Probleme der Afrikanischen Union Kein Geld, keine klaren Worte, keine Durchsetzungskraft

Stand: 25.05.2013 11:27 Uhr

Die Afrikanische Union setzt sich für die Einheit des Kontinents ein. Sie will realpolitischer sein als ihre Vorgängerorganisation. Doch der AU fehlt oft das Geld für Einsätze und für humanitäre Hilfe. Gegenüber den Diktatoren des Kontinents verzichtet sie auf klare Worte.

Von Marc Engelhardt, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Plenarsaal der Afrikanischen Union in Addis Abeba
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Innerhalb der AU werden deutliche Worte bezüglich einzelner Regierungen meist vermieden.

Irgendwer debattiert immer im modernen Hauptquartier der Afrikanischen Union in Addis Abeba. Treffen ungezählter Komitees, Subkomitees und natürlich des Friedens- und Sicherheitsrats überbrücken die Zeit zwischen den Gipfeltreffen, zu denen Afrikas Staats- und Regierungschefs anreisen. 54 Staaten gehören der Afrikanischen Union an - alle afrikanischen Länder mit Ausnahme von Marokko. Das Ziel der Organisation ist afrikanische Einheit. Das Vorbild ist die Europäische Union.

Doch davon sei die AU noch weit entfernt, glaubt der Politikwissenschaftler Hamdy Abdelrahman Hassan von der Universität Kairo. "Nach jetzt mehr als 50 Jahren Unabhängigkeit sind wir immer noch nicht vorangekommen. Afrikanische Union oder die 'Vereinigten Staaten von Afrika' - das sind doch nur Slogans", sagt er. "Gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt, der das Leben der Menschen hier wirklich verändern würde, der fehlt immer noch in Afrika."

"Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme"

Vor neun Jahren wurde die AU gegründet - als Nachfolgerin der "Organisation für Afrikanische Einheit", die in den 1960er-Jahren mit den Idealen des Panafrikanisten Kwame Nkrumah startete und zum Schluss als "Plauderklub der Diktatoren" galt. Die Afrikanische Union wollte realpolitischer sein, sich bei Krisen einmischen und Afrika nach dem Kalten Krieg zu einer eigenen Stimme verhelfen. "Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme", lautet bis heute ihr Slogan.

Tatsächlich ist es der AU gelungen, in Konfliktgebieten wie Darfur oder Somalia mit afrikanischen Eingreiftruppen Präsenz zu zeigen. Allerdings nur dank ausländischer Finanzierung, denn der Union fehlt Geld - auch für humanitäre Hilfe in Ländern wie Somalia. Ihr zweites Problem ist die fehlende Durchsetzungskraft gegenüber den einzelnen Mitgliedsstaaten. Mehr als 100 Kommuniqués zu Frieden und Sicherheit hat die AU in den vergangenen neun Jahren beschlossen - Wirkung zeigten die wenigsten.

"Die Afrikanische Union hat auch die Afrikanische Charta zur Demokratie ausgearbeitet", sagt die kenianische Publizistin und Frauenrechtlerin Mary Wandia, die die Arbeit der AU verfolgt. "Darin sind ganz klare Standards für Wahlen festgelegt. Aber bisher hält sich kaum ein Land daran."

Regierende schützen sich gegenseitig

In fast allen zentralen Fragen vermag die AU sich nicht zu einigen: So ist es jetzt in Sachen Muammar al Gaddafi, der vor zwei Jahren noch Vorsitzender der Union war. So war es bei den Krisen in der Elfenbeinküste, in Simbabwe und natürlich in Somalia. Auch die AU ist auf dem Weg, zu einem Club der Regierenden zu verkommen, die sich vor allem gegenseitig schützen. Viele regieren ihr Land kaum weniger autoritär als Gaddafi. Afrikas neue Despoten verzichten deshalb lieber auf deutliche Worte - aus Angst, sie könnten sie eines Tages selber treffen.

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