Absturzstelle der Ethiopian-Airlines-Maschine | Bildquelle: REUTERS

Ethiopian-Airlines-Absturz "Wie unter die Erde getaucht"

Stand: 11.03.2019 11:55 Uhr

Das Auswärtige Amt hat bestätigt, dass bei dem Flugzeugunglück in Äthiopien auch fünf Deutsche getötet wurden. An der Unfallstelle bergen Helfer die Trümmer der Boeing - die Black Box wurde gefunden.

Von Linda Staude, ARD-Studio Nairobi

Die Erde ist schwarz und verbrannt. Nicht weit von den Häusern eines kleinen Dorfes bei der Stadt Bishoftu in Äthiopien liegen kleine Flugzeugteile, Gepäckstücke, Kleidung und einzelne Schuhe in den Feldern. "Es sieht hier so aus, als wäre die Maschine unter die Erde getaucht. Die Flügel sind abgebrochen und überall verstreut", sagt Wang Guanghui.

Er arbeitet für die chinesische Eisenbahnfirma, die in Äthiopien eine neue Bahnlinie baut. Die äthiopischen Behörden haben ihn und seine Bauarbeiter um Hilfe bei der Such- und Rettungsoperation nach dem Absturz einer Passagiermaschine von Ehtiopian Airlines gebeten. "Die Leute von der Fluggesellschaft haben gesagt, der Rumpf ist in diesem Loch begraben. Im Moment graben wir, um herauszufinden, was passiert ist", berichtet Guanghui.

"Wir sind hier angekommen und haben diese ganzen verstreuten Teile gefunden. Es ist ein trauriger Ort. Der Absturz hat einen tiefen Krater hinterlassen. Wir müssen in diesem Krater graben, um uns ein Bild von der Lage zu machen."

Absturzstelle der Ethiopian-Airlines-Maschine | Bildquelle: REUTERS
galerie

Absturzstelle der Ethiopian-Airlines-Maschine. Auf dem Feld liegen Flügelteile und persönliche Gegenstände herum.

Fünf Deutsche unter den Opfern

Schweres Baugerät muss nun über die unbefestigten Straßen herangeschafft werden. In der Zwischenzeit bergen die Rettungskräfte erste Überreste der 157 Todesopfer. Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed wandte sich in einer Fernsehansprache an ihre Angehörigen. "Die Regierung Äthiopiens möchte ihre Trauer ausdrücken gegenüber den Familien, Angehörigen und Freunden der äthiopischen Staatsbürger und der Passagiere vieler anderer Nationen, die ihr Leben verloren haben, während sie mit unserer Airline geflogen sind. Ich versichere Ihnen, dass wir sie über jede neue Entwicklung auf dem Laufenden halten werden."

Die Vereinten Nationen haben mitgeteilt, dass mindestens 19 Mitarbeiter verschiedener UN-Organisationen an Bord des Ethiopian Airlines-Fluges nach Nairobi starben. Das Auswärtige Amt bestätigte, dass fünf deutsche Staatsbürger unter den Todesopfern sind.

Maschine Anfang Februar untersucht

Helfer haben an der Absturzstelle mittlerweile den Flugschreiber und die Black Box zur Aufzeichnung der Cockpitgespräche gefunden. Beide seien stark beschädigt. "Wir werden sehen, was wir herausholen können", sagte ein Mitarbeiter von Ethiopian Airlines. Die Blackboxes sind so robust gebaut, dass sie normalerweise auch ein Unglück überstehen sollten.

Tewolde Gebremariam, der Chef der Fluggesellschaft, sagte auf einer Pressekonferenz, dass der Pilot ein erfahrener Mann war. "Das Flugzeug ist erst am 4. Februar dieses Jahres durchgecheckt worden. Es war neu und völlig in Ordnung", versichert er. "Wir sind sehr erschüttert über den Verlust des Lebens unserer Passagiere und beten, dass Gott ihren Freunden, Verwandten und Familien Trost bringt."

Die Unglücksmaschine war eine Boeing 737 Max 8, die der Flugzeugbauer erst vor gut zwei Jahren auf den Markt gebracht hat. Es ist bereits der zweite Absturz einer fast brandneuen Maschine dieses Typs in einem knappen halben Jahr. Obwohl es keine Bestätigung gibt, dass die beiden Unfälle die gleiche Ursache haben, gibt es eine Debatte über die Sicherheit des Flugzeugs.

Boeing hat angekündigt, eigene Experten nach Äthiopien zu schicken, um bei der Aufklärung der Absturzursache zu helfen. Ethiopian Airlines hat unterdessen beschlossen, alle Maschinen dieses Typs bis auf weitere am Boden zu lassen. Und auch China will seine zivilen Airlines die 737 Max 8 erst wieder fliegen lassen, wenn die Sicherheitsbedenken ausgeräumt sind.

Über dieses Thema berichteten am 11. März 2019 Inforadio um 08:21 Uhr und Deutschlandfunk um 08:38 Uhr.

Darstellung: