Flüchtlinge werden von Mitgliedern der Hilfsorganisation Open Arms nach einem Bootsunglück gerettet. (Archiv November 2020) | Bildquelle: dpa

Schiffsunglück im Mittelmeer 43 Menschen sterben vor Libyens Küste

Stand: 20.01.2021 17:33 Uhr

43 Flüchtlinge sind bei einem Schiffsunglück vor der libyschen Küste ertrunken. Die Küstenwache konnte zehn Menschen retten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk forderte, wieder mehr Rettungsoperationen im Mittelmeer durchzuführen.

Mindestens 43 Menschen sind bei einem Schiffsunglück vor der Küste Libyens ums Leben gekommen. Die libysche Küstenwache rettete zehn Flüchtlinge vor dem Ertrinken. Sie seien in die Küstenstadt Suwara im Westen des Landes gebracht worden, teilten die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Es handelte sich um das erste derartige Schiffsunglück im Mittelmeer in diesem Jahr.

Den Angaben zufolge hatte das Boot am frühen Dienstagmorgen in der Küstenstadt Sawija abgelegt. Es sei nur wenige Stunden nach der Abfahrt bei schlechten Bedingungen auf See gekentert, als der Motor ausgesetzt habe. Nach Angaben der Überlebenden, die vor allem aus der Elfenbeinküste, aus Nigeria, Ghana und Gambia stammten, kamen alle Opfer aus Westafrika.

"Lage der Flüchtlinge bleibt prekär"

In Libyen herrscht seit fast zehn Jahren Bürgerkrieg. In dem Chaos hat sich das nordafrikanische Land zu einem der wichtigsten Transitgebiete für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa entwickelt. Die meisten Migranten wagen die gefährliche Überfahrt in seeuntüchtigen Gummibooten. Immer wieder kommen bei Unglücken im Mittelmeer viele Migranten ums Leben. So starben im vergangenen November beim Untergang von zwei Booten mehr als 90 Menschen.

IOM und UNHCR riefen die Staaten auf, ihre Such- und Rettungsoperationen im Mittelmeer wieder aufzunehmen. Migranten dürften zudem nicht in unsichere Häfen zurückgebracht werden. Die Lage der Flüchtlinge in Libyen bleibe prekär. Viele würden von Schleppern missbraucht, zur Erpressung von Lösegeld festgehalten sowie gefoltert und misshandelt.

900 Menschen ertrunken

Nach IOM-Angaben sind im vergangenen Jahr mindestens 900 Menschen ertrunken, als sie über das Mittelmeer nach Europa wollten. 11.000 weitere Migranten seien zurück nach Libyen gebracht worden. Die Organisation geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl höher ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Januar 2021 um 17:00 Uhr.

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