Abdeslam in Belgien verurteilt | Bildquelle: dpa

Urteil in Belgien 20 Jahre Haft für Abdeslam

Stand: 23.04.2018 10:55 Uhr

Der mutmaßliche Paris-Attentäter Abdeslam ist in Belgien wegen Schüssen auf Polizisten zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Die Richterin erklärte, er sei des versuchten terroristischen Mordes schuldig.

Ein belgisches Gericht hat den einzigen überlebenden Tatverdächtigen der islamistischen Anschläge von Paris zu 20 Jahren Haft verurteilt. Salah Abdeslam wurde wegen versuchten terroristischen Mordes an Polizisten in Brüssel 2016 in erster Instanz für schuldig gesprochen. Aus dem gleichen Grund muss sein Komplize Sofien Ayari 20 Jahre hinter Gitter. Wegen der besonderen Schwere des Verbrechens sei eine besonders harte Strafe erforderlich und angemessen, erklärte die Richterin.

In dem Prozess ging es um eine Schießerei mit der Polizei in Brüssel. Mitte März 2016 hatten Ermittler in dem Brüsseler Vorort Forest ein Versteck der Terrorzelle ausfindig gemacht, die sie für die Anschläge von Paris und Brüssel verantwortlich machen. Als sie die Tür aufbrechen wollten, wurde von innen auf sie geschossen. Dabei wurden drei Polizisten verletzt. Ein mutmaßlicher Attentäter wurde getötet, zwei weitere Verdächtige - Abdeslam und Ayari - konnten fliehen. Erst drei Tage später wurden sie im Brüsseler Problemviertel Molenbeek gefasst.

Islamist Salah Abdeslam zu 20 Jahren Haft verurteilt
tagesschau 20:00 Uhr, 23.04.2018, Michael Grytz, ARD Brüssel

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Die beiden Islamisten wurden in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter auch illegaler Waffenbesitz. Dass von Abdeslam keine Fingerabdrücke an der aufgefundenen Tatwaffe - einem Kalaschnikow-Sturmgewehr - festgestellt werden konnten, hielt die Richterin nicht für strafmildernd. Dagegen sah sie es als erwiesen an, dass der 28-Jährige Islamist an der Schießerei teilnahm und vorhatte, Polizisten zu töten, um sich der drohenden Festnahme zu entziehen. Fast zwei Stunden brauchte die Richterin, um die gesamte Urteilsbegründung zu verlesen. Gerichtspräsident Luc Hennart sprach von einem "technisch komplizierten Verfahren", das aber alle wichtigen Fragen beantwortet habe.

Abdeslams Verteidiger Sven Mary, der auf Freispruch wegen Verfahrensfehlern plädiert hatte, er werde mit seinem Mandanten beraten, ob dieser in Berufung gehen wolle.

Bei Urteilsverkündung abwesend

Abdeslam erschien, genau wie der zweite Angeklagte Ayari, zur Urteilsverkündung nicht vor Gericht. Bereits zuvor hatten die Islamisten bei vielen Verhandlungstagen gefehlt. Wenn sie zugegen waren, hatten sie geschwiegen und keine Fragen des Gerichts beantwortet. Viele Angehörige empfanden Abdeslams Schweigen als Provokation. "Er ist respektlos, das ist schmerzhaft", sagte der Vater eines Opfers.

Nach dem Schuldspruch zeigte sich ein Vertreter der Opfervereinigung "V-Europe", der bei den Anschlägen vom 22. März seine Schwester verlor, mit dem Urteil zufrieden. Dass die Angeklagten jeweils die Höchststrafe bekommen hätten, sei sehr wichtig. Zudem sei festgestellt worden, dass es eine Verbindung zwischen allen drei Tatorten gab.

Menschen legen vor dem Bataclan Blumen nieder.
galerie

Abdeslam soll mit verantwortlich sein für den Anschlag auf den Club Bataclan in Paris.

Das Gericht geht davon aus, dass beide, sowie der getötete dritte Brüsseler Komplize, zu jener Islamistenzelle gehörten, die im November 2015 die Attentate von Paris verübte und im März 2016 auch in Brüssel zuschlug. Bei den Anschlägen von Paris kamen 130, bei denen von Brüssel 32 Menschen ums Leben.

Separates Verfahren in Frankreich

Abdeslam sitzt wegen der Pariser Attentate in Frankreich in Untersuchungshaft. Der 28-jährige Franzose mit marokkanischen Wurzeln muss sich für seine Beteiligung an den Anschlägen zu einem späteren Zeitpunkt in Frankreich vor Gericht verantworten. Dabei droht ihm lebenslange Haft. Wann das Verfahren stattfindet, ist noch offen. Auch für den geplanten Terrorprozess in Brüssel gibt es noch keinen Termin.

Mit Informationen von Holger Romann und Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Salah Abdeslam zu 20 Jahren Haft verurteilt
Karin Bensch, ARD Brüssel
23.04.2018 16:22 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. April 2018 um 10:44 Uhr.

Darstellung: