Ein bewaffneter afghanischer Polizist steht an einem Kontrollpunkt auf dem Gelände der unabhängigen Wahlkommission vor einem Wahlplakat.  | Bildquelle: dpa

Parlamentswahl in Afghanistan 50.000 Polizisten und Angst vor Anschlägen

Stand: 20.10.2018 04:59 Uhr

Neun Millionen Afghanen sind heute zur Parlamentswahl aufgerufen. Vor allem junge Leute wollen ihre Stimme abgeben - doch die Angst vor Anschlägen ist allgegenwärtig.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat am Morgen die Parlamentswahl in Afghanistan begonnen. Knapp neun Millionen registrierte Wähler sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Über 50.000 Polizeikräfte sind im Einsatz.

Nicht nur in Kabul, sondern überall im Land gibt es Checkpoints, an denen Autos durchsucht und Insassen kontrolliert werden. Während des Wahlkampfes hatte es zahlreiche Anschläge und Attentate auf Wahlveranstaltungen und Versammlungen gegeben. Zehn Kandidaten sind getötet worden.

Wahlen in Kandahar erst in einer Woche

Mehr als 2500 Kandidaten bewerben sich um die 249 Sitze im Unterhaus, darunter 417 Frauen. Sie wolle vor allem die Situation der Frauen im Land verbessern, sagt Maryam Sama, die in der Provinz Wardak antritt:

"Wenn ich gewinne, werde ich ein spezielles Komitee gründen, das sich um die Rechte der Frauen kümmert. Denn wenn man die Situation der Frauen in Afghanistan sieht, versteht man, dass wir das wirklich brauchen."

Nicht gewählt wird in der Provinz Ghazni, weil man sich dort nicht auf die Aufteilung der Wahlkreise einigen konnte.

In der südafghanischen Provinz Kandahar soll die Wahl um eine Woche verschoben werden. Dort waren vor zwei Tagen bei einem Attentat auf ein hochrangiges Sicherheitstreffen unter anderem der Provinzgouverneur und der mächtige Polizeichef getötet worden. Der oberste Kommandeur der NATO-Truppen war nur knapp entkommen.

Probelauf für die Präsidentenwahl 2019

Es wird befürchtet, dass wegen der angespannten Sicherheitslage viele Wahlberechtigte der Abstimmung fernbleiben.

"Die Taliban werden versuchen, Probleme zu machen. Denn wenn es Demokratie gibt und die Rechte der Menschen gefestigt sind, dann gibt es keinen Platz für Terrorismus", sagt Ghafor Ahmed Jawed, der Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums. "Wir werden jedenfalls alles tun, um die Sicherheit bei diesen Wahlen zu gewährleisten."

Vor allem viele junge Leute haben angekündigt, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen, trotz der extremen Sicherheitslage. "Ich habe keine Angst. Ich gehe auf jeden Fall zur Wahl. Ich werde meine Stimme abgeben, mein Abgeordneter kann mit meinem Stimmzettel in der Wahlurne rechnen", meint ein Mann namens Nadjibullah.

Die Parlamentswahl gilt als Probelauf für die Präsidentenwahl, die im kommenden Jahr stattfinden soll. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die vom Westen gestützte Regierung in Kabul die Sicherheit gewährleisten kann.

Afghanistan: Auftakt der Parlamentswahl steht unter hohen Sicherheitsvorkehrungen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
19.10.2018 20:29 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 19. Oktober 2018 um 21:45 Uhr.

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