Das afghanische Militär kontrolliert Autos bei einer Straßensperrung | Bildquelle: WATAN YAR/EPA-EFE/REX/Shuttersto

Afghanistan Verwirrung um Geiselnahme

Stand: 20.08.2018 13:49 Uhr

Fest steht: In Afghanistan haben Taliban-Kämpfer drei Busse überfallen und mehr als 140 Passagiere verschleppt. Unklar ist, ob sie bereits wieder befreit wurden. Zentral- und Regionalregierung widersprechen sich.

Nach der Entführung von mehr als 140 Buspassagieren in Nordafghanistan gibt es unterschiedliche Angaben über ihren Verbleib. Ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul erklärte, die meisten Geiseln seien von einem Suchtrupp der afghanischen Streitkräfte befreit worden. Nun werde versucht, auch die verbliebenen Geiseln zu befreien. Laut einem weiteren Sprecher des Innenministeriums waren noch 21 Menschen in den Händen der Taliban.

Dieser Darstellung widersprachen lokale Behördenvertreter jedoch. Laut dem Polizeichef des Bezirks Chanabad wurden noch keine der Geiseln von den Taliban freigelassen oder von Regierungskräften befreit. Das Dorf, in dem die Passagiere festgehalten würden, sei unter Taliban-Kontrolle und die Sicherheitskräfte hätten dort keinen Zugriff.

Taliban übernehmen Verantwortung

Die Taliban hatten am Morgen in der nordafghanischen Provinz Kundus drei Reisebusse überfallen und die Passagiere entführt. Ein Taliban-Sprecher bestätigte, dass die radikal-islamische Miliz für die Tat verantwortlich ist. Ob bereits Geiseln befreit wurden, sagte er nicht: "So Gott will, sind manche schon entlassen worden und manche werden bleiben."

Taliban-Kämpfer errichten immer wieder Kontrollposten auf Überlandstraßen und durchsuchen Autos und Busse auf Mitarbeiter der Regierung und Sicherheitskräfte.

Ghani verkündet Waffenruhe

Erst am Sonntag hatte Afghanistans Präsident Ashraf Ghani trotz der zuletzt heftigen Kämpfe um die Stadt Ghasni eine Waffenruhe mit den Taliban angekündigt. Diese sollte mit dem islamischen Opferfest in dieser Woche beginnen und für drei Monate bis zum Geburtstag des Propheten Mohammed gelten. Wenn sich die Taliban daran hielten, könne sie auch länger dauern, hatte er erklärt. Eine offizielle Antwort der Extremisten, ob sie sich an die Waffenruhe halten wollen, steht jedoch noch aus.

Eine im Juni von Ghani angekündigte Waffenruhe wurde von den Taliban für drei Tage eingehalten, endete dann aber abrupt. Kurz darauf kam es erneut zu Gewalt. Bei Selbstmordanschlägen sowie Kämpfen zwischen Extremisten und afghanischen Soldaten wurden im ersten Halbjahr 2018 mehr als 1600 Zivilisten getötet, wie die Vereinten Nationen mitteilten. Seit dem Rückzug des Großteils der ausländischen Streitkräfte im Jahr 2014 konnten die Taliban stetig an Boden gewinnen.

Über dieses Thema berichtete am 20. August 2018 Deutschlandfunk um 14:00 Uhr und die tagesschau um 16:00 Uhr.

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