Zwei afghanische Frauen in Burkas laufen vor einer Wand entlang. | Bildquelle: AFP

Gewalt gegen Frauen in Afghanistan Kochendes Wasser über den Kopf geschüttet

Stand: 25.11.2019 11:29 Uhr

Fast jede zweite afghanische Frau würde das Land am liebsten verlassen. Der Grund sind grausame Misshandlungen, Erniedrigungen und Unterdrückung zu Hause.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Gewalt gegen Frauen in Afghanistan hat nach Einschätzung der afghanischen Menschenrechtskommission im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Dazu gehörten sexuelle und häusliche Gewalt ebenso wie wirtschaftliche Unterdrückung und psychologische Erniedrigung, hieß es in einem Bericht, der kürzlich veröffentlicht wurde.

"Mein ganzer Körper hat furchtbar weh getan"

In dem Bericht wurden Tausende Fälle dokumentiert, vergleichbar dem Fall von Kadeja, die sich in einem Frauenhaus in der westafghanischen Stadt Herat einem Arzt anvertraute. Die junge Frau war von ihrem Ehemann grausam misshandelt worden. Kochendes Wasser hatte er ihr über den Kopf geschüttet. Die ganze Haut habe sich dadurch abgelöst, beschrieb Kadeja einer Reporterin der Nachrichtenagentur AP.

"Mein ganzer Körper hat furchtbar weh getan. Es war so schlimm, dass ich nur noch zu Gott beten konnte. Ich schrie meine Schwiegereltern an, sie sollten mich ins Krankenhaus bringen. Und als ich dort ankam, war ich bewusstlos."

Kadejas Ehemann wurde zwar vorübergehend wegen häuslicher Gewalt in Polizeigewahrsam genommen, doch nach kurzer Zeit war er wieder auf freiem Fuß und drohte seiner Frau mit einem Messer weitere Gewalt an.

"Als er mit dem Messer ankam und drei Mal auf mich einstach, floh ich zu meiner Familie. Aber die haben überhaupt kein Verständnis für mich gehabt. Sie sagten, ich hätte das Haus im Hochzeitskleid verlassen und sie würden mich nur in ein Leichentuch gehüllt zurücknehmen."

Häusliche Gewalt trotz Strafen weit verbreitet

Häusliche Gewalt gegen Frauen ist in Afghanistan weit verbreitet, obwohl es seit zehn Jahren ein Gesetz gibt, dass dies unter Strafe stellt. Erst vor einer Woche wurde bei den Vereinten Nationen in New York auf das Schicksal von Frauen in Afghanistan aufmerksam gemacht. Gerade vor dem Hintergrund der Bemühungen um eine Friedensvereinbarung und einer möglichen Beteiligung der Taliban an der Macht in Afghanistan, müssten die Rechte der Frauen stärker geschützt werden, sagte die afghanische UN-Botschafterin, Adela Raz:

"Wir sind jetzt so weit gekommen bei dem Versuch, die Rechte der Frauen in meinem Land zu schützen, um sicherzustellen, dass Frauen künftig nicht mehr zu Tode gesteinigt werden und Mädchen nicht mehr daran gehindert werden, zur Schule zu gehen und eine Ausbildung zu machen. Wir müssen das Erreichte sichern, insbesondere während des Friedensprozesses."

47 Prozent der Frauen wollen das Land verlassen

Während der Taliban-Herrschaft bis zum Jahr 2001 waren Frauen in Afghanistan fast völlig aus dem öffentlichen Leben verbannt. Frauen durften nicht arbeiten, außer zuhause, und Mädchen durften nicht zur Schule gehen.

Obwohl sich in Kabul heute schon einige junge afghanische Frauen in westlich orientierter Kleidung auf die Straße trauen, sieht man in anderen Städten noch viele Frauen unter einer Burka, einer Ganzkörper-Verhüllung, die nur einen vergitterten Sehschlitz freilässt.

Wie der afghanische Fernsehsender TOLO News berichtete, wollen nach einer Studie des US-Forschungsinstituts Gallup, mehr als 47 Prozent der befragten Frauen in Afghanistan das Land am liebsten verlassen. Die meisten hätten Deutschland als bevorzugtes Ziel angegeben.

Gewalt gegen Frauen in Afghanistan
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
25.11.2019 11:07 Uhr

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