Afghanen warten an einer Wahlstation in Herat | Bildquelle: JALIL REZAYEE/EPA-EFE/REX/Shutte

Parlamentswahl in Afghanistan Anschläge und Chaos beim Urnengang

Stand: 20.10.2018 16:02 Uhr

Mehr als 70.000 Sicherheitskräfte sollen bei der Parlamentswahl in Afghanistan für Sicherheit sorgen. Trotzdem wird der Urnengang wieder von Gewalt begleitet. Auch organisatorische Probleme sorgen für Chaos.

Gewaltsame Angriffe und organisatorische Probleme überschatten die Parlamentswahl in Afghanistan. Bei Anschlägen der radikalislamischen Taliban kamen mehr als 20 Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Die Taliban hatten im Vorfeld zum Boykott aufgerufen und mit Gewalt gedroht.

Allein in der Hauptstadt Kabul waren mehrere Explosionen zu hören. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich an einem Wahllokal in die Luft. Mindestens 13 Menschen wurden getötet. Unter den Opfern seien Zivilisten, Wahlhelfer und Polizisten, sagte ein Polizeisprecher.

Die Afghanen sind aufgerufen, die 250 Sitze des Parlaments neu zu besetzen. Mehr als 2500 Kandidaten stehen zur Wahl. Wegen Verzögerungen bei der Wahlrechtsreform war die Parlamentswahl über drei Jahre immer wieder verschoben worden.

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Parlamentswahl in Afghanistan

Afghanistan, Herat: Frauen stellen sich während der Parlamentswahlen vor einem Wahllokal auf. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wird am Samstag in Afghanistan ein neues Parlament gewählt. Laut Unabhängiger Wahlkommission haben sich rund 8,8 Millionen Afghanen zur Wahl registriert.

Frauen warten vor einem Wahllokal in Herat. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wird in Afghanistan ein neues Parlament gewählt. | Bildquelle: dpa

Wahllokale haben nicht geöffnet

Aus einigen Regionen werden große organisatorische Probleme bei der Stimmenabgabe gemeldet: An vielen der über 5100 Wahllokale standen die Menschen stundenlang vor verschlossenen Türen, weil Wahlleiter nicht erschienen waren, oder weil Wahlunterlagen nicht vollständig vorlagen.

Wegen der Verzögerungen sollen die Öffnungszeiten der betroffenen Wahllokale verlängert werden. Wahlstationen, die die für die Abstimmung nötigen Materialien erst am Vormittag erhalten hatten, sollen am Abend vier Stunden länger geöffnet bleiben. Wahllokale, die erst nach Mittag beliefert würden, sollen auch am Sonntag öffnen. Ursprünglich sollte die Stimmabgabe am Nachmittag um 16.00 Uhr Ortszeit enden.

In Kandahar Abstimmung verschoben

Staatschef Aschraf Ghani dagegen gab pünktlich zur Öffnung der Wahllokale seine Stimme ab. Im Anschluss gratulierte er seinen Landsleuten dazu, wieder eine Wahl abhalten zu können. Es handelt sich um die erste Parlamentswahl in Afghanistan seit 2010. Die Abstimmung findet allerdings nicht in allen Landesteilen statt.

In der südafghanischen Provinz Kandahar wurde sie um eine Woche verschoben, nachdem ein Leibwächter den einflussreichen Polizeichef erschossen hatte. Die aufständischen Taliban übernahmen die Verantwortung für die Tat. Vor der Wahl wurden zudem zwei Kandidaten getötet.

Probelauf für die Präsidentenwahl 2019

Es wird befürchtet, dass wegen der angespannten Sicherheitslage viele Wahlberechtigte der Abstimmung fernbleiben. Trotzdem haben vor allem viele junge Leute angekündigt, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen.

Die Parlamentswahl gilt als Probelauf für die Präsidentenwahl, die im kommenden Jahr stattfinden soll. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die vom Westen gestützte Regierung in Kabul die Sicherheit gewährleisten kann.

Mit vorläufigen Wahlergebnissen ist nicht vor Mitte November zu rechen, sagte der Vize-Sprecher der Wahlkommission, Asis Ismaili. Die Endergebnisse würden für Ende Dezember erwartet.

Mit Informationen von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Afghanistan: Auftakt der Parlamentswahl steht unter hohen Sicherheitsvorkehrungen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
19.10.2018 20:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Oktober 2018 um 09:50 Uhr.

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