Bewaffneter Überfall auf Konvoi Italiens Botschafter im Kongo getötet

Stand: 22.02.2021 22:21 Uhr

Im Kongo haben bewaffnete Angreifer einen Konvoi überfallen und dabei den italienischen Botschafter und zwei Begleiter getötet. Das kongolesische Innenministerium machte Hutu-Rebellen für die Tat verantwortlich.

Italiens Botschafter im Kongo ist bei einem bewaffneten Angriff auf einen Konvoi des Welternährungsprogramms getötet worden. Luca Attanasio erlag kurz nach dem Überfall seinen schweren Verletzungen, erklärte der zuständige Gouverneur der Region Nord-Kivu, Carly Nzanzu Kasivita.

Laut einem ranghohen Diplomaten in Kinshasa wurde Attanasio durch Schüsse am Bauch verletzt. Er wurde demnach in ein Krankenhaus in Goma gebracht, wo er wenig später starb.

Nach Angaben eines Armeesprechers wurden bei dem Angriff noch zwei weitere Menschen getötet. Es soll sich dabei um den Fahrer und den Leibwächter des Botschafters handeln.

Luca Attanasio | Bildquelle: AFP
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Der getötete italienische Diplomat Luca Attanasio. Er war seit 2018 Botschafter im Kongo.

Kongo macht Hutu-Rebellen verantwortlich

Das Innenministerium der Demokratischen Republik Kongo hat ruandische Hutu-Rebellen für die Tat verantwortlich gemacht. Der Überfall sei von bewaffneten Mitgliedern der Rebellengruppe Demokratische Kräfte für die Befreiung Ruandas (FDLR) ausgeführt worden, teilte das Ministerium mit. Die Angreifer hätten zudem vier Menschen entführt, hieß es weiter. Eines der Entführungsopfer sei inzwischen von kongolesischen Soldaten gefunden worden, die das betroffene Gebiet weiter durchsuchten.

Wie es aus Diplomatenkreisen in Kinshasa hieß, war der Konvoi des Botschafters nördlich der Großstadt Goma, der Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu, unterwegs gewesen. Die kongolesische Polizei zeigte sich überrascht von der Präsenz des Botschafters in der Region und der Tatsache, dass er ohne Polizeischutz unterwegs war.

Mehrere Milizen sind im Ost-Kongo aktiv

Attanasio wollte den Angaben zufolge zum bekannten Virunga-Nationalpark an der Grenze zu Uganda und Ruanda reisen. Das UNESCO-Weltkulturerbe ist berühmt für stark gefährdete Berggorillas, die nur in diesen drei Ländern leben. Die Ranger dort sind oft durch Milizen und Wilderer bedroht, auch die seltenen Gorillas werden immer wieder getötet. Erst im Januar waren dort sechs Wildhüter umgebracht und ein weiterer schwer verletzt worden. Damals wurden Rebellen für den Angriff verantwortlich gemacht.

Im Ost-Kongo sind mehrere Milizen aktiv, denen es vor allem um die Kontrolle der wertvollen Bodenschätze geht. In der Nähe des Virunga-Nationalparks sind Menschenrechtlern zufolge innerhalb von drei Jahren mindestens 170 Menschen entführt worden. Die Opfer - viele davon Frauen - seien geschlagen, gefoltert, vergewaltigt und zu Geldzahlungen erpresst worden, berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch im vergangenen Jahr. Sie machte dafür kriminelle Banden verantwortlich.

Angriff auf Konvoi des Welternährungsprogramms im Kongo - Botschafter getötet
Antje Diekhans, ARD Nairobi
22.02.2021 14:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Februar 2021 um 13:41 Uhr.

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