Soldaten der Unamid-Mission in Darfur beobachten Menschen, die gegen das Ende der Mission protestieren. | Bildquelle: AFP

Ende der Friedensmission UN-Blauhelme ziehen aus Darfur ab

Stand: 31.12.2020 18:57 Uhr

Heute endet die Friedensmission in Darfur. Seit 2007 waren internationale Truppen in der Region, um einen brutalen Konflikt zu beenden. Die Gewalt von damals ist hierzulande beinahe vergessen - vor Ort sorgt der Abzug aber für große Sorge.

Die Vereinten Nationen (UN) beenden um Mitternacht ihre Friedensmission in der sudanesischen Unruheregion Darfur (Unamid). Damit gehe die "Verantwortung für den Schutz von Zivilisten" an die Regierung des Sudans über, hieß es in einer Unamid-Erklärung. Die gemeinsame Mission von UN und Afrikanischer Union (AU) war 13 Jahre lang in Darfur aktiv.

Der UN-Sicherheitsrat hatte sich erst vor gut einer Woche auf die Einstellung der Mission zum 31. Dezember geeinigt, nachdem die sudanesische Übergangsregierung darum gebeten und nachdem Rebellengruppen und die Regierung Anfang Oktober ein Friedensabkommen unterzeichnet hatten. Auch die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union hatten sich für diesen Schritt ausgesprochen.

Mit dem Abzug von Personal und Ausrüstung soll gemäß der Resolution am Freitag begonnen werden. Abgeschlossen soll er am 30. Juni 2021 sein.

Soldaten der Unamid-Mission in Darfur sitzen auf der Ladefläche eines Fahrzeugs. | Bildquelle: AFP
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Nach 13 Jahren endet die gemeinsame Mission von UN und Afrikanischer Union. Bis Mitte 2021 soll der Abzug abgeschlossen sein.

Milizen gingen brutal gegen Zivilisten vor

Auf dem Höhepunkt der Unamid-Mission waren 16.000 Blauhelme in Darfur stationiert, inzwischen sind es noch etwa 8000 UN-Soldaten. In der Region im Westen des Sudan war im Jahr 2003 ein blutiger Konflikt zwischen Rebellengruppen und der Armee unter dem damaligen Präsidenten Omar al-Baschir ausgebrochen, bei dem nach UN-Schätzungen etwa 300.000 Menschen getötet wurden. 2,5 Millionen Menschen wurden vertrieben.

"Völkermord, das Niederbrennen ganzer Siedlungen, Vergewaltigungen von Frauen und minderjährigen Mädchen, dazu all die hässlichen Dinge, die in den Flüchtlingslagern geschahen", fasste Musa Adam, der in einem Flüchtlingscamp im Süden von Darfur lebt, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP den Krieg in Darfur zusammen.

Der Konflikt in der Region hatte zuvor schon länger geschwelt. Damals wurde Wasser immer knapper, ebenso das Weideland. Arabischstämmige Nomaden stritten sich mit sesshaften Bauern um die Ressourcen. Als sich die nichtarabischen Darfuris schließlich erhoben, setzte die Regierung arabischstämmige Milizen gegen sie ein, die von der Armee und der Luftwaffe unterstützt wurden.

Zu den Milizen gehörten die gefürchteten Janjaweed-Reiter, die besonders brutal vor allem gegen Zivilisten vorgingen. 2009 und 2010 erließ der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag zwei Haftbefehle gegen al-Baschir, unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes in Darfur.

Übergangsregierung schließt Friedensabkommen

Nach dem Sturz des Präsidenten im April 2019 schien plötzlich eine Friedenslösung möglich. Abdalla Hamdok, der neue Ministerpräsident, besuchte Ende 2019 Darfur und sprach auf einer Kundgebung. "Lasst uns gemeinsam Frieden in Darfur schaffen", sagte er damals. "Wir haben Euren Vertretern aufmerksam zugehört, und ich verspreche Euch, dass die Übergangsregierung Eure Forderungen ernstnehmen wird."

Vor knapp drei Monaten unterzeichneten die Übergangsregierung und mehrere sudanesische Rebellengruppen - unter anderem aus Darfur - schließlich ein Friedensabkommen. Man werde das Abkommen in allen Punkten umsetzen, der Krieg sei zu Ende, versicherte nach der Unterzeichnung Abdel Fattah al-Burhan, Armeegeneral und Vorsitzender des sogenannten Souveränen Rates des Landes. Unter anderem deshalb beschloss der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die Friedensmission nicht mehr zu verlängern.

Sorge vor dem Sicherheitsvakuum

Nicht alle begrüßen jedoch das Ende der Blauhelmmission. iele Bewohner der Region fürchten ein Wiederaufflammen der Gewalt nach dem Unamid-Abzug. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte vor einem Sicherheitsvakuum in Darfur. Vor dem Hauptquartier der UN-Mission in Nyala demonstrierten Menschen gegen den Abzug der Blauhelme.

Seit einigen Jahren herrscht in Darfur relative Ruhe. In den vergangenen Wochen gab es aber immer wieder Gefechte und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Gruppierungen sowie zwischen arabischen Nomaden und Bauern, zuletzt vor wenigen Tagen im Süden der Region. Mindestens 15 Menschen wurden dabei getötet.

Außerdem haben nicht alle Rebellengruppen das Abkommen unterzeichnet. Die Übergangsregierung will für Sicherheit sorgen, aber das Misstrauen der Menschen in Darfur ist groß.

Mit Informationen von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo, zzt. Berlin

Sudan: UN-Blauhelme verlassen Darfur
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
31.12.2020 18:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Dezember 2020 um 17:22 Uhr.

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