Karte: Afghanistan, Kundus, Kabul

Entführung in Afghanistan Mehr als 140 Passagiere wieder frei

Stand: 20.08.2018 17:32 Uhr

Erst widersprachen sich die Behörden, nun scheint nach dem Überfall auf drei Busse in Nordafghanistan klar: Die meisten Passagiere sind wieder frei. Noch 21 Menschen sollen sich in der Hand der Taliban befinden.

Nach der Entführung von Busreisenden in Nordafghanistan durch die radikalislamischen Taliban sind die meisten Passagiere wieder frei. 144 Menschen seien in Chanabad in der Provinz Kundus angekommen, sagte der Polizeichef der Stadt, Abdul Sahir. Die Taliban hätten sie gehen lassen. 21 Reisende sind laut Polizei weiter in den Händen der Extremisten. Ein Dutzend davon seien wohl Sicherheitskräfte, die anderen hätten sich nicht ausweisen können.

Zuvor hatte es widersprüchliche Angaben über den Verbleib der Passagiere gegeben. Ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul hatte schon früher erklärt, die meisten Geiseln seien befreit worden, dieser Darstellung hatte die lokale Polizei jedoch zunächst widersprochen.

Weiter unklar ist, wie die Passagiere freikamen und wie viele es sind. Laut Innenministerium hat ein Suchtrupp der afghanischen Streitkräfte 149 Geiseln befreit. Auch hier war von 21 Menschen die Rede, die noch in Gewalt der Taliban seien.

Verwirrung um Verbleib

Kämpfer der Miliz hatten am Morgen auf einer Überlandstraße drei Busse angehalten und in von ihnen kontrolliertes Gebiet gebracht. Ein Sprecher der Taliban sagte der Deutschen Presse-Agentur, man habe Informationen gehabt, dass sich in den Bussen Sicherheitskräfte befänden.

Immer wieder errichten Taliban-Kämpfer Kontrollposten auf Überlandstraßen und durchsuchen Fahrzeuge auf Mitarbeiter der Regierung und Sicherheitskräfte. In vielen Fällen wurden gefangen genommene Regierungsvertreter oder Soldaten und Polizisten getötet.

Beobachtern zufolge werden sie neuerdings öfter dazu aufgefordert, zu kapitulieren oder sich ihnen anzuschließen. So wollen die Taliban ihr Image in der Bevölkerung verbessern und Teile der Bevölkerung für sich gewinnen. Allerdings gibt es weiterhin Berichte über Folter und Tötungen nach Gefangennahmen.

Ghani verkündet Waffenruhe

Erst am Sonntag hatte Afghanistans Präsident Ashraf Ghani trotz der zuletzt heftigen Kämpfe um die Stadt Ghasni eine Waffenruhe mit den Taliban angekündigt. Diese sollte mit dem islamischen Opferfest in dieser Woche beginnen und für drei Monate bis zum Geburtstag des Propheten Mohammed gelten. Wenn sich die Taliban daran hielten, könne sie auch länger dauern, hatte er erklärt. Eine offizielle Antwort der Extremisten, ob sie sich an die Waffenruhe halten wollen, steht jedoch noch aus.

Eine im Juni von Ghani angekündigte Waffenruhe wurde von den Taliban für drei Tage eingehalten, endete dann aber abrupt. Kurz darauf kam es erneut zu Gewalt. Bei Selbstmordanschlägen sowie Kämpfen zwischen Extremisten und afghanischen Soldaten wurden im ersten Halbjahr 2018 mehr als 1600 Zivilisten getötet, wie die Vereinten Nationen mitteilten. Seit dem Rückzug des Großteils der ausländischen Streitkräfte im Jahr 2014 konnten die Taliban stetig an Boden gewinnen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. August 2018 um 17:00 Uhr.

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