UN-Umweltkonferenz in Nairobi Mehr als martialische Worte?

Stand: 22.02.2021 06:01 Uhr

Die meisten Vereinbarungen gegen Umweltzerstörung werden nicht eingehalten, klagen die UN. Ein Treffen soll den "Krieg gegen die Natur" stoppen. Doch wegweisende Entscheidungen wird es auf der Konferenz wohl nicht geben.

Von Norbert Hahn, ARD-Studio Nairobi

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat die Alarmglocken geläutet: "Wir haben einen sinnlosen und selbstmörderischen Krieg gegen die Natur geführt", sagte er kurz vor Eröffnung der Konferenz. "Das Resultat sind drei miteinander verbundene Umweltkrisen: Eine Klimastörung, Verlust von Artenvielfalt und Umweltverschmutzung, die alle zusammen unsere Überlebensfähigkeit als Spezies bedrohen."

Dass das Problem dennoch immer schlimmer werde, liege daran, dass die Weltgemeinschaft die meisten Vereinbarungen gegen Umweltzerstörung nicht einhalte, klagt das UN-Umweltprogramm (UNEP) in einem neuen Report. Das am UNEP-Sitz Nairobi veröffentlichte Papier spricht von einer Ausnahme: dem Kampf gegen das Ozonloch, der zufriedenstellend laufe.

Verbrauch natürlicher Ressourcen verdreifacht

Der Rest klingt düster: In den vergangenen 50 Jahren habe sich die Weltwirtschaft fast verfünffacht, der Handel verzehnfacht. Eine Million der acht Millionen Pflanzen- und Tierarten seien vom Aussterben bedroht. Der Verbrauch natürlicher Ressourcen habe sich verdreifacht. Menschliches Handeln sei auf dreiviertel der eisfreien Erdfläche zu verzeichnen und bei dreiviertel der Ozeanfläche. Die Menge der Treibhausgase hätten sich verdoppelt. Chemie, Abfälle, Umweltverschmutzung - alles dramatisch, erst Recht vor dem Hintergrund eines weiter rapiden Bevölkerungswachstums.

Und nun auch Covid-19: UNEP macht es zu seinem Thema, als Krankheit, die über Haus- oder Wildtiere übertragen wurde - eine sogenannte "zoonotische Krankheit", die der menschlichen Gesundheit und der Wirtschaft schwer schaden kann. Geschätzte 700.000 der 1,6 Millionen Viren könnten ein Problem für die Menschheit sein, warnt der Report. Die Schädigung der natürlichen Umwelt könne eine Übertragung beschleunigen.

Milliarden Euro umleiten

"Erholung von Covid-19 und die Reparatur des Planeten müssen zwei Seiten der gleichen Medaille sein," fordern Guterres und UNEP. Viele Milliarden Euro müssten umgeleitet werden: Aus Subventionstöpfen für alte Industrien und konventionelle Landwirtschaft in nachhaltige Produktion. "Konjunkturhilfen bieten die Chance, die sozial-ökologische Transformation zu beschleunigen," meint auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Und verspricht den Amtskollegen von Berlin aus: "Trotz der Pandemie gerät der Umweltschutz nicht ins Hintertreffen."

Dabei ist das virtuelle Meeting schon ins Hintertreffen geraten: Wichtige Themen können in diesem Jahr von dieser UN-Versammlung nicht beraten werden, weil einige Staaten nicht virtuell verhandeln wollten. So wird es in Nairobi vor allem um ein stabiles Budget für UNEP gehen und das Absegnen seiner mittelfristigen Programmziele. Im nächsten Jahr soll dann Teil zwei der diesjährigen Begegnung nicht mehr nur im Netz stattfinden.

Gesprächsbedarf hat sich aufgestaut

Vielleicht gibt es ja bis zum Februar 2022 einiges zu berichten, was die Welten-Rettung wahrscheinlicher macht: neue Zugeständnisse beim UN-Klimagipfel durch die USA etwa. Vielleicht kommen die Amerikaner ja auch bei der nächsten UN-Konferenz über Artenvielfalt den übrigen Staaten entgegen. Der entsprechenden Konvention sind sie jedenfalls noch nicht beigetreten. Einen Nahrungsmittel-Gipfel und eine UN-Ozeankonferenz wird es dieses Jahr auch geben. Eigentlich müsste es ein Jahr für die Umwelt sein, das mit der UN-Umweltversammlung nun einen guten Anfang finden könnte.

Die lange Konferenzliste zeigt jedenfalls, was sich an Gesprächsbedarf zu Umweltfragen durch Corona aufgestaut hat. Schon das Nairobi-Treffen wird aber zeigen müssen, dass es den Staaten wichtig ist, zu handeln. Mit martialischen Worten allein wird sich die Schlacht für eine bessere Umwelt jedenfalls nicht gewinnen lassen.

UN-Umweltkonferenz befasst sich mit Klima-und Umweltkrise
Antje Diekhans, ARD Nairobi
22.02.2021 06:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Februar 2021 um 07:31 Uhr.

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