Die israelische Abgrenzung zum Westjordanland, mit der palästinensischen Stadt Abu Dis im Hintergrund. | Bildquelle: REUTERS

Palästinensische Stadt Abu Dis "Trump hat keine Ahnung von unserer Gegend"

Stand: 05.02.2020 02:16 Uhr

US-Präsident Trump will Abu Dis, einen Vorort Jerusalems, zur palästinensischen Hauptstadt machen. So jedenfalls steht es in seinem auserkorenen Friedensplan. In Abu Dis kommt das nicht gut an.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Eine Baustelle in Abu Dis. Die Bauarbeiter haben natürlich mitbekommen, was im Nahost-Plan von Präsident Donald Trump steht. Dass hier die Hauptstadt Palästinas entstehen könnte. Während ganz Jerusalem die Hauptstadt Israels sein soll. Die Männer sind sich einig: Diesen Plan lehnen sie ab.

"Trump repräsentiert uns nicht", sagt ein älterer Mann. "Wenn er will, kann er ihnen ja New York oder Washington als Hauptstadt geben. Aber nicht etwas, das uns gehört."

Washington, D.C., vor einer Woche. In seiner Rede sorgte US-Präsident Trump kurzzeitig für Verwirrung. Erst sagte er, dass Jerusalem die ungeteilte Hauptstadt Israels bleibe. Dann stellte er den Palästinensern eine Hauptstadt im "östlichen Jerusalem" in Aussicht. Dort würden die USA voller Stolz eine Botschaft eröffnen.

Palästinenser sollen auf Vororte Jerusalems ausweichen

Das klang wie ein Widerspruch. Aber Trump sagte "östliches Jerusalem". Was er damit meint, steht im sogenannten Friedensplan: Die Palästinenser sollen auf Vororte von Jerusalem ausweichen. Darunter Abu Dis.

Auf einem Dach der Al-Quds-Universität in Abu Dis bekommt man einen guten Überblick. Der Felsendom in der Altstadt von Jerusalem und der Ölberg wirken zum Greifen nahe. Doch dazwischen liegt eine massive und hohe Betonmauer. Gebaut vor etwa 15 Jahren, was Israel mit dem Schutz vor Terroranschlägen begründete. Um nach Jerusalem zu gelangen, müssen die Bewohner einen Umweg von etwa 15 Kilometern in Kauf nehmen und einen von Israel kontrollierten Übergang passieren.

"Früher brauchte ich fünf Minuten nach Jerusalem", sagt Ahmed Abu Hilal, der Bürgermeister von Abu Dis. "Heute brauche ich 45 Minuten bis eine Stunde. Diese Mauer erdrückt uns. Jerusalem ist sehr wichtig für unsere Wirtschaft, unsere Gesundheit. Dort gibt es alles."

Abu Dis aus palästinensischer Sicht Teil einer Lösung

Der Bürgermeister findet, dass Jerusalem geteilt werden sollte. Der Westteil für Israel. Der Ostteil für Palästina. Dass Abu Dis eines Tages Teil der palästinensischen Hauptstadt werden soll, ist für die Palästinenser noch immer denkbar. Einst bauten sie dort sogar ein Parlament, das heute eine Bauruine ist. Doch Abu Dis ohne Ostjerusalem und mit Mauer: Das ist für den Bürgermeister der Stadt völlig undenkbar.

"Mein Herz geht nach Jerusalem. Auf die andere Seite der Mauer. Die Luft, die ich einatme kommt aus Jerusalem. Wir lehnen es ab, die alleinige Hauptstadt Palästinas zu sein. Die Hauptstadt Palästinas ist Jerusalem."

Die Hauptstadt Palästinas, so steht es im Plan von Donald Trump, könne Al Quds genannt werden. Al Quds ist schon jetzt der arabische Name für Jerusalem.

"Herr Trump", sagt der Bürgermeister, "hat keine Ahnung von unserer Gegend."

Hauptstadt Palästinas? Ein Besuch in Abu Dis
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
05.02.2020 00:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Februar 2020 um 05:23 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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