Transportflugzeug A400M der Bundeswehr

Erkrankte Einsatzkräfte Per Sonderflug zurück aus Afghanistan

Stand: 01.06.2020 13:31 Uhr

Mehrere Polizeiausbilder und ein Bundeswehrsoldat sind in Afghanistan an Covid-19 erkrankt. Sie wurden nun zurückgeholt. Die Mission gerät dadurch ins Stocken. Das Gesundheitssystem des Landes ist überlastet.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Mit zwei Sonderflügen sind Bundeswehrsoldaten und deutsche Polizeiausbilder, die in Afghanistan im Einsatz waren, nach Deutschland zurückgeholt worden. Sie hatten sich dort mit dem Coronavirus infiziert oder waren mit erkrankten Kollegen in Kontakt gekommen.

Wie die Luftwaffe mitteilte, landete ein speziell ausgestatteter Airbus A400 MedEvac mit erkrankten Soldaten in der vergangenen Nacht in Köln. Fast gleichzeitig wurden Polizisten des German Police Project Teams aus Kabul und Masar-i-Scharif mit einem Charterflug nach Hause geholt.

Personal für Mission fehlt

Die deutsche Ausbildungsmission in Afghanistan gerät damit ins Stocken. Weil jetzt neun Polizisten fehlen, könne die gesicherte Unterkunft des Teams vorübergehend nicht genutzt werden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Für den Betrieb sei eine Mindestanzahl an deutschen Einsatzkräften notwendig.

In Afghanistan ist eine medizinische Versorgung im Fall einer Corona-Erkrankung kaum gewährleistet. Nach Jahrzehnten Krieg und Terror ist das Gesundheitssystem des Landes mit den Herausforderungen der Pandemie überfordert.

Überlastete Krankenhäuser

Wegen schwerer Versäumnisse eines Krankenhauses in Kabul erkrankten in der vergangenen Woche offenbar Dutzende Männer, Frauen und Kinder einer afghanischen Großfamilie an Covid-19. Drei Mitglieder seiner Familie seien gestorben, klagte Behtarin Paktiyawal einem Reporter der Nachrichtenagentur AP: "Ich habe nicht an diese Krankheit geglaubt. Ich sagte immer, das ist eine Lüge, das ist Propaganda, für mich war das alles nur Gerede. Aber dann, als mein Bruder Yousuf, meine Schwester und mein zweiter Bruder Fazel gestorben sind und wir uns alle infiziert hatten, habe ich gemerkt, wie gefährlich dieses Coronavirus ist."

Nach dem ersten Todesfall hatten sich mehrere Familienmitglieder testen lassen und auf die Ergebnisse gewartet. Als Tage später klar wurde, dass die positiven Testergebnisse im völlig überlasteten Krankenhaus liegen geblieben waren, war es bereits zu spät. Inzwischen seien mehr als 40 Mitglieder der Großfamilie, darunter Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen erkrankt, hieß es.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Insgesamt stieg die offizielle Zahl der Corona-Fälle in Afghanistan inzwischen auf deutlich über 15.000 gestiegen. Mehr als 250 Infizierte starben den Angaben zufolge. Wie das afghanische Fernsehen berichtete, waren bei einer Stichprobe des Gesundheitsministeriums mit 500 Corona-Tests unter der Bevölkerung mehr als ein Drittel der Ergebnisse positiv. Es sei deshalb damit zu rechnen, dass die Zahl nicht erkannter Infektionen sehr viel höher sei.

Gesundheitsminister Ferozuddin Feroz mahnte an, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, "sonst werden die Corona-Fälle weiter steigen und dann kommt eine sehr gefährliche Krise auf unser Land zu".

Dabei steckt das Land ohnehin in einer Krise. Die Sicherheitslage verschlechterte sich in den vergangenen Wochen trotz eines Gefangenenaustauschs mit den Taliban weiter. Der neue Leiter des afghanischen Rates für nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, gab am Wochenende bekannt, dass der innerafghanische Dialog jetzt beginnen könne. Die Delegation der Regierung für die Gespräche mit den Taliban sei komplett.

Corona infizierte deutsche Soldaten und Polizisten aus Afghanistan zurückgeholt
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
01.06.2020 12:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 01. Juni 2020 um 12:09 Uhr.

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