Talibangefangene bekommen ihre Entlassungspapiere aus dem Gefängnis (Archiv 14.08.2020) | Bildquelle: via REUTERS

Friedensprozess in Afghanistan Fast 200 Taliban-Kämpfer freigelassen

Stand: 11.09.2020 08:07 Uhr

Im Austausch mit gefangenen Soldaten hat die afghanische Regierung nach eigenen Angaben fast 200 Taliban-Kämpfer aus einem Gefängnis in Kabul entlassen. Der Austausch soll den Weg für Friedensverhandlungen freimachen.

In Afghanistan geht die umstrittene Freilassung von Taliban-Kämpfern weiter – nun kamen fast 200 weitere auf freien Fuß. Die Regierung hatte lange gezögert, die Extremisten frei zu lassen. Die Männer gehören zum harten Kern der Gruppe und werden für schwere Anschläge verantwortlich gemacht, unter anderem für den in der Nähe der deutschen Botschaft in Kabul vor drei Jahren.

Die Taliban hatten auf die Freilassung der Gefangenen als Bedingung für die Aufnahme von Friedensverhandlungen bestanden. Im August unterzeichnete Präsident Aschraf Ghani schließlich ein entsprechendes Dekret, um den Weg für Gespräche freizumachen. Es sieht die Freilassung von insgesamt 400 Taliban-Häftlingen aus dem inneren Kreis der Terrororganisation vor.

Friedensgespräche könnten noch diese Woche beginnen

Ein Regierungsvertreter deutete an, dass auch die übrigen 120 noch inhaftierten Taliban aus der Gruppe im Laufe des Tages freikommen könnten. Im Gegenzug lassen die Taliban mehrere gefangene afghanische Spezialkräfte frei. "Wir wollen den Gefangenaustausch abschließen, damit wir mit dem Friedensprozess so bald wie möglich anfangen können", hieß es von der Regierung.

Die Verhandlungen mit den Taliban sollen unmittelbar nach Abschluss des Häftlingsaustausches in der katarischen Hauptstadt Doha starten. Ein Sprecher des Hohen Rats für Nationale Aussöhnung kündigte bereits an, eine Regierungsdelegation werde am Donnerstag nach Katar fliegen, um die Friedensgespräche vorzubereiten.

USA unterstützen Freilassungen

Ende Februar hatten die USA ein historisches Friedensabkommen mit den Taliban geschlossen. Auch dort geht es unter anderem um die Freilassung von Taliban-Häftlingen. Fast 20 Jahre nach Beginn der Invasion in Afghanistan kündigte die US-Regierung zudem an, die Zahl ihrer Soldaten am Hindukusch bis November auf weniger als 5000 zu reduzieren.

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