Salah Abdeslam  | Bildquelle: dpa

Mutmaßlicher Paris-Attentäter Ein Urteil ohne den Angeklagten

Stand: 23.04.2018 04:58 Uhr

Salah Abdeslam soll 2015 einer der Paris-Attentäter gewesen sein. Beim Prozess in Belgien geht es aber erst einmal um Schüsse auf Polizisten bei einer Razzia. Heute soll in Brüssel das Urteil fallen.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Er ist der einzige überlebende Tatverdächtige der Pariser Terroranschläge vom November 2015: Salah Abdeslam. Der 28-jährige Franzose mit marokkanischen Wurzeln soll auch Mitglied der Terrorzelle gewesen sein, die die Brüsseler Attentate vor zwei Jahren beging. Heute wird das Urteil gesprochen. Abdeslam wird wohl nicht im Gerichtssaal sein.

In dem Prozess, der Anfang Februar begann, geht es allerdings nicht um die Anschläge von Paris und Brüssel, stellte Gerichtsvorsteher Luc Hennart klar. Es geht um eine Schießerei mit der Polizei in Brüssel.

Abdeslam vor Gericht | Bildquelle: dpa
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Abdeslam schwieg bislang vor Gericht.

Spuren deuten auf Abdeslam hin

Mitte März 2016 hatten Ermittler in einem Brüsseler Vorort ein Versteck der Terrorzelle ausfindig gemacht. Als sie die Tür aufbrechen wollten, wurde von innen auf sie geschossen. Dabei wurden drei Polizisten verletzt. Ein mutmaßlicher Attentäter wurde getötet, zwei weitere Verdächtige konnten fliehen. Bei ihnen handelt es sich offenbar um Abdeslam und seinen Komplizen Sofien Ayari. Beide stehen vor Gericht.

In dem Haus wurden eine Kalaschnikow, eine IS-Flagge und ein Glas mit den Fingerabdrücken Abdeslams gefunden. Drei Tage später wurden er und sein mutmaßlicher Komplize im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gefasst.

Weitere vier Tage später schlugen Selbstmordattentäter in Brüssel zu - am Flughafen und in der U-Bahn. Auch an der Vorbereitung dieser Attentate soll Abdeslam beteiligt gewesen sein.

Komplize räumte IS-Bezug ein

Vor Gericht machte der mutmaßliche Komplize ausführliche Angaben und räumte Verbindungen zur Terrorgruppe IS ein. Die eigentlichen Tatvorwürfe bestritt er jedoch. Er hatte ausgesagt, der dritte Mitstreiter, der bei der Schießerei ums Leben gekommen war, habe auf die Polizisten geschossen.

Abdeslam war nur zum Prozessbeginn im Brüsseler Gerichtssaal anwesend. Dabei trug er eine graue Jacke, einen Bart und längere, zurückgekämmte Haare. Er stand nicht auf, als die Richter den Saal betraten und antwortete auch nicht auf Fragen, die ihm gestellt wurden.

Abdeslam schweigt

Abdeslam sagte lediglich, er habe keine Angst und vertraue auf Allah. Anschließend las er eine kurze Erklärung vor: "Ich schweige - und mein Schweigen macht mich weder zum Schuldigen noch zum Kriminellen. Es gibt wissenschaftliche Beweise in der Akte. Ich möchte aufgrund dieser Fakten beurteilt werden."

An den weiteren Verhandlungstagen nahm der Hauptangeklagte nicht mehr Teil, lediglich sein Anwalt erschien. Nach belgischem Recht ist das erlaubt. Viele Angehörige empfinden Abdeslams Schweigen als Provokation. "Er ist respektlos, das ist schmerzhaft", sagte der Vater eines Opfers.

Noch kein Prozess wegen Brüsseler Anschläge

Salah Abdeslam und seinem mutmaßlichen Komplizen werden wegen der Schießerei in Brüssel versuchter Polizistenmord, Waffenbesitz und terroristische Aktivitäten vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft hat die Höchststrafe von 20 Jahren Haft gefordert. Der Verteidiger plädierte wegen Verfahrensfehlern auf Straffreiheit.

Der entscheidende Prozess wegen der Terroranschläge in Brüssel steht noch aus.

Urteil im Fall Abdeslam - Schießerei mit Brüsseler Polizei
KarinBensch, ARD Brüssel
23.04.2018 00:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. April 2018 um 04:00 Uhr.

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