Nach Angaben der Armee Tschads Präsident Idriss Déby ist tot

Stand: 20.04.2021 15:02 Uhr

Tschads Langzeitherrscher Idriss Déby Itno ist tot. Ein Militärsprecher gab bekannt, der Staatschef sei nach Kämpfen mit einer Rebellengruppe an der Front gestorben. Er kündigte eine Übergangsregierung des Militärs an.

Der Präsident des Tschad, Idriss Déby Itno, ist bei Kämpfen gegen Rebellen verletzt worden und an diesen Verletzungen gestorben. Die Kämpfe hätten am Wochenende im Norden des Landes stattgefunden, hieß es in einer heute im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung der Streitkräfte. "Idriss Déby Itno hat gerade seinen letzten Atemzug auf dem Schlachtfeld während der Verteidigung der territorialen Integrität genommen. Mit tiefer Bitterkeit verkünden wir dem tschadischen Volk den Tod des Marschalls des Tschads", hieß es von einem Militärsprecher.

Unklar ist, warum der Präsident die entlegene Region besuchte oder sich an Kämpfen gegen die Rebellen beteiligte. In den vergangenen Tagen war es zu Militäreinsätzen im Norden Tschads gekommen, nachdem Rebellengruppen vom nördlichen Nachbarstaat Libyen kommend eine Offensive gestartet hatten. Die tschadische Armee hatte verkündet, bei einem Einsatz im Norden des Landes mehr als 300 Rebellen getötet zu haben. In der Grenzregion zu Libyen kommt es regelmäßig zu Angriffen durch Rebellen. 

Dem Militärsprecher zufolge soll Mahamane Idriss Déby, der Sohn des verstorbenen Präsidenten und Vier-Sterne-General, die Führung einer militärischen Übergangsregierung übernehmen.

Parlamant und Regierung aufgelöst

Die Regierung und die Nationalversammlung seien bereits aufgelöst worden. Anstelle der bislang gültigen Verfassung werde in Kürze eine nationale Übergangs-Charta verkündet, hieß es. Der Militärsprecher versprach außerdem "freie und demokratische" Neuwahlen - allerdings erst nach einer 18-monatigen Übergangsphase. Mahamat Idriss Déby Itno, der bislang die Eliteeinheit der tschadischen Streitkräfte geleitet hat, werde während dieser Zeit einen Übergangs-Militärrat leiten.

Darüber hinaus wurde eine 14-tägige Staatstrauer verhängt. Luft- und Landesgrenzen sind bis auf weiteres geschlossen, außerdem gilt zwischen 18 Uhr und 5 Uhr Ortszeit eine Ausgangssperre.

Tod kurz nach Wiederwahl

Wenige Stunden zuvor hatte die Wahlkommission den Amtsinhaber zum Sieger der Präsidentenwahl vom 11. April erklärt. Damit war der Weg frei für eine sechste Amtszeit des Präsidenten, der seit mehr als 30 Jahren das Land regierte.

Déby war 1990 durch einen Putsch an die Macht gekommen und regierte seitdem das zentralafrikanische Land, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Der Tschad ist ein für Europa strategischer Staat. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich unterstützt die Allianz G5-Sahel im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus in der Region. In der Sahelzone sind etliche Terrorgruppen aktiv. An der G5-Sahel-Militärallianz sind außer dem Tschad auch Mali, Mauretanien, der Niger und Burkina Faso beteiligt.

Mit Informationen von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat.

Tschad: Präsident Déby ist tot
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
20.04.2021 13:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 20. April 2021 um 14:09 Uhr.

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