Zerstörungen im afghanischen Ghazni ( Archivbild August 2018) | Bildquelle: SAYED MUSTAFA/EPA-EFE/REX/Shutte

UN-Bericht zu Afghanistan Zahl der zivilen Opfer stark gestiegen

Stand: 08.10.2018 10:39 Uhr

Selbstmordattentäter, Autobomben oder Sprengsätze: Die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan hat nach einem UN-Bericht einen traurigen Rekord erreicht. Auch am Wochenende gab es wieder zahlreiche Tote.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Bei schweren Kämpfen mit den Taliban sind am Wochenende wieder zahlreiche afghanische Polizisten getötet worden. In der Provinz Wardak, westlich von Kabul hatten die Taliban an der Straße, die zur afghanischen Hauptstadt führt, eine Brücke in die Luft gesprengt. Anschließend habe es stundenlange Gefechte gegeben, hieß es. Die Taliban stürmten ein Regierungsgebäude und töteten mindestens zehn Polizisten. Außerdem seien Kontrollposten zerstört und Stromlinien in der Region gekappt worden.

Rufe nach mehr Hilfe von der Regierung

Ein aufgebrachter Soldat forderte mehr Hilfe von Seiten der Regierung: "Die Polizei hat viele Leute hier verloren. Als wir hier ankamen, um zu helfen, war der ganze Distrikt bereits von den Aufständischen erobert. Die Regierung tut nichts, um die Armee und die Polizei zu unterstützen. Wie soll man so einer Regierung überhaupt dienen?"

Nach Einschätzung der von der NATO geführten Ausbildungs- und Unterstützungsmission "Resolute Support", kontrollieren die Taliban etwa 14 Prozent des afghanischen Staatsgebietes. Anderen Studien zufolge können sich die Islamisten in fast 70 Prozent der Bezirke des Landes mehr oder weniger frei bewegen.

Nach einem Anschlag bei einer Wahlveranstaltung Anfang Oktober östlich von Kabul | Bildquelle: AP
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Nach einem Selbstmordanschlag bei einer Wahlveranstaltung Anfang Oktober östlich von Kabul: 13 Menschen kamen uns Leben.

Mehr als tausend tote Zivilisten seit Jahresanfang

Die Vereinten Nationen beklagen, dass die Zahl der durch Bomben und Sprengsätze verletzten oder getöteten Zivilisten in Afghanistan ein neues Rekordhoch erreicht hat. Nach einem gestern von der UN-Mission UNAMA veröffentlichten Bericht sind von Januar bis Ende September mindestens 1065 Zivilisten durch Selbstmordattentäter, Autobomben oder versteckte Sprengsätze getötet und weitere 2569 verletzt worden.

Rund die Hälfte der Opfer sei bei Anschlägen ums Leben gekommen, die gezielt gegen Zivilisten gerichtet gewesen seien, heißt es in dem Bericht.

Die Zahl der Toten und Verletzten durch Bomben und Sprengsätzen sei um rund 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Bei Selbstmordattentaten lag der Anstieg demnach sogar bei 46 Prozent.

Mehrere Tote bei Anschlag in Kabul

Auch in Kabul waren gestern Sicherheitskräfte ums Leben gekommen, als zwei Bomben explodierten. Die erste war gegen ein Militärfahrzeug gerichtet. Die zweite explodierte, nachdem Sicherheitskräfte und Rettungsdienst zum Anschlagsort gekommen waren, sagte ein Kommandeur der afghanischen Streitkräfte: "Nach der ersten Explosion kamen Polizisten aus dem zwölftem Polizeibezirk zu dem Anschlagsort und zahlreiche Schaulustige. Dann explodierte die zweite Bombe. Zwei Menschen kamen ums Leben und zehn wurden verletzt."

UN beklagt steigende Zahl ziviler Opfer durch Sprengsätze
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
08.10.2018 09:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Oktober 2018 um 10:50 Uhr.

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