Sendungsbild

Nach Tod von Sänger Viele Tote bei Protesten in Äthiopien

Stand: 02.07.2020 13:31 Uhr

Am Montag war der prominente Sänger Hachalu Hundessa in Äthiopiens Hauptstadt erschossen worden. Seitdem erschüttern Unruhen das Land, mehr als 90 Menschen starben. Hintergrund sind ethnische Spannungen in dem Vielvölkerstaat.

Bei Protesten nach der Ermordung eines beliebten Sängers sind in Äthiopien binnen zwei Tagen mindestens 91 Menschen getötet worden.

Der Musiker und Aktivist Hachalu Hundessa, der sich für die ethnische Gruppe der Oromo eingesetzt hatte, war am Montagabend in der Hauptstadt Addis Abeba ermordet worden. Er wurde in seinem Auto angeschossen und erlag wenig später seinen Verletzungen.

Nach dem Tod des Sängers brachen in mehreren Städten Unruhen los - sie sind Ausdruck ethnischer Spannungen, die im Vielvölkerstaat Äthiopien immer wieder aufflammen. Gewalttätige Ausschreitungen gab es vor allem in Hachalus Heimatstadt Ambo.

In der Region Oromia seien mindestens 81 Menschen ums Leben gekommen, zitierte die regierungsparteinahe Nachrichtenseite Walta Info den Polizeichef der Region. Zudem seien in Addis Abeba zehn Leute getötet worden, darunter zwei Polizisten, sagte der Polizeichef der Hauptstadt im staatlichen Fernsehen.

Bei einem Anschlag mit einer Handgranate auf das Haus von Hachalus Familie wurden den Angaben zufolge ein Onkel des Sängers getötet und zwei Polizisten verletzt.

Auch die Oroma-Diaspora im US-Bundesstaat Minnesota hielt anlässlich der Proteste Straßenkundgebungen ab. | Bildquelle: AP
galerie

Auch die Oroma-Diaspora im US-Bundesstaat Minnesota hielt anlässlich der Proteste Straßenkundgebungen ab.

Beisetzung Hachalus in Ambo

Hachalu wurde heute in Ambo beerdigt. Eine kleine Menschenmenge nahm an der Zeremonie teil, wie im staatlichen Fernsehen zu sehen war.

Zuvor hatten Vertreter der Oromo gefordert, Hachalus in der Hauptstadt Addis Abeba zu beerdigen - denn historisch gesehen war Addis Abeba ein Zentrum der Oromo-Kultur. In diesem Zusammenhang wurden mehrere Menschen festgenommen - darunter der bekannte Oppositionspolitiker Jawar Mohammed zusammen mit 34 Unterstützern. Der einstige Medienmogul gehört ebenfalls der Volksgruppe der Oromo an und hatte nach Polizeiangaben versucht, Hachalus Leichnam abzufangen und in die Hauptstadt zu bringen.

Nach Angaben von Mohammeds Partei eröffneten Sicherheitskräfte in der Stadt Holeta das Feuer auf Demonstranten, die Mohammeds Freilassung forderten. 

Fernsehbilder des Senders OBN zeigen, wie der Sarg des getöteten Sängers Hachalu Hundessa in seiner Heimatstadt getragen wird. | Bildquelle: via REUTERS
galerie

Fernsehbilder des Senders OBN zeigen, wie der Sarg des getöteten Sängers Hachalu Hundessa in seiner Heimatstadt getragen wird.

Human Rights Watch kritisiert Sicherheitskräfte

Als Reaktion auf die Unruhen kappte die äthiopische Regierung am Dienstag alle Internetverbindungen im Land - auch derzeit ist das Internet in Teilen Äthiopiens abgeschaltet.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte das Verhalten der Sicherheitskräfte gegenüber den Demonstranten scharf. "Die Reaktion der Regierung auf die Proteste droht seit langem, schwellende Spannungen zu verschärfen", hieß es in einer Erklärung.

Hachalus Lieder - Stimme der Oromo

Hachalu war seit seiner Jugend politisch aktiv und saß mehrere Jahre im Gefängnis. Seine Lieder, die mehr Rechte für die Oromo einforderten, waren 2018 zu Hymnen der Protestbewegung gegen den früheren Regierungschef Hailemariam Desalegn geworden. Die Proteste zwangen Hailemariam schließlich zum Rücktritt.

Sein Amtsnachfolger Abiy Ahmed, der selbst Oromo ist, erhielt vergangenes Jahr den Friedensnobelpreis. Dennoch halten die Konflikte zwischen den Ethnien in Äthiopien weiter an.

Äthiopien: Proteste nach Tod eines prominenten Sängers eskalieren
Antje Diekhans, ARD Nairobi
02.07.2020 07:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 03. Juli 2020 um 11:47 Uhr.

Darstellung: