Jordaniens König Abdullah II. im Mai 2019. | Bildquelle: AFP

König Abdullah II. in Berlin Jordanien und der Wert von Loyalität

Stand: 17.09.2019 06:51 Uhr

Sicherer Ort für Hunderttausende Flüchtlinge, Vermittler zwischen streitenden Ländern: Jordanien hat eine besondere Rolle im Nahen Osten. Das weiß auch Deutschland. Heute ist König Abdullah II. zu Besuch in Berlin.

Von Björn Blaschke, ARD-Hörfunkstudio Kairo

"Eingequetscht zwischen Hammer und Amboss…" - so beschrieb König Abdullah II. von Jordanien einmal die Position seines kleinen Reiches im Nahen Osten. Die geografische Lage Jordaniens macht deutlich, was der Monarch damit meinte: Jordanien grenzt an den Irak, Syrien, Saudi-Arabien, Israel und die Palästinensergebiete. Das heißt auch, dass sich Jordanien inmitten der andauernden Konflikte der Region befindet.

Und alles, was in seinen Nachbarländern passiert, hat unmittelbare Auswirkungen auf das Königreich und seine Bewohner: Israels Palästinenser-Politik; der Krieg in Syrien und die vielen Menschen, die vor dem Konflikt geflohen sind; der Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS); die Spannungen zwischen einerseits Iran und andererseits den USA und Saudi-Arabien.

Karte mit Jordanien, Hauptstadt Amman, Libanon, Syrien, Irak, Israel, Ägypten, Saudi-Arabien, Westjordanland
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Jordanien und seine Nachbarn.

Das sind auch Themen, die Kanzlerin Angela Merkel und König Abdullah II. von Jordanien zu besprechen haben. Dabei schätzt die Bundesregierung König Abdullah II. für dessen ausgleichende Politik. Zum Beispiel im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.

Klare Worte gegen Netanyahus Ankündigung

Vergangene Woche hatte Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu mit einer Ankündigung Aufsehen erregt: Sollte er bei den heutigen Wahlen gewinnen, wolle er Teile des Westjordanlandes annektieren. Das Gebiet beanspruchen die Palästinenser für ihren künftigen Staat, und es grenzt an Jordanien.

Der Außenminister des Königreiches, Ajman al-Safadi machte die offizielle Haltung des Königreiches zu Netanyahus Ankündigung klar: "Das wird nicht nur die Zwei-Staaten-Lösung untergraben, die die ganze Welt als einzigen Weg zur Lösung des Konflikts betrachtet, es wird den gesamten Friedensprozess töten."

Aufnahme von 650.000 syrischen Flüchtlingen

Jordanien ging 1994 einen Friedensvertrag mit Israel ein und unterhält seitdem relativ normale Beziehungen zu den wechselnden Führungen in Jerusalem. Gleichzeitig war die Verurteilung der Ankündigung Netanyahus innenpolitisch notwendig: Mehr als die Hälfte der etwa zehn Millionen Einwohner Jordaniens haben ihre Wurzeln in dem Gebiet, das Netanyahu "israelisieren" will. Die Palästinenser kamen in mehreren Flüchtlingswellen seit der Staatsgründung Israels 1948.

Jordanien ist auch zu einem Fluchtpunkt für Menschen geworden, die seit Beginn des Krieges 2011 Syrien verlassen haben. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes nahm Jordanien mehr als 650.000 Syrer auf.

Syrische Flüchtlinge in Jordanien
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Syrische Flüchtlinge im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien. Seit 2011 sind Hunderttausende Syrer nach Jordanien geflohen. (Archivbild)

Reich an Menschen, aber wenig Geld

Während eines Besuches in Jordanien vor einem Jahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel König Abdullah Hilfe bei der Versorgung von Flüchtlingen und Wirtschaftsreformen zugesichert. Zusätzlich zur deutschen Entwicklungsunterstützung in Höhe von 384 Millionen Euro sagte Merkel einen Finanzkredit in Höhe von rund 87 Millionen Euro zu, um Jordanien die Umsetzung der vom Internationalen Währungsfonds verordneten Reformen zu erleichtern. Denn: Jordanien ist unter den Monarchien der arabischen Welt zwar recht reich an Menschen, hat aber mangels Ölressourcen nur wenig Geld.

Die deutschen Hilfen gehen sicherlich auch nach Jordanien, um zu honorieren, dass deutsche Aufklärungstornados auf der Basis in Azraq stationiert sind, um den Kampf gegen den IS zu unterstützen.

Vermittler in Zeiten des Streits

Jordanien setzt insgesamt mehr auf Diplomatie und humanitäre Hilfe als auf Konfrontation. Das zeigt sich auch im Verhältnis zu Saudi-Arabien: Jordanien hat sich aus der Militär-Koalition zurückgezogen, die das Königshaus in Riad gegen die aufständischen Huthis im Jemen geschmiedet hat. Dafür hat Jordanien Anfang dieses Jahres Friedensgespräche zwischen den Houthis und der Regierungsseite um Abd-Rabuh Mansour Hadi ausgerichtet, die zu einem Gefangenenaustausch führten.

An der Blockade Katars, die von Saudi-Arabien wegen der angeblichen Unterstützung von Terroristen aus Doha initiiert wurde, ist Jordanien formell beteiligt. Aber anders als Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Ägypten hat Jordanien die Beziehungen zu Doha nicht komplett abgebrochen. Die diplomatischen Kanäle sind nach wie vor offen.

Abkühlung im Verhältnis zu Saudi-Arabien

Auch zwischen Teheran und Jordanien herrscht keine "Funkstille". Jordanien hat viel mehr immer wieder Besonnenheit gefordert - auf Seiten der USA und auf Seiten Irans. Die jordanische Führung warnte zudem, dass die einseitige Aufkündigung des Atom-Abkommens durch die USA zu einem Wettrüsten in der Region führen könne.

Jordaniens Zurückhaltung in Sachen Jemen, Katar und Iran hat zu einer Abkühlung im Verhältnis zu Saudi-Arabien geführt. Und dennoch erhält Jordanien regelmäßig Finanzspritzen vom Königshaus in Riad, König Abdullah II. von Jordanien bleibt als Monarch in der Gruppe der arabischen Royals.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. September 2019 um 15:00 Uhr.

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