Angriffe von Militanten in Afghanistan | Bildquelle: JAWAD JALALI/EPA-EFE/REX/Shutter

Nach Raketenangriff in Kabul Stundenlange Kämpfe beendet

Stand: 21.08.2018 19:45 Uhr

Über Stunden war die afghanische Hauptstadt Kabul von Kämpfen erschüttert worden, nachdem Angreifer Granaten auf verschiedene Ziele abgefeuert hatten. Der "Islamische Staat" beanspruchte die Attacke für sich.

Nach mehreren Stunden, in denen sich das afghanische Militär und islamistische Kämpfer in der Altstadt Kabuls Gefechte geliefert hatten, ist der Angriff laut Armee offiziell beendet. Den Kämpfen war ein Angriff mit Mörsergranaten vorausgegangen, die auf verschiedene Ziele in mehreren Stadtteilen abgefeuert worden waren, unter anderem auf das Regierungsviertel.

Dem Innenministerium zufolge hatten Terroristen am Morgen ein Gebäude im Stadtviertel Reka Chana besetzt und von dort aus die Geschosse abgefeuert. Daraufhin sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab und lieferten sich gut drei Stunden lang intensive Kämpfe mit den islamistischen Kämpfern, die sich in der Nähe der zentral gelegenen Idgah-Moschee verschanzt hatten. Auch Kampfhubschrauber der Regierung kamen zum Einsatz.

Angriffe von Militanten in Afghanistan | Bildquelle: REUTERS
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Die Armee ging mit Hubschraubern gegen die Angreifer vor. Dabei feuerte sie offenbar auch Raketen ab.

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Nach dem Raketenangriff und den Kämpfen verdunkelte Rauch den Himmel über Kabul.

Einschläge bei Ghani-Rede zu hören

Die Moschee befindet sich in der Nähe des Präsidentenpalasts, wo Staatschef Ashraf Ghani eine Rede zum Beginn des islamischen Opferfestes hielt. Während der direkt auf Facebook übertragenen Ansprache war zu sehen, wie Ghani wiederholt innehielt, während im Hintergrund mehrere Einschläge zu hören waren. Der Präsident sagte sodann: "Diese Nation wird sich diesen Raketenangriffen nicht beugen." Auch in der Nähe des Stadions von Kabul waren zahlreiche Sicherheitskräfte im Einsatz.

Zunächst machte das afghanische Militär die Taliban für die Angriffe verantwortlich. Später beanspruchte jedoch die Terrormiliz "Islamischer Staat" die Attacke für sich. Sie habe "dem Hauptquartier des Präsidenten" gegolten.

Angaben zu Angreifern schwanken

Auch nach dem Ende der Kämpfe gingen die Angaben über Verletzte oder Tote auseinander. Die Armee sprach von zwei Angreifern, die bei den Gefechten getötet worden seien. Sechs Menschen seien verletzt worden. Zunächst war von zwei Verletzten die Rede gewesen.

Die Polizei hingegen gab an, dass vier der Kämpfer festgenommen wurden. Verletzte habe es nicht gegeben. Einem Sprecher der in Afghanistan stationierten US-Truppen zufolge waren mindestens neun Angreifer an der Attacke beteiligt, vier von ihnen seien getötet worden und fünf hätten sich der afghanischen Armee ergeben.

Ghani strebt weitere Waffenruhe an

Erst am Sonntag hatte Staatschef Ghani im Zusammenhang mit dem Opferfest erneut eine Waffenruhe im Konflikt mit den islamistischen Taliban angekündigt. Sie sollte am Montag in Kraft treten und bis zum 21. November gelten, dem Geburtstag des Propheten Mohammed. Voraussetzung sei allerdings, dass die Taliban ebenfalls eine Feuerpause verkündeten - was diese nicht taten.

Taliban lassen Geiseln frei

Erst gestern hatten Taliban fast 200 Menschen im Norden des Landes verschleppt. Den Großteil der Menschen ließen sie jedoch heute schon wieder frei. "Mehr als 160 Zivilisten sind sicher nach Hause zurückgekehrt", sagte ein Mitglied des Provinzrates in Kundus. Mindestens 20 Soldaten und Polizisten haben die Taliban aber an einen unbekannten Ort verschleppt. Zwei Taliban-Kommandeure bestätigten die Freilassung. Einer von ihnen sagte, die Taliban wollten keine Zivilisten verletzen, die Soldaten und Polizisten würden aber als Gefangene festgehalten.

Über dieses Thema berichtete BR5 am 21. August 2018 um 13:07 Uhr.

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