Afrika-Gipfel in den USA Mehr Handel als Hilfe

Stand: 07.08.2014 07:42 Uhr

Geschäfte im Wert von fast 25 Milliarden Euro - das ist der Erfolg, den die Obama-Regierung nach ihrem USA-Afrika-Gipfel feiert. Es war der größte Gipfel dieser Art, den es in den USA bisher gegeben hat. Aber inwieweit hilft er den Afrikanern?

Von Jan Bösche, MDR-Hörfunkstudio Washington

Peter Mutharika
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Der malawische Präsident Mutharika zieht ein optimistisches Fazit des Gipfels: "Ganz egal, was passieren wird - es wird positiv sein."

Peter Mutharika weiß noch nicht genau, worauf er sich jetzt freuen kann. Mutharika ist der frischgewählte Präsident von Malawi. Er hat auf dem Gipfel gehört, dass die USA in Afrika 33 Milliarden Dollar investieren wollen, umgerechnet fast 25 Milliarden Euro. Wie viel davon in Malawi ankommen wird - keine Ahnung. "Ganz egal, was passieren wird, es wird positiv sein. Ich kann mir nicht vorstellen, warum es negativ sein sollte", ist Mutharika dennoch optimistisch.

Malawi ist eines der ärmsten Länder der Erde, es gibt große Probleme mit Aids, die Wirtschaft kommt nur schwer in Gang. Aber der Präsident hat in Washington Kontakte geknüpft, zum Beispiel mit Walmart, dem weltgrößten Supermarkt-Betreiber: "Sie wollen ‚Game‘ vergrößern, ihre örtliche Supermarkt-Kette, sie wollen örtlich Lebensmittel anbauen, sie wollen Strom erzeugen", sagt er. 

Solche Geschäfte waren das Ziel des Gipfels, dafür hatte US-Präsident Barack Obama Mutharika und fast fünfzig andere Staats- und Regierungschefs eingeladen. Er hat rote Teppiche ausgerollt und ein großes Gala-Dinner gegeben, die Gäste nach allen Regeln der diplomatischen Kunst umgarnt.  "Der Präsident war sehr fair, sehr geduldig, er fühlt sich der Sache verpflichtet", sagt Mutharika: "Obama hat ein Gespür für unsere Bedürfnisse in Afrika." 

Gut für Afrika - oder für die US-Wirtschaft?

Und ein Gespür für die Bedürfnisse der eigenen Wirtschaft: Afrika gilt nicht mehr als Problem-Kontinent, sondern als Zukunftsmarkt. Bislang machen aber China und Europa die Geschäfte. Obama hat nun zur Aufholjagd geblasen. "Die 33 Milliarden Dollar Investitionen werden Afrikas Entwicklung vorantreiben und bei uns in Amerika Zehntausende Jobs fördern." 

Es ging bei diesem Gipfel ganz klar um die Wirtschaft und ein bisschen auch um die Probleme in Afrika. Die USA wollen gegen Terroristen kämpfen und die Sicherheit verbessern, aber nicht mit eigenen Truppen. Die Afrikaner sollen Hilfe zur Selbsthilfe bekommen:  "Es geht nicht nur um bessere Ausrüstung und Training. Es geht auch darum, dass die Sicherheitskräfte professioneller werden, damit sie die Bevölkerung nicht entfremden", sagt Obama  

Proteste vor Hotel der nigerianischen Delegation

Der Schwerpunkt "Wirtschaft" des Gipfels sorgte für Proteste von Menschenrechtlern. So gab es Proteste vor einem Hotel in der Washingtoner Innenstadt. Innen feierte die Delegation von Nigeria, vor der Tür standen mehrere Dutzend Demonstranten. Sie erinnerten an die rund 200 Mädchen, die in Nigeria verschleppt wurden, deren Schicksal noch immer ungewiss ist.

Der Gipfel habe dazu weitgehend geschwiegen, darum wollen sie dem Problem eine Stimme geben, sagte die Organisatorin Omolola Adele-Oso aus Nigeria. Die alltägliche Gewalt sei auch eine Frage der Wirtschaft, das Problem müsse gelöst werden: Man könne nicht über gemeinsamen Handel sprechen, wenn viele Leute arm sind, keine Ausbildung bekommen, wenn sie Angst um ihr Leben haben. "Ist es ein Geschäft für die Länder oder doch nur ein Geschäft für die USA?", fragt Adele-Oso. Das müssen die Wirtschaftsprogramme von Präsident Obama jetzt beweisen: Dass sie nicht nur die Rendite der US-Konzerne erhöhen, sondern wirklich helfen, das Leben in Afrika voranzubringen.   

Bill Clinton mit Walmart-Vorstand Doug McMillon
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Auf dem Gipfel ging es avor allem um die Interessen der US-Wirtschaft. Geladen waren Repräsentanten großer Konzerne, wie hier Doug McMillon von der Supermarktkette Walmart (rechts, im Gespräch mit Bill Clinton)

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