Corona-Impfung in Afrika Mit Eseln, Drohnen und den UN

Stand: 15.12.2020 11:44 Uhr

Während Ruanda Drohnen zur Logistik einsetzt, hat Mali Mühe mit der Impfstoff-Kühlkette: Afrikas Staaten bereiten sich derzeit bestmöglich auf Corona-Impfungen vor. Ein Problem haben alle gemeinsam.

Von Boris Baumholt und Ismaiel Dicko, ARD-Studio Nairobi

Es sind mehr als 40 Grad im Schatten im kleinen Dorf in der Gemeinde Baguineda in Mali, im Nordwesten Afrikas. Draußen brennt die Sonne. Drinnen laufen die beiden großen Kühlschränke der lokalen Gesundheitsstation auf Hochtouren. Der Leiter der Station, Sissoko Boubacar, und sein Team lagern hier ihre Medikamente und Impfstoffe bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Sie hoffen, hier künftig auch Corona-Impfstoffe lagern zu können. Aber die Kühlung ist ein Problem: Die Vakzine vom deutsch-US-amerikanischen Herstellerkonsortium Biontec und Pfizer müssen zum Beispiel bei Minus 70 Grad transportiert werden, sie sind nur wenige Tage im normalen Kühlschrank haltbar.

Der Impfstoff der Firma Moderna benötigt nach eignen Angaben nur Minus 20 Grad und kann sogar bis zu 30 Tage auch in normalen Kühlschränken gelagert werden. Doch in Afrika sind die Wege weit und in es gibt keine flächendeckende Stromversorgung. "Es wird sehr wichtig sein, dass wir für die Impfstoffe eine funktionierende Kühlkette haben. Und es wird schwer, die Mittel zu den Menschen überall aufs Land zu bringen", sagt Boubacar.

Männer stehen neben einem offenem Kühlschrank | Bildquelle: Ismaiel Dicko
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In der Gesundheitsstation von Baguineda stehen Kühlschränke für den Impfstoff bereit.

In Ruanda und Mali steht die Logistik bereit

Mit Impfkampagnen haben die Mediziner in Afrika durchaus Erfahrungen: Aktuell organisiert das malische Gesundheitsministerium mit Unterstützung der WHO eine landesweite Impfkampagne gegen Polio. Fünf Millionen Kinder sollen die Schluckimpfung bekommen. Dazu schicken sie mobile Impfteams bis ins kleinste Dorf. Manche sind zu Fuß unterwegs, andere nutzen den Esel oder Motorräder. So könnte es bei der Corona-Impfung auch aussehen.

Im kleinen Ruanda, im Herzen von Afrika, sind sie schon einen Schritt weiter: Das Land ist, im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Ländern, gut organisiert. Das Biomedizinische Zentrum hat gleich mehrere große und leistungsstarke Kühlräume. Und von hier können sie Medikamente und Impfstoffe sogar direkt per Drohne bis in den abgelegensten Winkel des Landes schicken. "Wir bereiten uns vor und planen. Dabei haben wir ja schon unsere bestehenden Lieferketten für die anderen Impfstoffe", erklärt der Direktor des Zentrums, Dr. Sabin Nsanzimana. Im Moment könnten sie aber nur warten - denn weder Mali noch Ruanda haben bislang Impfstoffe bestellt. Sie sind schlicht zu teurer.

Corona-Impfung in Mali: Befürchtungen und Herausforderungen
tagesthemen, 12.12.2020, Boris Baumholt, ARD Nairobi

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"Klar machen, dass Gesundheit ein öffentliches Gut ist"

In Afrika hätten bislang lediglich Ägypten und Kenia Impfdosen bestellt, berichtet Dan Owalla von der Nichtregierungsorganisation "People's Health Movement". Er fürchtet, dass Afrika im Rennen um den Impfstoff abgehängt wird. Frühestens Ende 2022 rechnet er mit größeren Impfkampagnen auf dem Kontinent. Der Grund ist das fehlende Geld.

Die reichsten Länder der Welt haben sich bereits mehr als die Hälfte des gesamten Impfstoffes gesichert. Dabei stellen sie nur 13 Prozent der Weltbevölkerung. Das hat die amerikanische Duke Universität in einer aktuellen Studie ausgerechnet. Kanada und die USA haben sogar so viele Vakzine, dass sie ihre Bevölkerung gleich mehrfach komplett durchimpfen könnten. Owalla prangert die ungleiche Verteilung an. "Wir müssen unbedingt klar machen, dass Gesundheit ein öffentliches Gut und ein Menschenrecht für jeden Menschen ist", sagt er. Er fordert, dass der Patentschutz für die teuren Impfstoffe in Teilen aufgehoben wird, damit auch arme Länder sich die Mittel leisten können.

Ein Mann steht neben einer Drohne in Ruanda | Bildquelle: Ismaiel Dicko
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Ruanda setzt auf technischen Fortschritt: Medikamente werden per Drohnen in abgelegene Gegenden des Landes geschickt.

Das Covax-Programm der UN soll helfen

Nur mit internationaler Hilfe wird es gehen. Hoffnung macht das Covax-Programm der Vereinten Nationen (UN). In den Fonds haben bereits mehr als 90 Entwicklungsländer, aber auch reiche Staaten wie Deutschland eingezahlt. Gemeinsam hat man eine bessere Verhandlungsposition mit den Impfstoffherstellern. Zwei Milliarden US-Dollar sollen so bis Ende 2021 zusammenkommen, einige Hundert sind bereits im Topf - und erste Zusagen von Herstellern auch. Es soll reichen, damit in Afrika wenigstens 20 Prozent der Bevölkerung geimpft werden kann.

Um eine Herdenimmunität zu erreichen, braucht es aber 60 Prozent. "Es wäre unschön zu sehen, wie Afrika still steht und nicht geimpft wird, während die ganze Welt geimpft wird", sagt der Chef der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (CDC), John Nkengasong. Und er richtet einen Appell an die reichen Länder: "Das wird zu einer moralischen Frage. Meine Botschaft, an die, die mehr beschafft haben, als sie brauchen: lasst uns gemeinsam an einen Tisch setzen und reden."

In der kleinen Gesundheitsstation von Sissoko Boubacar in Mali packen sie gerade die nächsten Kühltaschen mit den Schluckimpfungen. Hunderte mobile Impfteams sind in diesen Tagen unterwegs. Sie hoffen und beten, dass sie demnächst auch Covid-Impfungen in ihre Kühltaschen packen und zu den Menschen in die kleinen Dörfer bringen können.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. Dezember 2020 um 23:30 Uhr.

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