Afghanistan Soldaten | Bildquelle: AFP

Nach USA-Taliban-Abkommen Afghanistans steiniger Weg zum Frieden

Stand: 26.03.2020 12:52 Uhr

Nach dem Friedensabkommen zwischen den USA und den Taliban gibt es Zeichen der Annäherung: Die Taliban und die Regierung Afghanistans wollen sich zu Vorgesprächen treffen. Doch auch diesem Schritt steht noch einiges im Weg.

Vertreter der Taliban und der afghanischen Regierung wollen in den nächsten Tagen die ersten Gespräche führen, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Dschawid Faisal. Dies sei in einer Videokonferenz am Abend entschieden worden.

In der Konferenz sei auch ein Kompromiss im Streit um den Gefangenenaustausch gefunden worden, hieß es. 100 Taliban sollen zunächst bis zum 31. März freigelassen werden, kündigte der Nationale Sicherheitsrat via Twitter an. Dies geschehe auf Grundlage eines früheren Präsidentenerlasses sowie aus humanitären Gründen. Die Taliban müssten aber garantieren, dass die Freigelassenen nicht wieder an Kämpfen teilnehmen. Auch die Taliban würden Gefangene frei lassen, sagte der US-Sondergesandte für Aussöhnung in Afghanistan, Zalmay Khalilzad.

Der Sprecher des politischen Büros der Taliban, Suhail Schahin, schrieb auf Twitter, dass man ein Verifizierungsteam "zur Identifizierung, Bestätigung und Freilassung von Gefangenen gemäß der bereits vorgelegten Liste" zum Gefängnis nach Bagram schicken wolle.

Seit Wochen herrscht Stillstand zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban. Die Freilassung von bis zu 5000 Gefangenen war als Vorbedingung für innerafghanische Friedensgespräche in das Abkommen aufgenommen worden, das die USA mit den Taliban am 29. Februar unterzeichnet hatten. Die Gefangenen gelten laut Experten als das Hauptdruckmittel der Regierung in Kabul, die Taliban zu Gesprächen zu bringen.

Mitglieder der afghanischen Taliban-Delegation | Bildquelle: REUTERS
galerie

Die Freilassung von Gefangenen war die Vorbedingung für Gespräche zwischen den Taliban und der Regierung.

Somit laufen die Vorbereitungen für den nächsten Schritt im Friedensprozess. Präsident Ashraf Ghani veröffentlichte jetzt eine Liste von 20 Frauen und Männern, die am geplanten Dialog mit den Taliban teilnehmen sollen.

Machtkampf zwischen Abdullah und Ghani

Allerdings ist noch unklar, wie das politische Lager seines Rivalen Abdullah Abdullah reagiert, der ebenfalls Anspruch auf das Präsidentenamt erhebt. Der innenpolitische Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah hat bisher das Vorhaben torpediert. Ghani und Abdullah konnten sich nicht einmal darauf einigen, wer Teil der Delegation sein sollte, die mit den Taliban spricht.

Afghanistan Ghani und Abdullah Abdullah | Bildquelle: REUTERS
galerie

Afghanistans Präsident Ghani und sein Rivale Abdullah Abdullah - ein Machtkampf, der die Gespräche nicht leichter macht.

Wieder dutzende Anschläge

Doch nicht nur der Machtkampf zwischen Ghani und Abdullah erschwert die Gespräche. Auch die Gewalt hat zuletzt wieder stark zugenommen. Die Aufständischen verübten landesweit dutzende Anschläge, bei denen afghanische Einsatzkräfte und Zivilisten getötet wurden.

Ein weiterer Krisenherd ist das afghanische Gesundheitswesen, welches durch die Corona-Epidemie bereits am Anschlag ist. Es wird befürchtet, dass die Kürzung der US-Finanzhilfe die Lage weiter verschlechtert.

Corona-Fälle im Land

Wie das afghanische Fernsehen berichtete, ist die Zahl der Corona-Fälle inzwischen auf 84 gestiegen. Die meisten davon gibt es im Westen des Landes, an der Grenze zum Iran. Dort kommen täglich mehr als 10.000 afghanische Flüchtlinge über die Grenze, die aus Angst vor der Corona-Epidemie im Iran nach Hause zurückkehren.

Auch die Taliban hatten ihre Kooperationsbereitschaft im Kampf gegen die Corona-Epidemie zugesagt. In Gebieten, in denen die Taliban die Kontrolle haben, sind internationale Nichtregierungsorganisationen im Einsatz.

Aber der angekündigte Teilabzug der US-Truppen aus Afghanistan soll trotz der Ausbreitung des Corona-Virus weitergehen. Und die Reduzierung der US-Truppen ist ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung von Doha, die den Weg für Frieden in Afghanistan freimachen soll.

Nach USA-Taliban-Abkommen: Afghanistans steiniger Weg zum Friedensprozess
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
26.03.2020 15:32 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Mit Informationen von Bernd Musch-Borowksa, ARD-Studio Neu-Delhi

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. März 2020 um 06:46 Uhr.

Darstellung: