Szene sind die Vereine verantwortlich."

Grund für die Entfremdung seien laut Zingler Maßnahmen des DFB, die dessen Image geschadet hätten: "Wenn ich nur mal das Beispiel Nationalmannschaft nehme und sehe, wie dort versucht worden ist, mit ganz viel Marketing eine Marke zu kreieren und ein Bild zu zeichnen, das nichts mit der Realität in den Stadien zu tun hat."

Alles in allem steht wieder infrage, ob Seifert und Curtius bei ihrem Dialog wirklich eine Annäherung hinbekommen haben. Denn die Causa bleibt vertrackt. Das Bündnis "Unsere Kurve" hatte nach dem Gespräch beim DFB noch mitgeteilt: "Der kommende Spieltag wird zeigen, ob wieder zu einer Art Fußballalltag zurückgekehrt werden wird." Das klang nach einer schnellen Versöhnung - die aber liegt offenbar immer noch in weiter Ferne.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. März 2020 um 10:55 Uhr.

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