Ausschreitungen in Kairo am Rande eines Fußballspiels

Trauer um tote Fußballfans in Ägypten Spielpause nach den Krawallen

Stand: 09.02.2015 11:58 Uhr

In Ägypten sind vorerst alle Fußballspiele abgesagt. Damit zieht das Land erste Konsequenzen aus den erneuten Krawallen am Rande einer Partie in Kairo. Dabei waren am Sonntag mindestens 19 Menschen getötet worden.

Nach den tödlichen Fankrawallen in Kairo hat die ägyptische Regierung vorläufig den gesamten Spielbetrieb ausgesetzt. Bei den Ausschreitungen am Rande des Fußballspiels zwischen den beiden rivalisierenden Klubs Samalek und ENPPI waren mindestens 19 Menschen getötet worden. Örtliche Medien berichten sogar von bis zu 30 Toten. Für die Opfer der Krawalle gelte eine dreitägige Trauer, teilte der Fußballverband des Landes mit.

Nach Angaben des Innenministeriums hatten sich Tausende Samalek-Fans, die keine Tickets besaßen, Zugang zu dem Stadion verschaffen wollen. Sicherheitskräfte hinderten sie daran. Danach kam es offenbar zu einer Massenpanik.

Feuerwehrleute löschen vor dem Stadion ein brennendes Fahrzeug.
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Feuerwehrleute löschen vor dem Stadion ein brennendes Fahrzeug.

Nur ein Stadiontor geöffnet?

Samalek-Fans schrieben in sozialen Netzwerken dagegen, dass die Sicherheitskräfte für die Krawalle verantwortlich seien: Die Behörden hätten lediglich ein Tor geöffnet, um die Zuschauer ins Stadion zu lassen. Die Polizei habe mit Tränengas und Schrot auf die Fans geschossen.

Murtada Mansur, Chef des Samalek-Teams, warf jedoch den Fans vor, die Gewalt provoziert zu haben. Mansur sagte, die Gewalt sei bewusst herbeigeführt worden, um die geplanten Parlamentswahlen zu vereiteln. Die Polizei sei nicht schuld an der Eskalation. Er gilt als Unterstützer von Präsident Abdel Fattah Al Sisi.

Es waren die schwersten Ausschreitungen bei einem Fußballspiel in Ägypten seit Februar 2012. Damals waren nach einem Spiel in Port Said 74 Menschen gestorben. Erst vor wenigen Wochen war ein zweijähriges Zuschauerverbot für Erstliga-Spiele von den ägyptischen Behörden aufgehoben worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Februar 2015 um 09:00 Uhr.

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